Der Bahndurchstich (M+)

Paul Cézanne

Der Bahndurchstich, um 1870

Öl auf Leinwand, 80,4 x 129,4 cm
1911/12 im Rahmen der Tschudi-Spende erworben
Inv. Nr. 8646

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Der Bahndurchstich

Das zentrale Motiv des Bildes hat Cézanne in der Nähe des väterlichen Landhauses "Jas de Bouffan" gefunden. Den Eisenbahndurchstich hat er allerdings nicht als Thema der Industriellen Revolution aufgefasst, vielmehr ist es die Verbindung zwischen dem Haus als Wohnung des Menschen und dem Berg als Ort der Gottheit, die hier durchschnitten ist. Dieser bedeutende Gehalt wird vor allem dadurch offenkundig, dass der Maler dem Haus ein "Gesicht" gegeben, es auf den Berg hin ausgerichtet hat.
Solche verhältnismäßig deutliche Symbolik lässt auf eine Entstehung in frühen Jahren schließen; damit ist die Zeit um 1870 gemeint, als Cézanne zu einem gemäßigteren Pinselduktus und helleren Farben überging. Der freilich immer noch breite, großzügige Auftrag und die Entschiedenheit, mit der die wenigen Motive dargestellt werden, erinnern von fern an Gustave Courbet, dem Cézanne wie viele andere Künstler Anregungen verdankt.
Das Gemälde ist vorbereitet worden durch eine Zeichnung und eine kleine Ölstudie, auf denen die Montagne Sainte-Victoire noch nicht zu sehen ist. Mithin stellt das ausgeführte Gemälde das erste Beispiel für die Darstellung des Bergmassivs dar, dessen außerordentliche Bedeutung im Schaffen Cézannes eine lange Reihe nachfolgender Werke bezeugt.

Paul Cézanne (1839 ‐ 1906)

Leben und Werk

Geboren am 19. Januar 1839 in Aix-en-Provence, gestorben am 23. Oktober 1906 ebenda. - Auf väterlichen Wunsch studierte Cézanne zunächst Jura, bevor er 1861 seinem Freund Émile Zola nach Paris folgte. Nachdem er von der École des Beaux-Arts wegen mangelnden Talents abgelehnt worden war, nahm er das Studium an der École Suisse auf. Camille Pissarro und Armand Guillaumin führten ihn in die Kunst Gustave Courbets und Édouard Manets ein. Eine Reise 1873 nach Auvers-sur-Oise legte den Grundstein für Cézannes Übergang zur Freilichtmalerei und seinen Anschluss an die späteren Impressionisten, an deren erster Ausstellung im ehemaligen Atelier von Gaspar-Félix Nadar am Boulevard des Capucines in Paris er 1874 teilnahm. 1880 zog sich Cézanne nach Aix-en-Provence zurück. Vom breiteren Publikum unverstanden, schätzten besonders die fortschrittlich gesinnten Impressionisten die reine Farbmalerei Cézannes, der zum Wegbereiter des französischen Kubismus wurde.

Paul Cézanne

Stillleben mit Kommode, um 1883/87

Öl auf Leinwand, 73,3 x 92,2 cm
1912 im Rahmen der Tschudi-Spende erworben
Inv. Nr. 8647

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