König Ludwig I., umgeben von Künstlern und Gelehrten, steigt vom Thron, um die ihm dargebotenen Werke der Plastik und Malerei zu betrachten (M+)

Wilhelm von Kaulbach

König Ludwig I., umgeben von Künstlern und Gelehrten, steigt vom Thron, um die ihm dargebotenen Werke der Plastik und Malerei zu betrachten, 1848

Öl auf Leinwand, 78,5 x 163,0 cm
Vor 1853 durch König Ludwig I. vom Künstler erworben
Inv. Nr. WAF 406

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König Ludwig I., umgeben von Künstlern und Gelehrten, steigt vom Thron, um die ihm dargebotenen Werke der Plastik und Malerei zu betrachten

Mit dem insgesamt neunzehnteiligen Zyklus bereitete Wilhelm von Kaulbach die Freskierung der Außenwände am Obergeschoss der Neuen Pinakothek vor. Von Ludwig I. 1847 in Auftrag gegeben und bis 1854 abgeliefert, wurden die Skizzen im mittleren der südlichen Oberlichtsäle der Galerie ausgestellt. Dazu lagen Umrisslithographien von Carl Feederle mit der Bezeichnung der Dargestellten aus (siehe folgende Abb.). Der Monumentalzyklus selbst wurde nach den Skizzen und weiteren Vorarbeiten Kaulbachs von 1850 bis 1854 von Friedrich Christoph Nilson, der sich bereits bei anderen königlichen Kunstprojekten bewährt hatte, in gewöhnlicher Freskotechnik ausgeführt.
An der Außenfront seines dritten Münchner Museumsbaus, der nach Glyptothek und Alter Pinakothek nun allein der zeitgenössischen Kunst gewidmet war, wollte sich Ludwig I. als Motor und Förderer der neuen deutschen Kunst feiern lassen. Den Anspruch, dass deren Wiedererwachen »durch Seine Majestaet den Koenig hervorgerufen, von München ausgegangen« war (so der Wortlaut des Vertrags zwischen dem König und dem Künstler), sollten an der Eingangswand im Osten sechs Allegorien der Künste manifestieren (Inv. Nr. WAF 413, 414), an der Südwand, der Hauptansicht des Galeriegebäudes, eine Folge von sieben Bildern zur Kunstpolitik Ludwigs (Inv. Nr. WAF 406–412), an der Westseite die Darstellungen der drei bayerischen Kunstanstalten für Glasmalerei, Porzellan und Erzgießerei (Inv. Nr. WAF 416, 417, 419) und an der Nordseite die Huldigungen an den König durch Künstler- und Bürgerschaft sowie ganzfigurige Bildnisse der von Ludwig I. zur Ausführung seiner künstlerischen Interessen berufenen Künstler (Inv. Nr. WAF 415, 418, 420–424).
Kaulbach ging die ihm gestellte Aufgabe nicht ohne Kritik und auch mit einiger Ironie an. Nur vordergründig entwarf der Künstler hier eine Quintessenz der kunstpolitischen Ideen des Monarchen und seines Künstlerkreises – beispielhaft sei auf die »Bekämpfung des Zopfes«, der Kunst des spätesten Rokoko, verwiesen, die er mit dem von Ludwig besonders geförderten »Studium der deutschen Künstler neuer Zeit in Rom« konfrontiert. Durch genrehafte Details und satirische Anspielungen wird die Ernsthaftigkeit des königlichen Anliegens aber vielfach gebrochen und karikiert. Das erstgenannte Bild thematisiert nach einem Korrespondenten der Augsburger Postzeitung von 1850 »die Niederlage des Zopfes oder Perückenstyls, welcher als Cerberus oder dreiköpfiges Ungeheuer mit hervorstechenden ranzösischen Physiognomien dargestellt ist, da er ja in allen drei Kunstgebieten gewüthet hat«. Vorn rechts trägt der geflügelte Pegasus drei besonders eifrige Kämpfer. Die Hauptvertreter der Nazarener – Peter von Cornelius, Friedrich Overbeck und Philipp Veit – überrennen einen schlafenden Mann mit einer Gliederpuppe und Büchern in den Armen: Gerard de Lairesse, niederländischer Maler und Schriftsteller und der Inbegriff des Akademismus. Von der linken Seite drohen dem Ungeheuer die Klassizisten unter dem Schutz der Minerva. Asmus Jacob Carstens kämpft mit römischem Schild und Kurzschwert, Bertel Thorvaldsen schwingt seinen Bildhauerhammer und Johann Joachim Winckelmann hat den Cerberus mit seinem Tintenfass getroffen. Ganz links entsteigt Karl Friedrich Schinkel mit Reißlatte und Zeichenmappe »dem Spreesumpf«.
In dem anschließenden Bild mit dem Thema der deutschen Künstler in Rom setzt Kaulbach seine satirischen Anwürfe fort. Die Szene spielt eigentlich gar nicht in Rom, denn erst hinter der »porta del popolo« am linken Bildrand, durch die ein junger Maler begeistert einzieht, öffnet sich die Stadt. Folglich studieren die hier versammelten Künstler auch keineswegs die Kunstschätze Roms, sondern wenden ihre ganze Aufmerksamkeit zwei Gruppen aus dem römischen Volk zu. Tanzende Paare und eine Bacchantengruppe dienen den Malern, darunter auch Kaulbach selbst, als Modelle für Naturstudien. Andere – allen voran ist Friedrich Overbeck in devotem Gebet versunken – zeichnen mit etwas zu heiligem Ernst einen alten Kapuzinermönch und eine junge Frau mit Kind auf dem Schoß, eine satirische Anspielung auf die religiöse Malerei in Rom.
Mit seiner Auffassung stellt Kaulbach nicht nur die Nazarener, sondern die ganze Auseinandersetzung um die Wiederbelebung einer deutschen Kunst ironisch in Frage. Da Ludwig I. kaum korrigierend in Kaulbachs provokante Konzeption eingriff, lösten die Fresken bei den betroffenen Künstlern teils heftigen Protest aus. Allen Kritikern zum Trost hielten die Wandbilder den Witterungseinflüssen nicht lange stand und waren bis zur Wende zum 20. Jahrhundert fast gänzlich untergegangen. Der Museumsbau selbst fiel dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer.

Wilhelm von Kaulbach (1804 ‐ 1874)

Leben und Werk

Geboren am 15. Oktober 1804 in Arolsen (Waldeck), gestorben am 7. April 1874 in München. Nach der Ausbildung von 1822 bis 1826 an der Düsseldorfer Akademie bei Peter von Cornelius, der ihn auch finanziell unterstützte, ging Kaulbach 1826 nach München. 1835 führte ihn eine Studienreise nach Venedig, 1838/39 nach Rom. Mit seiner Ernennung zum Hofmaler König Ludwigs I. 1837 entfremdete er sich zunehmend von Cornelius. Seit 1847 arbeitete er im Auftrag König Friedrich Wilhelms IV. von Preußen auch in Berlin. 1849 wurde Kaulbach Direktor der Münchner Akademie und begann wenig später mit seinen Entwürfen für die Fresken an der Neuen Pinakothek. Kaulbach, der auch durch seine satirisch pointierten Illustrationen etwa zu Johann Wolfgang von Goethes »Reineke Fuchs« oder Friedrich Schillers »Verbrecher aus verlorener Ehre« populär wurde, war einer der wichtigsten und erfolgreichsten deutschen Maler seiner Zeit. Während seine Hauptwerke im Format auf Carl Theodor von Pilotys Historienbilder verweisen, bevorzugt er einen plastisch-barocken Figurenstil bei zurückhaltender, noch der Cornelius-Schule verpflichteter Farbigkeit.

Wilhelm von Kaulbach

Die von König Ludwig I. mit der Ausführung monumentaler Bauwerke betraut gewesenen Künstler, wohl 1850

Öl auf Leinwand, 81,5 x 167,7 cm
Vor 1853 durch König Ludwig I. vom Künstler erworben
Inv. Nr. WAF 411

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Wilhelm von Kaulbach

Die Zerstörung Jerusalems durch Titus, 1846

Öl auf Leinwand, 585 x 705 cm
1846 durch König Ludwig I. vom Künstler erworben
Inv. Nr. WAF 403

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Wilhelm von Kaulbach

Die von König Ludwig I. zur Ausführung seiner Ideen berufenen Künstler im Fach der Historien-, Schlachten-, Landschafts- und Genremalerei, wohl 1849

Öl auf Leinwand, 80,3 x 167,0 cm
Vor 1853 durch König Ludwig I. erworben
Inv. Nr. WAF 410

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Wilhelm von Kaulbach

Die Bekämpfung des Zopfes durch Künstler und Gelehrte unter dem Schutz der Minerva, wohl 1851

Öl auf Leinwand, 81,3 x 179,5 cm
Vor 1853 durch König Ludwig I. vom Künstler erworben
Inv. Nr. WAF 409

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Wilhelm von Kaulbach

Die von König Ludwig I. in Tätigkeit gesetzten Bildhauer, wohl 1850

Öl auf Leinwand, 81,0 x 179,5 cm
Vor 1853 durch König Ludwig I. vom Künstler erworben
Inv. Nr. WAF 412

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