Provenienzforschung

Provenienzforschung

Die Provenienzforschung der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen erstreckt sich auf Kunstwerke, die ab 1933 erworben bzw. inventarisiert wurden und deren Provenienzen unklar sind. Gemäß der Grundsätze der Washingtoner Konferenz in Bezug auf Kunstwerke, die von den Nationalsozialisten beschlagnahmt wurden (Washington Principles von 1998) prüfen die Staatsgemäldesammlungen ihre Bestände in den Pinakotheken und Zweiggalerien, um festzustellen, ob sich darunter während des Nationalsozialismus unrechtmäßig enteignete Kunstwerke aus ehemals jüdischem Besitz befinden, die restituiert werden können. Zielsetzung ist eine möglichst lückenlose Dokumentation der Provenienzen, die die Aufklärung von Eigentumsverhältnissen erleichtert.

Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen betreiben systematische Provenienzforschung seit 1999

Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen haben 1999 bis 2002 eine erste, auf drei Jahre befristete Stelle für Provenienzforschung eingerichtet. Ilse von zur Mühlen hat in diesem Zeitraum die Bestände überprüft und für die 125 Werke aus der ehemaligen Sammlung Göring einen Katalog erstellt, der 2004 erschienen ist. 2006 wurden die darin untersuchten Werke wegen Raubkunstverdacht auf www.lostart.de gemeldet. Seit 2008 gibt es ein eigenes Referat für Provenienzforschung, für das eine Konservatorenstelle eingesetzt ist, d.h. die Stelle ist unbefristet. Dr. Andrea Bambi untersucht seitdem die Provenienzen der Werke, die seit 1933 erworben wurden und die vor 1945 entstanden sind.

Die Staatsgemäldesammlungen untersuchen proaktiv 4400 Gemälde und 770 Skulpturen

Dabei handelt es sich um die Bestände der drei Pinakotheken, der Schack-Galerie und der zwölf Zweiggalerien. Insgesamt umfasst der zu überprüfende Bestand circa 4400 Gemälde und 770 Skulpturen. Diese Kunstwerke wurden in einem ersten Durchgang auf offene Provenienzen überprüft. Das Ergebnis der ersten Überprüfung zeigte, dass viele der Werke eine in Teilen unklare Provenienz bzw. eine Provenienzlücke aufweisen. Daraufhin wurden sie nach Erwerbsmerkmalen kategorisiert und mit Einzelrecherchen zu relevanten Themenkomplexen begonnen. Das Referat bearbeitet proaktiv entsprechende Fälle, meldet diese bei Verdacht auf verfolgungsbedingten Entzug der Internet-Datenbank www.lostart.de oder tritt – sofern möglich – an die Anspruchsberechtigten heran. Zudem werden provenienzrelevante Vorgänge wie Neuankäufe, Ausleihen, Datenbankeinträge und Katalogeinträge erarbeitet. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Referats nehmen laufend an Fortbildungen, Workshops und Tagungen zur Provenienz- und Kunstmarktforschung teil. Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen sind Mitglied im Forschungsverbund Provenienzforschung Bayern und waren 2016 Gastgeber der Herbsttagung des Arbeitskreises Provenienzforschung e. V.

Die Provenienzrecherche der BSTGS umfasst die Bestände aller drei Pinakotheken und der Zweiggalerien

Untersucht werden Gemälde und Plastiken, die ab 1933 erworben wurden und vor 1945 entstanden sind.

Rechercheschwerpunkte sind:

›Überweisungen aus Staatsbesitz‹: Bei den sogenannten Überweisungen aus Staatsbesitz handelt es sich um Kunst- und Kulturgegenstände aus den Sammlungen ehemaliger Funktionäre und Organisationen der NSDAP, die vor allem in den 1950er- und 1960er-Jahren auf Basis alliierter Kontrollratsdirektiven an den Freistaat Bayern übereignet wurden. Rund 900 dieser Kunstwerke gelangten daraufhin in den Bestand der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, in dem sie aufgrund ihrer Herkunft eines der problematischsten forschungsrelevanten Konvolute bilden. Bearbeitet wird und wurde dieser Bestand von Dr. Florian Wimmer † (von November 2013 bis November 2015), von Dr. Johannes Gramlich (seit 1. Juli 2016) und Anja Zechel M.A. (von November 2012 bis Mai 2017).

›Klassische Moderne‹: Seit März 2015 werden 238 ausgewählte Werke der Klassischen Moderne von Johanna Poltermann untersucht. Die Forschungslage zu diesen Werken ist komplex, da sie nicht von den Pinakotheken direkt erworben wurden, sondern zu großen Teilen über Schenkungen in der Nachkriegszeit in die Sammlung kamen. Wichtige Konvolute sind beispielsweise die ehemaligen Privatsammlungen von Woty und Theodor Werner, von Martha und Markus Kruss, von Günther Franke oder auch von Sofie und Emanuel Fohn. Die genannten Sammlungen entstanden teilweise in der Weimarer Republik, in der Zeit des Nationalsozialismus oder auch in der Nachkriegszeit, weswegen die eigentlichen historischen Ankaufsverhältnisse einer kritischen Prüfung unterzogen werden müssen.

›Erwerbungen 1933-1945‹: Die zwischen 1933 und 1945 erworbenen Werke wurden in der unmittelbaren Nachkriegszeit im Münchner Collecting Point auf Raubkunst untersucht, eine zweite grundlegende Überprüfung erfolgte 1999 bis 2002. Seit Sommer 2017 wird dieser gut 950 Werke umfassende Bestand von Anja Zechel auf Basis neu zugänglicher Quellen erneut auf Raubkunst überprüft und im Hinblick auf die Provenienzangaben aktualisiert.   

›Erwerbungen nach 1945 bis heute‹: In einem auf Daten aus Inventar und Bildakt beschränkten Erstcheck werden circa 2500 Werke mit Grunddaten zur Provenienz in die hauseigene Datenbank eingepflegt, um daran anschließend mit der Tiefenrecherche zu relevanten Themenkomplexen beginnen zu können. Ziel ist die Überprüfung der Werke auf möglichen Raubkunstverdacht. Projektbearbeiterin ist Dr. Ilse von zur Mühlen.

Kontakt zu unseren Provenienzforschern

Mitarbeiter

Das Referat Provenienzforschung bei den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen hat fünf MitarbeiterInnen

Insgesamt fünf Personen arbeiten im Referat für Provenienzforschung: Leitung Dr. Andrea Bambi, Kunsthistorikerin, 1 Stelle Vollzeit (Oberkonservatorenstelle), Dr. Johannes Gramlich, Historiker, 1 Stelle Vollzeit (seit 07/2016, befristet bis 12/2020), Johanna Poltermann M.A., Kunsthistorikerin, 1 Stelle Vollzeit (seit 03/2015 befristet bis 12/2020), Dr. Ilse von zur Mühlen ist derzeit der Inventarabteilung assoziiert (seit 07/2017, befristet bis 06/2019) Anja Zechel M.A., Historikerin, 1 Stelle Teilzeit (unbefristet). Die Oberkonservatorenstelle und die Teilzeitstelle sind im Haushalt, d.h. reguläre Stellen. Die befristeten Stellen werden zu 75 % aus Mitteln des Ministeriums und zu 25 % aus Drittmitteln finanziert.

Restitutionen

Seit 1998 haben die BSTGS 13 Werke aus 9 Sammlungen restituiert.
Hier erhalten Sie eine Übersicht und weitere Informationen zu den den bisherigen Restitutionen

Seit der sog. Washingtoner Erklärung von 1998 haben die Staatsgemäldesammlungen 13 Werke restituiert. Diese stammen aus den Sammlungen von James von Bleichröder, Eduard Behrens, Josef Block, Curt Glaser, Elisabeth Glanville, Julius Kien, August Liebmann Mayer, Max Meirowsky und Ottmar Strauss. Die Restitutionen von 7 Werken an die Erben von James von Bleichröder, Eduard Behrens, Julius Kien und August Liebmann Mayer erfolgten proaktiv, d.h. auf Initiative der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen.

Proaktive Recherche und Restitutionsforderungen:

Mit den Erben nach James von Bleichröder, vertreten durch zwei Anwaltskanzleien, fanden 2016 Gespräche mit dem Ziel einer Restitution des seit 2006 wegen Raubkunstverdacht in der Internet-Datenbank Lostart.de gemeldeten Gemälde »Auferweckung des Lazarus« von einem süddeutschen Meister auf Basis der Erkenntnisse des erarbeiteten Provenienzberichts statt. Am 21. Juli konnte das Werk restituiert und dank des Einverständnisses der Erbenvertreter für die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen zurückerworben werden. Nähere Informationen dazu finden Sie hier.

2016 wurden zwei neue Provenienzberichte zu Werken aus den Sammlungen Glaser und Davidsohn erstellt. Während zu ersterer eine Restitutionsforderung vorliegt, wird im Fall Davidsohn proaktiv recherchiert und nach den Erben gesucht.

Fritz Salo Glaser (1876‒1956) war Rechtsanwalt und Kunstsammler in Dresden. Die Staatsgemäldesammlungen haben das Gemälde »Hafenbild« von Paul Klee, das sich einst in Glasers Sammlung befunden hatte, 1971 aus der Sammlung des Künstlerehepaars Theodor und Woty Werner erhalten. 1933 war das Werk definitiv noch bei Glaser, 1936 versuchte er es zu veräußern, doch für den Zeitraum 1937 bis 1968 fehlt jede Spur. Die Erbin nach Glasers Sohn, vertreten durch eine Anwaltskanzlei, und die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen versuchen derzeit, diese Provenienzlücke durch Austausch der Erkenntnisse und fortgesetzte Recherche zu schließen.

Julius Davidsohn (1864‒1942) aus Hannover und seine Frau Semaya Franziska (geb. Hirsch; 1879‒1943) waren Eigentümer von Kunstwerken, die im November 1938 in ihrer Münchner Wohnung durch die Gestapo beschlagnahmt wurden. 1942 wurde das Ehepaar nach Theresienstadt deportiert, wo Julius Davidsohn im August 1942 und Semaya Davidsohn im April 1943 ermordet wurden. Die beschlagnahmten Kunstgegenstände wurden 1946 in den Münchner Central Collecting Point verbracht. Erben waren nicht auffindbar, sodass die Jewish Restitution Successor Organization (JRSO), die in Fällen erbenlosen Vermögens die Ansprüche vertrat, 1948 Rückerstattungsansprüche anmeldete. Mit dem Globalabkommen vom 29.7.1952 trat die JRSO ihre Ansprüche an den Freistaat Bayern ab. Daher sind bis heute die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, das Bayerische Nationalmuseum und die Staatliche Graphische Sammlung München im Besitz der im November 1938  konfiszierten Kunstgegenstände des Ehepaares Davidsohn. Die Staatsgemäldesammlungen konnten nun die in Deutschland lebenden Erben ausfindig machen. Ziel ist es die Kunstwerke an die heute Berechtigten zu restituieren. Mit Unterstützung der Jewish Claims Conference Deutschland wird aktuell nach den weiteren Erben in Amerika, England und Simbabwe-Rhodesien gesucht.

Am 6. Dezember 2016 haben die Erben nach Alfred Flechtheim im Bundesbezirksgericht in New York gegen den Freistaat Bayern Klage erhoben. Sie fordern die Restitution von sechs Gemälden von Max Beckmann sowie je einem Werk von Juan Gris und Paul Klee. Diese Werke wurden von Flechtheim gehandelt und gesammelt. Allerdings haben die Staatsgemäldesammlungen sie erst 1971 und 1974 über Theodor und Woty Werner und Günther Franke erhalten und besitzen keine Verkaufsbelege aus der Zeit Flechtheims. Die Kläger nehmen einen verfolgungsbedingten Verlust nach Flechtheims Emigration an, während die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen auf Basis des aktuellen Forschungsstands von wirksamen Rechtsgeschäften vor 1933 ausgehen.

2015 forderte das Holocaust Claims Processing Office (HCPO) stellvertretend für den ›Max Stern Estate‹ das 1986 bei ›Karl und Faber‹ in München erworbene Gemälde von Hans von Marées »Ulanen auf dem Marsch«. 2016 fand hierzu ein Informationsaustausch statt. Da auf Basis der beidseitig erfolgten Recherchen weiterhin grundlegende Fragen nicht geklärt werden konnten, haben die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen den Gang vor die sogenannte Beratende Kommission vorgeschlagen.

Im Fall Hagen kann dem Begehren der Erben auf Restitution des Gemäldes "Das Zitronenscheibchen" von Jacob Ochtervelt nicht entsprochen werden, da es sich bei diesem Gemälde nach der vorhandenen Faktenlage nicht um einen verfolgungsbedingten Entzug während des nationalsozialistischen Regimes handelt. Das Gemälde war Eigentum von Carl Thürling, der es dem Bankhaus Hagen & Co., Berlin, als Sicherung für ein Darlehen zusammen mit weiteren 20 Gemälden übergab. Mit vollständiger Ablösung der Darlehensforderung verfiel der Anspruch der Antragsteller auf Restitution des Gemäldes. Bereits im Oktober 1950 zogen die direkten Erben nach Carl Hagen den Restitutionsantrag zurück.

Die Erben nach Paul von Mendelssohn-Bartholdy haben wegen des Gemäldes von Picasso mit dem Titel "Madame Soler" im Jahr 2013 in den USA Klage gegen den Freistaat Bayern eingereicht. Die Klage wurde aufgrund der Staatenimmunität des Freistaats Bayern mangels Zuständigkeit amerikanischer Gerichte in zwei Instanzen zurückgewiesen. Zuletzt hat auch der US-Supreme Court in Washington D.C., das oberste Verfassungsgericht der USA, im Januar 2016 die Klage abgelehnt.

Fundmeldungen

Die Staatsgemäldesammlungen listen Fundmeldungen auf www.lostart.de.

Wenn sich Raub oder verfolgungsbedingter Verlust nicht gänzlich ausschließen lassen, erfolgt bereits eine Meldung bei der Internetplattform Lost Art. Dort ist der momentane Informationsstand zu den Gemälden öffentlich einsehbar, so dass mögliche Eigentümer ihre Ansprüche geltend machen können. Rund 280 Kunstwerke sind aktuell bei Lost Art (www.lostart.de) einsehbar. Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen folgen damit ihrer Verpflichtung der Bestandsüberprüfung nach den Maßstäben der sogenannten Handreichung, auf Basis der Gemeinsamen Erklärung und den Washington Principles (Grundsätze der Washingtoner Konferenz in Bezug auf Kunstwerke, die von den Nationalsozialisten beschlagnahmt wurden). Diese Zahl erhöht sich ständig und veranschaulicht die ernst gemeinte Bereitschaft der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, ihren Bestand zu überprüfen und Raubkunst zu melden.

Die Recherchen zu den Werken gehen indes weiter. Mit zusätzlichen Quellen versuchen die Provenienzforscher bisherige Lücken zu schließen und die Herkunft des Gemälde und Skulpturen vollständig zu klären. 

Alfred Flechtheim

15 Museen zeigen bis März 2014 in Ausstellungen und auf der Website www.alfredflechtheim.com Kunstwerke, die durch ihre Provenienz (= Herkunft) in Verbindung mit den Galerien von Alfred Flechtheim stehen. Die gezeigten Werke sind über verschiedene Wege in die jeweiligen Sammlungen gelangt: einen Teil erwarben die Museen direkt bei Alfred Flechtheim, sei es als Ankauf, Geschenk oder durch seine Vermittlung. Weitere Werke wurden von ihm an Dritte verkauft und gelangten über mehrere Zwischenstationen – meist nach 1945 – in die Museen.

Der Galerist Alfred Flechtheim (1878–1937) gehört zu den bedeutenden Protagonisten der Kunstszene im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Sein Einsatz für den rheinischen Expressionismus, die französische Avantgarde und die deutsche Moderne, die Förderung von Künstlerpersönlichkeiten wie Max Beckmann, George Grosz und Paul Klee haben ihn bereits zu Lebzeiten international bekannt gemacht. Doch die Herrschaft des Nationalsozialismus verändert sein und das Leben seiner Familie drastisch: Im Oktober 1933 muss Flechtheim Deutschland verlassen, als Kunsthändler jüdischer Herkunft wird er öffentlich diffamiert, seine Galerien in Düsseldorf und Berlin werden bis 1935 liquidiert oder von früheren Partnern fortgeführt, noch vorhandenen Kunstbesitz transferiert er ins Ausland, vor allem nach London. Dort stirbt er 1937 im Alter von nur 59 Jahren an den Folgen eines Unfalls. Seine Ehefrau Betty nimmt sich 1941 angesichts ihrer bevorstehenden Deportation das Leben. Die in ihrer Berliner Wohnung verbliebenen Kunstwerke werden beschlagnahmt und gelten als verschollen.

Seit 2009 vermuten die Erben nach Alfred Flechtheim bei zahlreichen Werken mit der Provenienz Flechtheim in Sammlungen von Museen im In- und Ausland einen verfolgungsbedingten Verlust. 2012 und 2013 kam es zu ersten Entschädigungen bzw. Restitutionen an die Erben nach Alfred Flechtheim (Bonn, Köln). Die ProvenienzforscherInnen der Museen versuchen seitdem gemeinsam und auf Grundlage der sogenannten Handreichung zur Umsetzung der 1999 unterzeichneten „Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zur Auffindung und zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem Besitz“, vorliegende Erkenntnisse zu vertiefen und offene Fragen zu beantworten. Diese Recherchen waren der  Ausgangspunkt für das Projekt, das Alfred Flechtheims außergewöhnliches Wirken als Händler der vom Nationalsozialismus diffamierten Künstler, den abrupten Bruch in der Biografie, seine damit verbundenen Verlusterfahrungen und das tragische Schicksal seiner Familie würdigt.

Nicht immer lassen sich Provenienzen von Kunstwerken vollständig dokumentieren, weil durch Verfolgung, Krieg, Flucht und Emigration wichtige Unterlagen verloren gingen oder zum Schutz der Privatsphäre nicht zugänglich sind. Flechtheims Geschäftsunterlagen in der Mayor Gallery vernichtete der von der Deutschen Luftwaffe geflogene „London Blitz“ im September 1940, Bomben der Royal Air Force zerstörten die Düsseldorfer Galerie 1943 und  von der Berliner Galerie sind keine Geschäftsunterlagen überliefert. So sind 76 Jahre nach Alfred Flechtheims Tod und trotz mehrjähriger Forschung im internationalen Verbund nicht alle Wege seiner Kunstwerke restlos geklärt. 

Aktuelles

Richtigstellung der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen vom 28. Juni 2016
Zum Artikel von Catrin Lorch und Jörg Häntzschel: "MÜNCHNER RAUBKUNST-BASAR", Süddeutsche Zeitung vom 25./26. Juni 2016
Sie können die Richtigstellung hier herunterladen. (PDF)

 

Jan Schleusener: „Raub von Kulturgut. Der Zugriff des NS-Staats auf jüdischen Kunstbesitz in München und seine Nachgeschichte“

Im Januar 2015 haben die Landeshauptstadt München, die Städtische Galerie im Lenbachhaus, das Jüdische Museum und die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen ein Kooperationsprojekt mit dem Lehrstuhl für Zeitgeschichte an der Universität Erfurt, Prof. Dr. Christiane Kuller, vereinbart. Im Rahmen des Projektes hat der Zeithistoriker Dr. Jan Schleusener die Mitte November 1938 in Gang gesetzte Beschlagnahmung von Kunstgegenständen bei jüdischen oder als jüdisch im Sinne der NS-Rassenterminologie angesehenen Kunsthändlern und anderen Eigentümern von Kunst in München und Umgebung untersucht.

Buchpräsentation am 30.11.2016, 19:00 Uhr im Jüdischen Museum München
Anmeldung unter landesstelle@blfd.bayern.de

 

Einblicke in die Provenienzforschung im AVISO-Heft 3/2015

Provenienzforschung und die Aufarbeitung der Folgen des nationalsozialistischen Kunstraubes hat für Dr. Bernhard Maaz, den Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen einen hohen Stellenwert in der Museumsarbeit: „Diese Geschichte ist nie ganz abgeschlossen und wird uns moralisch immer beschäftigen, aber sie muss unter dem historischen Aspekt mit aller Kraft weiterverfolgt werden“, schreibt Maaz in der Ausgabe der Zeitschrift AVISO. Neben der ausführlichen Stellungnahme von Generaldirektor Maaz zur Provenienzforschung findet sich dort auch eine Vorstellung der laufenden Rechercheprojekte an den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und an anderen bayerischen Institutionen wie dem Nationalmuseum und dem Zentralinstitut für Kunstgeschichte. Die Zeitschrift AVISO bietet damit einen umfassenden Einblick in das vielfältige Bemühen in Bayern, die Herkunft von Kunstwerken zu klären, Raubkunst zu identifizieren und betroffene Gemälde und Skulpturen gegebenenfalls an die Nachkommen der Opfer zurückzuerstatten.

Zum AVISO-Heft 3/2015 als e-paper 

 

Alfred Flechtheim - Raubkunst und Restitution

Das Referat Provenienzforschung der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen leistet immer wieder Beiträge zur Grundlagenforschung. Das jüngste Ergebnis dieses Engagements ist eine von Dr. Andrea Bambi mitherausgegebene Publikation zum Thema Raubkunst und Restitution am Beispiel von Alfred Flechtheim. Bis zu seinem Tod 1937 zählte er zu den wichtigsten Kunsthändlern seiner Zeit. Als herausragender Sammler, Händler und Mäzen vertrat Flechtheim, der von den Nationalsozialisten ins Exil getrieben wurde, bedeutende Meister der Klassischen Moderne wie Paul Klee oder Pablo Picasso. Was mit seinen Bildern geschah, ist zum Teil bis heute ungeklärt. In dem nun erschienenen Sammelband erörtern internationale Expertinnen und Experten unterschiedlicher Fachrichtungen exemplarisch in interdisziplinärer Perspektive aktuelle Fragen nach der Restitution von Raubkunst.

Schriftenreihe der Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte:
Andrea Bambi/Axel Drecoll (Hrsg.): Alfred Flechtheim. Kunstraub und Restitution,  
München 2015, De Gruyter Oldenbourg Verlag, 303 Seiten, 24,95 €

Zur Verlagsseite

Zur Rezension von Jürgen Lillteicher

 

Forschungsverbund Provenienzforschung Bayern

Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen sind Gründungsmitglied des Forschungsverbundes Provenienzforschung Bayern, den das Bayerische Kultusministerium im Mai 2015 eingerichtet hat. Der Verbund soll die Provenienzforschung in Bayern durch eine intensivere Kooperation voranbringen. Dazu werden u.a. wichtige Aktenbestände aus beteiligten Einrichtungen digital erschlossen und dem Verbund zugänglich gemacht. Über eine digitale Plattform sollen relevante Daten und Fakten für alle beteiligten Forscher zur Verfügung stehen. Gleichzeitig soll auch die Ausbildung im Bereich der Provenienzforschung gestärkt werden. Als Gründungsmitglieder des Verbunds sind neben den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, dem Bayerischen Nationalmuseum, der Bayerischen Staatsbibliothek, der Staatlichen Graphischen Sammlung München und der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns auch das Zentralinstitut für Kunstgeschichte, das Institut für Kunstgeschichte der LMU München, das Institut für Zeitgeschichte München-Berlin sowie die Landesstelle für die nicht-staatlichen Museen in Bayern vorgesehen. Weitere bayerische öffentliche Einrichtungen können sich dem Verbund anschließen.

Zur offiziellen Pressemitteilung

Neuerscheinung

Jan Schleusener: „Raub von Kulturgut. Der Zugriff des NS-Staats auf jüdischen Kunstbesitz in München und seine Nachgeschichte“

Im Januar 2015 haben die Landeshauptstadt München, die Städtische Galerie im Lenbachhaus, das Jüdische Museum und die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen ein Kooperationsprojekt mit dem Lehrstuhl für Zeitgeschichte an der Universität Erfurt, Prof. Dr. Christiane Kuller, vereinbart. Im Rahmen des Projektes hat der Zeithistoriker Dr. Jan Schleusener die Mitte November 1938 in Gang gesetzte Beschlagnahmung von Kunstgegenständen bei jüdischen oder als jüdisch im Sinne der NS-Rassenterminologie angesehenen Kunsthändlern und anderen Eigentümern von Kunst in München und Umgebung untersucht.

Buchpräsentation am 30.11.2016, 19:00 Uhr im Jüdischen Museum München

Anmeldung unter landesstelle@blfd.bayern.de

Ausführliche Informationen als PDF-Dokument

Publikationen

Publikationen von Dr. Andrea Christine Bambi

-Günther Franke und die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Vier Jahrzehnte Bestandsaufbau für die Pinakothek der Moderne, in: Felix Billeter: Kunsthändler, Sammler, Stifter. Günther Franke als Vermittler moderner Kunst in München 1923-1976 (in Vorbereitung).

-„Nicht pinakothekswürdig“ Ernst Buchners Museumspolitik und ihre Folgen: Tauschgeschäfte und Ausstellungen in den Pinakotheken 1933 – 1945, in: Jahresbericht der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen für 2016 (in Vorbereitung).

-Museen und Kunstraub. Zur Geschichte eines von musealer Seite aktiv begleiteten Kunstraubes, mit Irene Netta und Bernhard Purin, in: Jan Schleusener: „Raub von Kulturgut. Der Zugriff des NS-Staats auf jüdischen Kunstbesitz in München und seine Nachgeschichte“, München 2016 (im Druck).

-Die Sofie und Emanuel Fohn-Schenkung, mit Johanna Poltermann und Oliver Kase, Museumsbroschüre, München 2016.

-Forschungsfeld Provenienz. Größe und Grenzen Aufgabenstellung für die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, zusammen mit Bernhard Maaz, Johanna Klapproth, Florian Wimmer und Anja Zechel, in: Aviso. Zeitschrift für Wissenschaft und Kunst in Bayern 3/2015, S. 12–17

-Olaf Gulbransson Museum, in: Schätze und Orte der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, Die Pinakotheken in Bayern, Bernhard Maaz (Hrsg.), München 2015, S. 161.

-Schriftenreihe der Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte: Andrea Bambi/Axel Drecoll (Hrsg.): Alfred Flechtheim. Kunstraub und Restitution, München 2015, De Gruyter Oldenbourg Verlag, 303 Seiten.

-Schriftenreihe der Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte: Andrea Bambi/Axel Drecoll (Hrsg.): Alfred Flechtheim. Kunstraub und Restitution, München 2015, De Gruyter Oldenbourg Verlag, 303 Seiten.

-Michael Berolzheimer’s art collection, in: Michael Berolzheimer. His Life and Legacy 1866-1942, München 2014,S.155-163.

-Das Beste für München.Hugo von Tschudis Erwerbungen moderner französischer Kunst für die Pinakotheken, in: Aviso 3/2013, S.16-19.

-Eberhard Hanfstaengl. Eberhard Hanfstaengl und seine Amtszeit an den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen von 1945 bis 1953 In: „So fing man einfach an, ohne viele Worte! Ausstellungswesen und Sammlungspolitik in den ersten jahren nach dem zweiten Weltkrieg. Hg. von Julia Friedrich und Andreas Prinzing für das Museum Ludwig. Köln 2013, S.157.

-Restitution von NS-Raub- und Beutekunst, in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_46253> (24.03.2014)

-"Ich bin nicht Beckmanns Kunsthändler" Alfred Flechtheim und seine Künstlerverträge, erläutert am Beispiel von Max Beckmann, in: Kunst sammeln – Kunst handeln. Beiträge des Internationalen Symposiums in Wien. Hg. v. Eva Blimlinger und Monika Mayer. Wien 2012, S. 167-182.

-Rezension von Rosebrock, Tessa Friederike: Kurt Martin und das Musée des Beaux-Arts de Strasbourg : Museums- und Ausstellungspolitik im ’Dritten Reich’ und in der unmittelbaren Nachkriegszeit, Berlin 2012, in Kunstform/arthistoricum.net 13/2012,6.

- mit Felix Billeter: Max Beckmann – von Berlin nach Amsterdam. Grundlagen für seine Emigration und unterstützende Netzwerke in den Niederlanden, in: Netzwerke des Exils, Künstlerische Verflechtungen, Austausch und Patronage nach 1933, Berlin 2011,S.397-414.

-Provenienzforschung an den bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Ein Zwischenbericht. In: Die Verantwortung dauert an. Beiträge deutscher Institutionen zum Umgang mit NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut, bearb. v. Andrea Baresel-Brand, Magdeburg 2010, S.259-276.

-„Es gibt so viele Arten von Sammlern wie Sammler“ – Große Sammler um 1900, ihre Kriterien und ihre Wirkung. In: Das schönste Museum der Welt. Kat. Ausst. Essen 2010, Essays zur Geschichte des Museum Folkwang, S.71-88.

- „Van Gogh ist bei mir! Das ist ein lieber Gast.“Die Sammlerin Thea Sternheim. In: Kunstsammlerinnen. Von Peggy Guggenheim bis Ingvild Goetz. Hg. v. Dorothee Wimmer u.a. Berlin 2007.

- „Bilderfimmel und Gemälderummel“. Brakls Kunsthaus und die Künstlergruppe Die Scholle. Prestel Verlag, München 2007.

- Andrea Pophanken und Felix Billeter (Hrsg.): Die Moderne und ihre Sammler. Französische Kunst in deutschem Privatbesitz vom Kaiserreich zur Weimarer Republik. Passagen 3. Berlin 2001. Darin: Die französische Moderne und ihre deutschen Sammler (mit F. Billeter), S. 11-22. Darin: „Auf den ersten Kennerblick hin.“ Die Sammlung Carl und Thea Sternheim in München, S.251-266.

-Günther Franke und die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Vier Jahrzehnte Bestandsaufbau für die Pinakothek der Moderne, in: Felix Billeter: Kunsthändler, Sammler, Stifter. Günther Franke als Vermittler moderner Kunst in München 1923-1976 (im Druck).

-„Nicht pinakothekswürdig“ Ernst Buchners Museumspolitik und ihre Folgen: Tauschgeschäfte und Ausstellungen in den Pinakotheken 1933 – 1945, in: Jahresbericht der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen für 2016, S.126-135.

-Museen und Kunstraub. Zur Geschichte eines von musealer Seite aktiv begleiteten Kunstraubes, mit Christiane Kuller,  Irene Netta und Bernhard Purin, in: in: Jan Schleusener: Raub von Kulturgut. Der Zugriff des NS-Staats auf jüdischen Kunstbesitz in München und seine Nachgeschichte, München 2016, S. 11–20.