"Monument" for V. Tatlin

Dan Flavin

"Monument" for V. Tatlin, 1969

sieben Leuchtstoffröhren, kaltweiß fluoreszierend, 305 x 71 x 11 cm
seit 1999 Leihgabe der Museumsstiftung
Inv. Nr. GST 6

© Estate of Dan Flavin / VG Bild-Kunst, Bonn 2016

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"Monument" for V. Tatlin

Die "'monuments' for V. Tatlin" gehören zu den wichtigsten Arbeiten Dan Flavins. Jedes dieser seit 1964 entstandenen, insgesamt 39 Einzelwerke umfassenden Gruppe ist aus handelsüblichen Leutstoffröhren hergestellt, einem Arbeitsmaterial, in dem der Künstler einen "technologischen Fetisch" erkannte und aus dem er Skulpturen von betont einfacher formaler Ordnung und purer Lichtwirkung herstellte. Flavin hat die "monuments" dem russischen Konstruktivisten Vladimir Tatlin gewidmet. Im Titel bezieht er sich auf dessen wohl bekanntestes "Monument", das 1920 in der Blütezeit technischer und sozialer Utopien entstandene "Denkmal der III: Internationale", welches über 400 Meter hoch werden sollte. Der grandiose, von einer sich nach oben windenen Eisenspirale umgebene Denkmalsentwurf wurde zwar weltberühmt, jedoch nie in voller Größe realisiert - wie auch die damit verbundene politische Utopie keine Verwirklichung finden konnte. Auf diese komplexe, Kunst und Gesellschaft gleichermaßen reflektierende Situation reagiert Flavin mit seinen "monuments". Voller Respekt und zugleich ironisch würdigt er die Visionen des Konstruktivisten. Auch Flavin arbeitet mit Materialien, die "dieselbe praktische Schönheit wie ein Kran oder eine Brücke" (Ilja Ehrenburg über Tatlin) haben, auch er zeigt die enge Verbindung zwischen rationalistischer Ingenieurskunst und dem darin enthaltenen, politisch nutzbaren "dramatischen" Potenzial. Zudem legt er in seinen "monuments" bewusst das Spektrum und Dilemma bloß, innerhalb derer Kunst agiert. Prinzipiell reicht die Bandbreite von bodenständiger Sachlichkeit bis zum utopischen Gesellschaftsentwurf. Jedes Detail kann einerseits nur sich selbst darstellen, ist "nur" industriell gefertigte Leuchtstoffröhre, andererseits kann es als Symbol eine dienende Funktion haben. Flavin überwindet diese Diskrepanz und Nähe nicht, sondern macht sie zum Thema. Er fordert damit sehr direkt dazu auf, die bestechend klare Konstruktion seiner Skulptur, die Geometrie der Lichtkörper sowie deren Wirkung im Raum, wahrzunehmen und die Möglichkeit und Angemessenheit der Verknüpfung dieser Kunst mit gesellschaftlichen Zielen zu analysieren.

Dan Flavin (1933 ‐ 1996)

Dan Flavin

monument for V. Tatlin VII, 1964

Leuchtstoffröhren (7 tlg.); Lichtfarbe: "Cool White", 305 x 71,5 x 12 cm

Inv. Nr. GV 135

© Estate of Dan Flavin / VG Bild-Kunst, Bonn 2016

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