Heroische Landschaft mit Fischern (M+)

Théodore Géricault

Heroische Landschaft mit Fischern, 1818

Öl auf Leinwand, 249,5 x 217,5 cm
1978 aus dem Kunsthandel erworben
Inv. Nr. 14561

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Heroische Landschaft mit Fischern

Das einst in der Sammlung des Malers Ary Scheffer befindliche Gemälde gehört zu einer Folge von drei in etwa gleich großen Monumentallandschaften, die der Künstler nach seiner Rückkehr aus Italien 1818 gleichzeitig mit dem »Floß der Medusa« gemalt hat. Als Auftragswerke ausgeführt, stellen diese großformatigen Wanddekorationen eine Ausnahme im Oeuvre Géricaults dar, der sich selten nur mit reiner Landschaftsmalerei beschäftigt hat in der Überzeugung, dass »Natur« in Gestalt von Mensch und Tier konkreteren Ausdruck findet als in landschaftlichen Sujets. Alle drei Landschaften sind in Fortführung der barocken Tradition Gaspar Dughets und Joseph Vernets gehalten und zeichnen sich durch eine synthetisch künstliche Kompositionsweise im Sinne des romantischen Klassizismus aus. Gezeichnete Entwürfe lassen auf besonders sorgfältige Vorbereitung schließen. Zusammen mit den beiden formatgleichen Gegenstücken (Paris, Petit Palais, und New York, Metropolitan Museum) hat man in Anlehnung an Vernet an eine Folge der vier Jahres- bzw. Tageszeiten zu denken, wobei man das fehlende Nachtstück in zwei Entwürfen auf grüntonigem Papier vermutet, die sich im Musée Bonnat, Bayonne, befinden. Ein Dokument im Archiv des Louvre von 1848 vermerkt laut Bazin ebenfalls vier Gemälde Géricaults, von denen eines bei etwa gleicher Größe eine Barke mit Ruderern darstellt (die auf keinem der drei bekannten Bilder vorkommen).
Als Ganzes möchte man die drei Bilder einem Landschaftsdrama vergleichen, in dessen aufeinander folgenden Akten die Tageszeiten bei entsprechend unterschiedlichen, aber immer bedrohlichen Stimmungen zum Ausdruck gebracht sind, wobei meist in dem Pariser Exemplar der »Mittag« gesehen wird, flankiert n dem Münchner »Morgen« und dem New Yorker »Abend«. Lorenz Eitner (1983) nimmt schon wegen der Größe der Formate an, dass sie nicht als Triptychon nebeneinander, sondern auf je einer Wand platziert waren und ihre Bedeutung in den Bereich der Lebensbedrohung weist, was in mancher Hinsicht mit Blick auf das Gesamtwerk Géricaults überzeugt, als auch im Besonderen als Stimmung dem rätselhaften Münchner Bild zugrunde zu liegen scheint.

Théodore Géricault (1791 ‐ 1824)

Leben und Werk

Geboren am 26. September 1791 in Rouen, gestorben am 26. Januar 1824 in Paris. Géricault lernte in den Ateliers von Carle Vernet und Pierre Narcisse Guérin, bevor er 1816 zum Studium der italienischen Malerei, vor allem Michelangelos, nach Florenz und Rom ging. Schon 1819 präsentierte er im Pariser Salon mit großem Erfolg das dramatische »Floß der Medusa«, das als sein Hauptwerk anschließend auch für ein halbes Jahr in London, dann in Dublin ausgestellt wurde. Neben Eugène Delacroix war Géricault der wichtigste Vertreter der revolutionären romantischen Malerei in Frankreich. Durch seinen Hang zum Exzentrischen, der im eigenen Leben selbstzerstörerische Züge annehmen konnte, gehörten auch Wahnsinn und Verbrechen zum Repertoire seiner Themen.

Théodore Géricault

Auffahrende Artillerie, gegen 1814

Öl auf Leinwand, 89,3 x 143,8 cm
1910 im Kunsthandel erworben
Inv. Nr. 8583

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