Blick über die Themse bei Richmond Gardens auf Syon House (M+)

Richard Wilson

Blick über die Themse bei Richmond Gardens auf Syon House, um 1760/70

Öl auf Leinwand, 103,5 x 139 cm
1978 aus dem Kunsthandel erworben
Inv. Nr. 14559

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Blick über die Themse bei Richmond Gardens auf Syon House

Das zwischen 1761 und 1776 wahrscheinlich als Auftragswerk entstandene Bild zeigt rechts über dem Ufer Syon House, den von Robert Adam umgebauten Familiensitz der Herzöge von Northumberland. Wie meist bei solchen Aufträgen, hat Wilson auf das Vedutenhafte weitgehend verzichtet und sich stattdessen die Aufgabe gestellt, die Landschaftsstimmung einzufangen. Das vom Maler dabei aufgebotene Naturgefühl, die Art und Weise, wie das Sonnenlicht und der zarte Dunst, die Weite und Ruhe der Flusslandschaft geschildert sind, teilt sich dem Betrachter zusätzlich in den dargestellten Menschen mit, die in Muße diese Idylle bevölkern.

Wilson, der von Claude Lorrain, Joseph Vernet und Canaletto herkommt und dem das Licht im südlichen Italien zum entscheidenden Erlebnis wurde, hat hier eine seiner überzeugendsten, typisch englischen Stimmungslandschaften geschaffen, die alles, was von den frühen Landschaftsrealisten auf dem Kontinent geleistet wurde, um Jahrzehnte vorwegnimmt. Man kann Ruskin nur beipflichten, der - seither unwidersprochen - in Wilson den ersten Maler der Moderne sieht, dessen Landschaftsbilder von wirklicher Naturbeobachtung getragen sind. Es existieren mehrere eigenhändige Fassungen des Bildes.

Richard Wilson (1714 ‐ 1782)

Leben und Werk

Geboren am 1. August 1713 (oder 1714) in Penegoes (Montgomeryshire), gestorben zwischen dem 11. und 15. Mai 1782 in Colommendy bei Llanferres (Wales). Seit 1729 Schüler des Londoner Bildnismalers Thomas Wright, wurde Wilson bald selbst als Porträtist tätig, bevor er 1750 nach Venedig reiste und sich in den folgenden vier Jahren in Rom auf Anregung Claude Joseph Vernets hin vor allem der Landschaftsmalerei widmete. 1755 kehrte er nach England zurück. 1779 erhielt er endlich den kleinen Posten eines Bibliothekars an der Royal Academy, zu deren Mitbegründern er 1768 gezählt hatte. Wilson befreite die englische Landschaftsmalerei von ihrer gegenstandsbezogenen Vedutenhaftigkeit, um Stimmung und Atmosphäre zu thematisieren.

Richard Wilson

Weite südliche Küstenlandschaft bei Abend, 1770/80

Öl auf Leinwand, 139,1 x 184,6 cm
Dauerleihgabe der HypoVereinsbank, Member of UniCredit - 1978 aus dem Kunsthandel durch die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank erworben
Inv. Nr. HUW 36

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