Hausengel

Max Ernst

Hausengel, 1937

Öl auf Leinwand, 54 x 74 cm

Inv. Nr. 16253

© VG Bild-Kunst Bonn, 2016

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Hausengel

"Ein Bild, das ich nach der Niederlage der Republikaner in Spanien gemalt habe, ist der Hausengel. Das ist natürlich ein ironischer Titel für eine Art Trampeltier, das alles, was ihm in den Weg kommt, zerstört und vernichtet. Das war mein damaliger Eindruck von dem, was in der Welt wohl vor sich gehen würde, und ich habe damit recht gehabt." Mit dieser Äußerung des Künstlers ist der historische Kontext abgesteckt, in dem der "Hausengel" konkret steht, den er jedoch als allgemeine Metapher des Bösen hinter sich lässt. Der zur Furie pervertierte Hausengel, ein Fabelwesen, halb Mensch, halb Tier, tobt über eine wüste, menschenleere Landschaft, begleitet von einem grünen, zierlich-tänzelnden Phantasiegebilde. Weder Anfang noch Ziel diese sinnlos-wütenden Vorwärtsstürmens sind erkennbar, das noch durch die fast bildfüllende, vom Horizont aufsteigende Wolkenwand unterstrichen wird. Das braunrote Gewand der Furie legt unmittelbar die Assoziation "Faschismus", aber auch "Blut", "Sterben" und damit "Krieg" nahe. Mit der Darstellung des Filzpantoffels anstelle eines Schuhs kommt eine ebenso vernichtende wie deprimierende Interpretation des Faschismus zum Ausdruck: der Kleinbürger als Protagonist des Bösen und eigentlicher Nährboden des Nationalsozialismus. Die Deutung der grünen Begleitfigur bleibt demgegenüber ambivalent; sie wirkt wie eine ironische Paraphrase des Würgeengels, reduziert auf ein hilfloses Grimassenschneiden und von daher vielleicht Symbol für den vergeblichen Protest nicht nur der surrealistischen Künstler. Sie ist das eigentlich surreale Element eines Bildes, das im übrigen so weit an der sichtbaren Realität orientiert erscheint, wie dies dem Surrealisten Max Ernst nur möglich war. Für die Wirklichkeit, um deren erschreckende Realität es ihm hier ging, verbot sich ihm eine surrealistische Verfremdung und damit Verharmlosung.

Max Ernst (1891 ‐ 1976)