Der Maler und sein Modell (M+)

Pablo Picasso

Der Maler und sein Modell, 1963

Leinwand, 195 x 130,3 cm

Inv. Nr. BGM 1

© Succession Picasso/ VG Bild-Kunst, Bonn 2016

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Der Maler und sein Modell

Eines der zentralen Altersthemen Pablo Picassos ist das Motiv „Maler und Modell“, das Atelierbild, das gespiegelte Autobiografie und Allegorie zugleich ist. Diese dem Format nach größte Fassung des Bildtypus ist vom 10. bis 12. Juni 1963 entstanden. Sie ist deshalb auf den Tag genau datiert, weil sich der Künstler seit Februar bis Mitte Juni dieses Jahres in etwa 60 Bildern mit dem Motiv impulsiv auseinandergesetzt hat. Auf engem Raum sind Maler und Modell distanzlos zusammengedrängt, nur geschieden durch die membranhafte Staffelei. Ein seltsamer Gegensatz bestimmt die beiden Figuren. Weich aufgelöst in Grünweiß und runden Schwingungen, pflanzlich verformt in Beinen und Gesäß und rhythmisch bewegt, erscheint der weibliche Akt lässig lagernd, tänzerisch, gefäßhaft und vegetativ – Inbegriff der Jugend, Erotik, Lebensfreude. Dagegen sitzt der Maler hartkantig und zum skulpturalen Block verfestigt, umschlossen von Leinwand und Stuhl. Panzerung, „angewachsene“ Palette, die in Röhren verwandelten Arme und die Augen machen ihn zum Werkzeug eines zwanghaften Tuns. Auf der Leinwand des Malers entsteht ein schwerfälliger Strich, der das Modell nicht erfasst. Das visionär geöffnete Auge übertrumpft den Blick, der die
Frau anvisiert. Das Bild handelt von der Aufgabe der Kunst, keine Kopie äußerer Wirklichkeit zu sein. Entsteht Kunst dagegen aus Inspiration, ist sie der unvollkommene und subjektive Versuch, Natur, Schönheit und Wahrheit dem Wesen
nach zu erfassen. Der Mann und der Künstler steht, selbst alternd und vergänglich,
seinem Ideal von Leben und Vollkommenheit gegenüber, dem er sich nur in entferntester Weise anzunähern vermag. Die Suche nach dem Wahren drückt
sich nicht nur in der obsessiven Variation des Themas aus, sondern auch in der handschriftlich-spontanen Gestik, die den Akt des Malens zunehmend zu einem
Liebesakt macht.

Pablo Picasso (1881 ‐ 1973)

Leben und Werk

Geboren am 25. Oktober 1881 in Malaga, gestorben am 8. April 1973 in Mougins (Frankreich). Unter Anleitung seines Vaters begann Picasso bereits als Kind zu malen. Nach dem Umzug der Familie 1895 nach Barcelona, wo er die Kunstschule besuchte, lernte er auf der Pariser Weltausstellung 1900 Werke Auguste Rodins kennen. Seine erste Plastik fertigte Picasso 1902 gleichzeitig mit den frühen Bildern der Blauen Periode, die sich von Henri de Toulouse-Lautrec und dem Symbolismus beeinflusst zeigt. Seit 1904 in Paris ansässig, modellierte er im Zusammenhang mit den Zirkus-Themen seiner Rosa Periode 1905 die Wachsplastik »Der Narr«. Die Begegnung mit Henri Matisse, Arbeiten der Fauves und Paul Cezannes ließ ihn um 1906/07 zu härteren Konturen und einer plastischeren Volumenauffassung für seine Figuren gelangen. Die Auseinandersetzung mit primitiver afrikanischer Kunst und Plastik der Südsee schließlich bereitete den mit Georges Braque zusammen begründeten Kubismus vor. Dessen Inkunabel, die »Demoiselles d'Avignon«, wurde 1907 erstmals von Daniel-Henry Kahnweiler mit ersten kubistischen Gemälden Picassos ausgestellt. Mit Ausbruch des Spanischen Bürgerkrieges 1936 wurde Picasso zum Direktor des Prado ernannt. 1937 nahm er mit »Guernica«, einer Anklage des Faschismus in Form mythologischer Symbolik, an der Pariser Weltausstellung teil. Auch während der deutschen Besatzung blieb Picasso in Paris; nach der Befreiung erhielt er eine Retrospektive im Salon d'Automne. 1961 ließ er sich in der Nähe von Cannes nieder. Eine Vielzahl bedeutender Ausstellungen hat den spanischen Maler, Graphiker und Bildhauer schon zu Lebzeiten berühmt gemacht. Picasso, dessen künstlerische Entwicklung durch schnelle Aufnahme und Verarbeitung von neuen Anregungen geprägt war, ist die wohl innovativste und in ihrer Produktivität vielseitigste Künstlerpersönlichkeit des 20. Jahrhunderts.

Pablo Picasso

Der Narr, 1905

Bronze, 41,5 x 37 x 22,8 cm
2001 durch den Pinakotheks-Verein aus Privatbesitz erworben
Inv. Nr. L 2335

© Succession Picasso/ VG Bild-Kunst, Bonn 2016

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Pablo Picasso

Sitzende Frau (Femme assise au fauteuil Dora Maar), 1941

Leinwand, 99,8 x 80,5 cm

Inv. Nr. 14240

© Succession Picasso/ VG Bild-Kunst, Bonn 2016

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Pablo Picasso

Maternité, 1921

Leinwand, 154 x 104 cm

Inv. Nr. 14635

© Succession Picasso/ VG Bild-Kunst, Bonn 2016

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Pablo Picasso

Femme, 1930

Holz, 68 x 49 cm

Inv. Nr. 14834

© Succession Picasso/ VG Bild-Kunst, Bonn 2016

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Pablo Picasso

Der Narr, 1905

Bronze, 41,5 x 37 x 22,8 cm
2001 durch den Pinakotheks-Verein aus Privatbesitz erworben
Inv. Nr. FV 14

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