Vittoria Caldoni (M+)

Rudolph (Ridolfo) Schadow

Die Sandalenbinderin, 1817

Marmor, 118,5 x 50 x 65 cm
1817 durch Kronprinz Ludwig vom Künstler erworben
Inv. Nr. WAF B 24

Details   

Vittoria Caldoni

Im Herbst 1820 hatten zahlreiche Künstler aller Richtungen – Georg August Kestner zählte mindestens vierundzwanzig – in der Villa Malta, dem damaligen Sitz des hannoverschen Gesandten von Reden, Gelegenheit, die schöne Albaneserin zu porträtieren. Hier entstand auch Schadows Büste, die Kestner als »noch weniger glücklich« als diejenige Thorvaldsens beurteilte, da sie nicht eine »von der ganzen Gegenwart bewunderte Schönheit erraten« ließ. Schadow verlieh dem Antlitz Züge kindlicher Natürlichkeit und zugleich auch eine über das individuelle hinausgehende Idealisierung. Kronprinz Ludwig von Bayern hatte – bei seinem ausgeprägten Sinn für Schönheit von Vittoria Caldoni fasziniert – schon 1821 ihr Bildnis in einem Gemälde von Friedrich Overbeck erworben (Inv.Nr.WAF 757). Schadows Büste, die er sich aus dessen Nachlass sicherte, gelangte erst 1824/25 aus Rom nach München, wo sie seit 1830 in der Glyptothek im »Saal der Neueren« aufgestellt war. Eine verkleinerte Wiederholung der Büste – bezeichnet »Rudolph Schadow fecit Roma 1821« – befindet sich im Kurpfälzischen Museum, Heidelberg.

Rudolph (Ridolfo) Schadow (1786 ‐ 1822)

Leben und Werk

Rudolph Schadow wurde zunächst von seinem Vater, dem Bildhauer Gottfried Schadow, ausgebildet und ging 1811 gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Wilhelm nach Rom. Dort schlossen sich beide dem Kreis der Nazarener an und traten zum Katholizismus über. Während Wilhelm 1819 nach Deutschland zurückkehrte, blieb Rudolph bis zu seinem frühen Tod in Rom und übernahm dort die Bildhauerwerkstatt Christian Daniel Rauchs. Beeinflusst von der klassizistischen Figurenbehandlung Thorvaldsens entwickelte Rudolph Schadow einen eher romantisch geprägten Zugang zur Skulptur. Er orientierte sich zwar an antiken Vorbildern, veränderte aber den herben Charakter der Skulpturen Thorvaldsens in Richtung eines stimmungshaften, sentimentalischen Grundtons.