Die Belagerung von Cosel (M+)

Wilhelm von Kobell

Die Belagerung von Cosel, 1808

Öl auf Leinwand, 205 x 304 cm
1808 durch Kronprinz Ludwig vom Künstler erworben
Inv. Nr. 3822

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Die Belagerung von Cosel

"Wenn aber die Kunst auf große Thaten wirken soll, so müssen solche Gegenstände im Großen ausgeführt seyn. Nur das Große wirkt groß auf den Menschen, so dachten unsere Vorältern und der Cabinets-Styl hatte weder bey den Römern noch bey den Griechen Beyfall." Mit diesen Worten drängte Johann Georg von Dillis 1807 den bayerischen Kronprinzen Ludwig, die Kämpfe der napoleonischen Kriege, deren Bedeutung für die damalige Gegenwart und Zukunft sich unübersehbar abzeichneten, in der Nachfolge der barocken Schlachtenzyklen in einer großformatigen Gemäldefolge darstellen zu lassen. Wilhelm Kobell hatte sich mit einem Zyklus in kleinerem Format für Marschall Louis Alexandre Berthier für diese Aufgabe empfohlen, und wohl noch im selben Jahr 1807 hat der Künstler von Ludwig den Auftrag erhalten. Das erste der insgesamt zwölf Gemälde, die "Belagerung von Cosel", war 1808, das letzte, die "Schlacht bei Bar-sur-Aube", 1817 vollendet.

Das Gemälde berichtet von einem Ereignis aus dem Dritten Koalitionskrieg im März 1807. Bayerische und württembergische Truppen, denen nach dem Abzug Napoleons die Belagerung der Festung Cosel an der Oder anvertraut war, zerschlagen einen Ausfall der preußischen Einheiten. Der Stab der bayerischen Armee hat sich auf der Anhöhe rechts im Vordergrund versammelt, während die eigentlichen Kämpfe in der verschatteten, noch nicht von der morgendlichen Sonne berührten Ebene darunter stattfinden.

Kobells Schlachtenbilder, welche die Leistungen und Erfolge er bayerischen Armee in den Napoleonischen Kriegen zum Thema haben, verbinden die Schilderung der militärischen Aktion mit der Atmosphäre und Eigenart der landschaftlichen Situation. Die Charakterisierung der Schauplätze und Tageszeiten, die nüchterne Darstellung des Kampfgeschehens, die bildnerische Bewältigung des großen Formats gehören zu den besten Leistungen der deutschen Malerei in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts.

Wilhelm von Kobell (1766 ‐ 1853)

Leben und Werk

Nach dem Aussterben der altbayerischen Wittelsbacher gelangte in München mit Kurfürst Carl Theodor 1777 die Linie Pfalz-Sulzbach an die Regierung. Mit dem Kurfürsten kamen Künstler aus der Pfalz nach München wie Friedrich Ludwig von Sckell, der den Englischen Gartens gestaltete, oder der Mannheimer Landschaftsmaler Wilhelm von Kobell, der 1792 zum Hofmaler berufen wurde. Diese aus Mannheim, Zweibrücken und Heidelberg stammenden Künstler, zu denen 1808 unter König Max I. Joseph der frühklassizistische Architekt Carl von Fischer kam, lösten die einheimischen Künstler des ausgehenden Spätbarock ab. Sie gaben München durch ihre Leistungen in Kunst, Architektur und Städtebau ein neues, von Aufklärung und Rationalität geprägtes Gesicht. Auch die Malerei Wilhelm von Kobells ist vom nüchternen Geist des Klassizismus gekennzeichnet, in den sich aber mit der Genauigkeit der Naturbeobachtung auch ein Zug der beginnenden Romantik mischt. Seine Ansichten der Umgebung Münchens und der oberbayerischen Landschaft zeichnen ein subtiles und zurückhaltendes Bild von Region und einheimischer Bevölkerung. Seine beruhigten Kompositionen - er setzt den geradlinig verlaufenden Horizont meist sehr tief an und schafft damit große monochrome Flächen - zeichnen sich durch eine reduzierte Farbigkeit aus. Viele seiner Bilder sind von einem dunstigen Schleier überzogen, die den Landschaften trotz der Detailtreue und Kleinteiligkeit in der Wiedergabe eine stimmungsvolle Atmosphäre verleihen.

Wilhelm von Kobell

Zwei Reiter, um 1791

Öl auf Leinwand, 103,8 x 97,9 cm
Zwischen 1795 und 1799 durch Herzog Max IV. Joseph erworben
Inv. Nr. 1542

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Wilhelm von Kobell

Isarlandschaft bei München, 1819

Öl auf Eichenholz, 40,5 x 53,3 cm
1924 aus Privatbesitz erworben
Inv. Nr. 9213

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Wilhelm von Kobell

Kronprinz Ludwig von Bayern, um 1806/07

Öl auf Leinwand, 159,5 x 119,0 cm

Inv. Nr. L 162

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Wilhelm von Kobell

Blick auf den Tegernsee, 1829/33

Öl auf Eichenholz, 38,0 x 33,0 cm

Inv. Nr. L 344

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