Sitzende Dogge (M+)

Wilhelm Trübner

Sitzende Dogge, um 1877/78

Öl auf Leinwand, 110,5 x 95,5 cm
1907 vom Künstler erworben
Inv. Nr. 8445

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Sitzende Dogge

In voller Größe hat der Landschaftsmaler und Porträtist Trübner seine Dogge »Cäsar« dargestellt. Auf den Hinterläufen sitzend und mit den vorgestreckten Vorderpfoten die Balance haltend, posiert das Tier – halb überrascht, halb in Erwartung – seinem Herrn und präsentiert stolz, wie ein feiertägliches Kleidungsstück, seinen weißen Brustfleck. Die wachsam aufgestellten Ohren und der lebendige Blick zeigen trefflich seine im wörtlichen Sinne »hündische« Ergebenheit. Das Anekdotische der Darstellung und die leise Skepsis, die über den Zügen des Tieres liegt, offenbart aber auch ganz individuelle, fast menschliche Wesenszüge des »Überhundes«. Cäsar kommt seit 1876 in mehreren Werken Trübners vor, etwa als stiller Betrachter des Wesslinger Sees (Inv. Nr. 10630), als »Dogge mit Würsten auf der Nase« (»Ave Caesar morituri te salutant«; Berlin, Nationalgalerie) oder als »Dogge mit Wurstschüssel« (»Cäsar am Rubikon«; Privatbesitz). Eine ernsthafte zeitgenössische Kunstkritik bemängelte freilich Trübners skurrile Titel, die den Bildern eine Note gäben, »die noch heute verstimmt und verärgert« (Ida Beer-Walbrunn). Nicht ohne Stolz erinnerte sich Trübner aber an ein »glänzendes Feuilleton in der Neuen Freien Presse«, das der Wiener Journalist Ludwig Speidel nach einem gemeinsamen Besuch bei Wilhelm Leibl in Bad Aibling veröffentlicht hatte, »in welchem auch meine mich überallhin begleitende Dogge ›Cäsar‹ erwähnt ist«.

Wilhelm Trübner (1851 ‐ 1917)

Leben und Werk

Geboren am 3. Februar 1851 in Heidelberg, gestorben am 21. Dezember 1917 in Karlsruhe. Auf Anraten Anselm Feuerbachs nahm Trübner 1867/68 das Malereistudium an der Karlsruher Akademie auf. 1869 wechselte er nach München, wo er sich mit der französischen Malerei, vor allem mit Gustave Courbet auseinander setzte und um 1870 zum Kreis um Wilhelm Leibl stieß. 1872/73 reiste er nach Italien, 1873 nach Brüssel und an den Chiemsee. 1879 besuchte Trübner Paris, 1884 London. 1894 wurde er Mitglied der Münchner Secession. Seit 1890 verbrachte Trübner die Sommermonate häufig auf der Fraueninsel im Chiemsee, wo die lange Reihe seiner Chiemseebilder entstand. 1896 wurde er als Lehrer ans Städelsche Kunstinstitut in Frankfurt a. M. berufen; von 1903 bis 1917 war er Professor an der Karlsruher Akademie. In den 1870er Jahren pflegte Trübner die dunkle Tonmalerei Münchner Prägung, bevor er sich später einer stärkeren, aber auch helleren Farbigkeit zuwandte. Neben Wilhelm Leibl und Carl Schuch war Trübner einer der Hauptvertreter des nach ersterem benannten Münchner Malerkreises.

Wilhelm Trübner

Im Atelier, 1872

Öl auf Leinwand, 82,3 x 61,2 cm
1899 vom Künstler erworben
Inv. Nr. 8108

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Wilhelm Trübner

Christus im Grab II, 1874

Öl auf Leinwand, 89,5 x 101,5 cm
1910 vom Künstler erworben
Inv. Nr. 8580

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