Die Sandalenbinderin (M+)

Rudolph (Ridolfo) Schadow

Die Sandalenbinderin, 1817

Marmor (weiß), 119,8 x 51,5 x 65,6 cm
1817 durch Kronprinz Ludwig vom Künstler erworben
Inv. Nr. WAF B 24

Details   

Die Sandalenbinderin

Die etwas unterlebensgroße Skulptur der "Sandalenbinderin" ist eine Replik, die Schadow 1817 im Auftrag von Kronprinz Ludwig von Bayern nach dem 1813 entstandenen Original ausgeführt hat. Die Skulptur stellt ein junges Mädchen dar, das sich auf einem Steinquader niedergesetzt hat, um sich die Sandale an ihrem rechten Fuß zu schnüren. Es ist lediglich mit einem um die Hüfte geschlungenen Tuch bekleidet, so dass der kindliche, etwas magere, noch nicht zur Frau entwickelte Oberkörper in seiner Blöße zu sehen ist.

In eigentümlichem Kontrast zum kindlichen Körper steht die anmutig-grazile Haltung und der nachdenkliche Blick des Mädchens. Nicht die unbeholfene und unreflektierte Handlung eines fröhlich-unbedarften Kindes ist hier dargestellt. Das Mädchen scheint bereits eine Ahnung vom Erwachsensein zu haben, was sich im etwas melancholischen Ausdruck der Figur niederschlägt. Dieser ambivalente Charakter der "Sandalenbinderin" macht ihren Reiz aus, wodurch die Skulptur ausgesprochen berühmt wurde. Schadow sah sich veranlasst, insgesamt sieben Repliken des Werkes zu schaffen.

Rudolph (Ridolfo) Schadow (1786 ‐ 1822)

Leben und Werk

Rudolph Schadow wurde zunächst von seinem Vater, dem Bildhauer Gottfried Schadow, ausgebildet und ging 1811 gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Wilhelm nach Rom. Dort schlossen sich beide dem Kreis der Nazarener an und traten zum Katholizismus über. Während Wilhelm 1819 nach Deutschland zurückkehrte, blieb Rudolph bis zu seinem frühen Tod in Rom und übernahm dort die Bildhauerwerkstatt Christian Daniel Rauchs. Beeinflusst von der klassizistischen Figurenbehandlung Thorvaldsens entwickelte Rudolph Schadow einen eher romantisch geprägten Zugang zur Skulptur. Er orientierte sich zwar an antiken Vorbildern, veränderte aber den herben Charakter der Skulpturen Thorvaldsens in Richtung eines stimmungshaften, sentimentalischen Grundtons.