Blick auf den Tegernsee (M+)

Wilhelm von Kobell

Blick auf den Tegernsee, 1829/33

Öl auf Eichenholz, 38,0 x 33,0 cm

Inv. Nr. L 344

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Blick auf den Tegernsee

Für diesen Blick auf den Tegernsee und die umgebende oberbayerische Voralpenlandschaft hat Kobell einen Standort auf der Anhöhe oberhalb des Lieberhofs gewählt. Am Seeufer ist das Kloster Tegernsee zu erkennen, das 1824 zur königlichen Sommerresidenz ausgebaut worden war. Im Hintergrund erheben sich Ring- und Hirschberg unter dem hohen, weiten Himmel. Die ruhige, ebenmäßige Anlage des Bildes ¿ die Horizontlinie verläuft genau in der Mitte des Hochformats ¿ entspricht der beschaulichen figürlichen Staffage. Eine sonntäglich in die Tegernseer Tracht gekleidete Hirtin wartet auf zwei Kinder, die eben den Hang heraufkommen. Die Schafe liegen, zu Gruppen geordnet, friedlich beisammen.
In den 1820er Jahren entwickelte Kobell eine für ihn charakteristische, kleinteilige Malweise, in der in minutiöser Manier jede einzelne Naturform ihre sorgfältige malerische Behandlung erfährt. Neben Dillis gehört Kobell zu den Wegbereitern einer sich dem Realismus öffnenden Richtung der Münchner Landschaftsmalerei. Mit seiner unpathetisch-sachlichen Auffassung hatte er sich zu dieser Zeit von der in München durch königliche Aufträge und Ankäufe geförderten Kunst bereits weit entfernt. Von der Professur für Landschaftsmalerei an der Münchner Akademie, die Kobell seit 1814 innehatte, wurde er 1826 entbunden und die Stelle danach nicht wieder besetzt.

Wilhelm von Kobell (1766 ‐ 1853)

Leben und Werk

Nach dem Aussterben der altbayerischen Wittelsbacher gelangte in München mit Kurfürst Carl Theodor 1777 die Linie Pfalz-Sulzbach an die Regierung. Mit dem Kurfürsten kamen Künstler aus der Pfalz nach München wie Friedrich Ludwig von Sckell, der den Englischen Gartens gestaltete, oder der Mannheimer Landschaftsmaler Wilhelm von Kobell, der 1792 zum Hofmaler berufen wurde. Diese aus Mannheim, Zweibrücken und Heidelberg stammenden Künstler, zu denen 1808 unter König Max I. Joseph der frühklassizistische Architekt Carl von Fischer kam, lösten die einheimischen Künstler des ausgehenden Spätbarock ab. Sie gaben München durch ihre Leistungen in Kunst, Architektur und Städtebau ein neues, von Aufklärung und Rationalität geprägtes Gesicht. Auch die Malerei Wilhelm von Kobells ist vom nüchternen Geist des Klassizismus gekennzeichnet, in den sich aber mit der Genauigkeit der Naturbeobachtung auch ein Zug der beginnenden Romantik mischt. Seine Ansichten der Umgebung Münchens und der oberbayerischen Landschaft zeichnen ein subtiles und zurückhaltendes Bild von Region und einheimischer Bevölkerung. Seine beruhigten Kompositionen - er setzt den geradlinig verlaufenden Horizont meist sehr tief an und schafft damit große monochrome Flächen - zeichnen sich durch eine reduzierte Farbigkeit aus. Viele seiner Bilder sind von einem dunstigen Schleier überzogen, die den Landschaften trotz der Detailtreue und Kleinteiligkeit in der Wiedergabe eine stimmungsvolle Atmosphäre verleihen.

Wilhelm von Kobell

Die Belagerung von Cosel, 1808

Öl auf Leinwand, 205 x 304 cm
1808 durch Kronprinz Ludwig vom Künstler erworben
Inv. Nr. 3822

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Wilhelm von Kobell

Zwei Reiter, um 1791

Öl auf Leinwand, 103,8 x 97,9 cm
Zwischen 1795 und 1799 durch Herzog Max IV. Joseph erworben
Inv. Nr. 1542

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Wilhelm von Kobell

Isarlandschaft bei München, 1819

Öl auf Eichenholz, 40,5 x 53,3 cm
1924 aus Privatbesitz erworben
Inv. Nr. 9213

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Wilhelm von Kobell

Kronprinz Ludwig von Bayern, um 1806/07

Öl auf Leinwand, 159,5 x 119,0 cm

Inv. Nr. L 162

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