Rorschach-Bild, Nr. 1 (M+)

Rosemarie Trockel

Rorschach-Bild, Nr. 1, 1991

Wolle auf Leinwand

Inv. Nr. MES 257

© VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Details   

Rorschach-Bild, Nr. 1

Seit rund 25 Jahren arbeitet Rosemarie Trockel konsequent an einem unverwechselbaren Werk, das Strickbilder, Wand- und Bodenobjekte, Zeichnungen, Fotografien und Filme umfasst. Auf komplexe Weise schaffen die Werkgruppen ein weit gespanntes Koordinatennetz wechselseitiger Verflechtungen und wiederkehrender Themen: geschlechtsspezifische Rollenbilder, die Arbeit im Haus, am Herd oder in der Fabrik, die menschliche Psyche und ihre Extremlagen, das Tier als Partner und Spiegel des Menschen, der Widerstreit zwischen Logik und Intuition. In allen Arbeiten von Rosemarie Trockel wird spürbar, dass die angestrebte Dominanz des Rationalen und der sogenannt reinen Vernunft eine Fiktion ist und dass erst durch die Unberechenbarkeit des menschlichen Geistes und dessen ungeahnte Assoziationsfähigkeit die Phantasie angeregt wird, freie Denkräume zu eröffnen und neue Handlungswege zu beschreiten.
Die bekannteste Werkgruppe der Künstlerin bilden die mit Strickmaschinen hergestellten Wollbilder. In diesen, Mitte der 1980er-Jahre entstandenen Arbeiten artikuliert sich in erster Linie die Frage nach einer Aktualisierung des Tafelbilds. Einige von ihnen beruhen auf den Tintenflecken des Rorschach-Persönlichkeitstests. Wahrscheinlich ist es die anmaßende Gewissheit, Individualität mittels eines standardisierten Verfahrens verfügbar machen zu können, die Trockel gereizt hat, die symmetrischen Grundformen dieses Tests zu manipulieren und ihn damit ad absurdum zu führen.

Rosemarie Trockel (1952)