Rundgang Pinakothek der Moderne

Saal 13

Künstler im Nationalsozialismus

Die ausgestellten Gemälde und Plastiken, die in der Zeit des Nationalsozialismus 1933 bis 1945 entstanden, verdeutlichen in der Zusammenschau gegensätzliche Stile und Haltungen der Künstler gegenüber dem NS-Regime. Sie zeigen auf der einen Seite aktive NS-Propaganda oder die Anpassung an das System, auf der anderen Seite den Rückzug einiger von den Nationalsozialisten als „entartet“ diffamierter Künstler in die „innere Emigration“ und deren Fortsetzung der Abstraktion im Verborgenen, die Rückwendung auf die kleinformatige Plastik nach antiken Vorbildern oder die Andeutung unheilvoller Zukunftsvisionen im Surrealismus.

Für die Kontinuität der abstrakten avantgardistischen Malerei nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten steht das Werk des Bauhaus-Schülers Fritz Winter, der aus Halle 1933 in die Nähe von München zog und nun mittels Licht und Dunkelheit geheimnisvolle Bildräume erschuf. Willi Baumeister verlor bereits 1933 seine Professur an der Frankfurter Kunstgewerbeschule und entwickelte in Stuttgart seine „Sportbilder“ weiter zu zeitentrückten, nach Ursprünglichkeit strebenden, abstrakt-organischen Bildzeichen. Die Bildhauer Hermann Blumenthal, Gerhard Marcks und Käthe Kollwitz, deren Werke von den Nationalsozialisten ebenfalls in deutschen Museen als „entartet“ beschlagnahmt wurden, waren zeitweilig in der Ateliergemeinschaft Klosterstraße in Berlin verbunden, in der die Sehnsucht nach einem idealen Arkadien der Realität der NS-Politik entgegentrat. In ihren Skulpturen von 1936 und 1937 wendeten sich Marcks und Blumenthal gegen die großformatige heroische Plastik der Nationalsozialisten und orientierten sich mit stillen Figuren der Reflexion stilistisch an archaischen Vorbildern des Altertums. Käthe Kollwitz begann ihr Relief der „Klage“ nach dem Tod des als „entartet“ verfemten Bildhauers Ernst Barlach im Jahr 1938. In dem Relief sah sie über die Trauer um den Freund hinaus ein allgemeines Bild des „Unrechts, das Menschen einander zufügen“.

Eine zentrale Rolle in der Verfolgung moderner Künstler nahm Adolf Ziegler ein, der als Präsident der „Reichskammer der bildenden Künste“ mit der Beschlagnahme der „entarteten Kunst“ in deutschen Museen betraut war. Mit seinem Triptychon „Vier Elemente“ schuf er eines der bis heute bekanntesten Gemälde des Nationalsozialismus, das einem rassistischen Menschen- und Weiblichkeitsbild huldigte, auf der ersten „Großen Deutschen Kunstausstellung“ im „Haus der Deutschen Kunst“ in München 1937 ausgestellt und von Adolf Hitler für den „Führerbau“, das Parteigebäude der NSDAP am Königsplatz, erworben wurde. Unmittelbare Gegenspieler dieses Triptychons sind zwei surrealistische Gemälde von Richard Oelze und Max Ernst, die in Paris entstanden und Unheil sowie Bedrohung des Faschismus andeuten. Max Ernst schuf mit seinem „Hausengel“ zeitgleich zu Ziegler 1937 ein über weite Ebenen stürmendes Fabelwesen, das er selbst als symbolische Bestie des Faschismus sah. Die beiden Gemälde von Carl Protzen verdeutlichen im Unterschied dazu, wie deutsche Künstler ihr Werk nach 1933 teilweise in den Dienst des NS-Regimes stellten. Während die „Einsame Straße“ von 1932 ein stilles und melancholisches Motiv im Stil der Neuen Sachlichkeit ist, huldigt Protzens Autobahnbrücke dem neuen Technik- und Fortschrittsglauben des Nationalsozialismus.

 

Sie befinden sich in Saal 13:

Werke

Adolf Ziegler

Die Vier Elemente - Erde und Wasser Triptychon - Mittelteil, vor 1937

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Max Ernst

L'ange du foyer, 1937

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