Feierstunde (M+)

Max Slevogt

Feierstunde, 1900

Öl auf Leinwand, 127,0 x 155,2 cm
1901 auf der Münchner Jahresausstellung im Glaspalast erworben
Inv. Nr. 8181

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Feierstunde

Slevogt stellte ein Paar einfacher Herkunft in seiner bescheidenen Wohnung dar, das nach dem Abendessen beieinander sitzt. Das Mahl bestand aus Wein Brot und Käse; eine Kaffeetasse und Zuckerdose sowie Besteck, Geschirr und Gläser ergänzen das Stillleben im Bild. das Paar sitzt sich auf Stühlen gegenüber, ist also nach dem Essen vorgerückt, um sich näher zu sein. Sie ist jung und hübsch, und die blonden aufgesteckten Locken umrahmen vorteilhaft ihre Züge. Er wiederum wendet dem Betrachter den breiten Rücken zu. Sein Blick und Antlitz sind ihr zugewandt, er scheint mit ihr zu reden. Die tatsächliche Kommunikation bleibt aber dem Betrachter verborgen, wodurch die Intimität des Paars gewahrt wird. Die Darstellung betont, neben der Vertraulichkeit des Paars, die sexuelle Ausstrahlung der Frau und ihre damit verbundene Macht über den Mann, ein typisches Sujet des Jugendstils und Symbolismus.
Wie sehr Slevogt zum Zeitpunkt der Entstehung des Bildes "Feierstunde", das er im Frühjahr 1900 malte, zwischen 'Reiner Malerei' und sozialem Engagement schwankte, geht aus einem Brief an seine Frau hervor: "Und nun mein Bild. Zuerst wollte ich den ersten Akt von Don Juan mit dem Comthur usw. malen. Aber ein nicht litterarisches Motiv ist mir doch sympathischer, und so male ich ein Paar, das beieinander sitzt und hauptsächlich Malerei werden, aber auch dunklen Empfindungen Spielraum lassen soll (...) Ihr Gesicht geheimnisvoll, viel deutbar. Seins ihr zugewandt. Wenn es einen Sinn braucht, so etwa: auch die ärmsten haben ein Recht etwas an die von der Tafel des Lebens [!]. Ich hoffe, daß ich's fertig bringe."

Max Slevogt (1868 ‐ 1932)

Leben und Werk

Geboren am 8. Oktober 1868 in Landshut, gestorben am 20. September 1932 in Neukastel (Pfalz). Seit 1885 studierte Slevogt an der Münchner Akademie, 1889 für ein Semester an der Académie Julian in Paris, wo er sich mit dem Impressionismus auseinander setzte. Nach seiner Rückkehr aus Frankreich führten ihn verschiedene Reisen ins Ausland, darunter nach Italien und Holland. 1899 wurde seine bei der Münchner Secession ausgestellte »Danae« zum öffentlichen Ärgernis. Slevogt übersiedelte 1901 nach Berlin und wurde in den folgenden Jahren Mitglied der Berliner und der Dresdner Akademie. 1914 unternahm er eine Ägyptenreise, 1915 ging er als Kriegsmaler nach Belgien. Neben Max Liebermann und Lovis Corinth ist Slevogt der dritte wichtige Vertreter des deutschen Impressionismus.

Max Slevogt

Sonnige Gartenecke, 1921

Öl auf Leinwand, 90,5 x 110,5 cm
1922 vom Künstler erworben
Inv. Nr. 9094

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