Christus im Grab II (M+)

Wilhelm Trübner

Christus im Grab II, 1874

Öl auf Leinwand, 89,5 x 101,5 cm
1910 vom Künstler erworben
Inv. Nr. 8580

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Christus im Grab II

Vor dunklem, schwarz-braunem Grund liegt der Tote in starker Verkürzung, wobei der Körper weitgehend die Diagonale des Bildes einnimmt. Er ist in hellen, mattockerfarbenen Tönen gemalt, den Kopf auf die linke Schulter geneigt, den Arm auf diese Seite in Richtung Betrachter gehalten. Die linke Hand wie die linke Fußsohle zeigen die Wundmale, die ebenso wie eine am Fußende liegende Dornenkrone den Toten als Christus bezeichnen. Ein weißes Tuch – hell über dem Unterleib, verschattet unter den Beinen – steigert den Charakter des Todes, auf den hin die Figur angelegt ist.
Der Maler Karl Hagemeister berichtet über die Entstehung des Bildes, von dem Trübner drei Varianten gemalt hat (Hamburg, Kunsthalle, und Stuttgart, Staatsgalerie): »Was ist ihm nicht alles angedichtet worden bei seinem sogenannten ›Christus‹. Bald soll Mantegna, bald Jordaens, bald Rubens ihn beeinflußt haben. Nichts von alledem. Es gab ein Christusmodell, einen Italiener, damals in Brüssel [1874]. Dieses Modell stellte Trübner, und nun malte jeder von uns dreien [Hagemeister, Schuch, Trübner] dasselbe so gut wie möglich ab. Trübner am besten. In den Pausen und nach Fertigstellung der Studien sahen wir gegenseitig unsre Arbeiten an, faßt ohne ein Wort zu reden, in der Voraussetzung, daß jeder Urteil genug besaß, um zu wissen, was gut und was nicht gelungen war.«

Wilhelm Trübner (1851 ‐ 1917)

Leben und Werk

Geboren am 3. Februar 1851 in Heidelberg, gestorben am 21. Dezember 1917 in Karlsruhe. Auf Anraten Anselm Feuerbachs nahm Trübner 1867/68 das Malereistudium an der Karlsruher Akademie auf. 1869 wechselte er nach München, wo er sich mit der französischen Malerei, vor allem mit Gustave Courbet auseinander setzte und um 1870 zum Kreis um Wilhelm Leibl stieß. 1872/73 reiste er nach Italien, 1873 nach Brüssel und an den Chiemsee. 1879 besuchte Trübner Paris, 1884 London. 1894 wurde er Mitglied der Münchner Secession. Seit 1890 verbrachte Trübner die Sommermonate häufig auf der Fraueninsel im Chiemsee, wo die lange Reihe seiner Chiemseebilder entstand. 1896 wurde er als Lehrer ans Städelsche Kunstinstitut in Frankfurt a. M. berufen; von 1903 bis 1917 war er Professor an der Karlsruher Akademie. In den 1870er Jahren pflegte Trübner die dunkle Tonmalerei Münchner Prägung, bevor er sich später einer stärkeren, aber auch helleren Farbigkeit zuwandte. Neben Wilhelm Leibl und Carl Schuch war Trübner einer der Hauptvertreter des nach ersterem benannten Münchner Malerkreises.

Wilhelm Trübner

Im Atelier, 1872

Öl auf Leinwand, 82,3 x 61,2 cm
1899 vom Künstler erworben
Inv. Nr. 8108

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Wilhelm Trübner

Sitzende Dogge, um 1877/78

Öl auf Leinwand, 110,5 x 95,5 cm
1907 vom Künstler erworben
Inv. Nr. 8445

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