Besuch bei einer Wöchnerin (M+)

Mihály von Munkácsy (Michael Lieb)

Besuch bei einer Wöchnerin, 1879

Öl auf Mahagoniholz, 80,5 x 116,3 cm
1894 aus Privatbesitz erworben
Inv. Nr. 7933

Details   

Besuch bei einer Wöchnerin

Das Bild gehört in die Reihe der Salonbilder, die in den 1870er Jahren in Paris entstanden. Etwa siebzig Beispiele dieses Genres, die das Leben des Pariser Großbürgertums zum Gegenstand haben, sind bekannt. Der Schritt von der sozial engagierten Malerei und dem kleinbürgerlichen Genrebild seiner Frühzeit zum Salonbild der Gründerzeit vollzog sich bei Munkácsy in Paris. Dort verbanden sich seine sozialen Ambitionen mit den Interessen des Kunsthandels und dem herrschenden Geschmack. Ein Händler, mit dem der Künstler besonders enge Verbindung hatte, besaß sogar ein Mitspracherecht bei der Themenwahl seiner Bilder. Die vorliegende Komposition zeigt ein typisches gründerzeitliches Interieur. Der obligate Stellschirm und die Palme sind ebenso zu finden wie der prunkvoll gerahmte Spiegel. Zwei Varianten des Bildes sind bekannt, deren eine sich in der Ungarischen Nationalgalerie in Budapest befindet.

Mihály von Munkácsy (Michael Lieb) (1844 ‐ 1900)

Leben und Werk

Geboren am 20. Februar 1844 in Munkács in Ungarn, gestorben am 1. Mai 1900 in Endenich bei Bonn. Nach einer Schreinerlehre begann Munkácsy 1863 sein Studium in Pest. 1865 wechselte er an die Wiener Akademie zu Carl Rahl, 1866 nach München zu Sándor Wagner. Bei einem Parisaufenthalt 1867 hinterließ die Kunst Gustave Courbets einen nachhaltigen Eindruck. Nach weiteren Studienjahren von 1868 bis 1870 an der Düsseldorfer Akademie unter Ludwig Knaus übersiedelte der Maler 1872 nach Paris. Nachdem Munkácsy zunächst soziale und politische Themen zum Gegenstand seiner Bilder gemacht hatte, wandte er sich in Paris immer mehr einer gefälligeren gründerzeitlichen Salonmalerei zu. Erst im Spätwerk scheint noch einmal politisches Engagement auf.