Münchner Biergarten (M+)

Max Liebermann

Münchner Biergarten, 1884

Öl auf Holz, 95 x 68,5 cm
1986 gemeinsam mit dem Ernst von Siemens-Kunstfonds aus dem Kunsthandel erworben
Inv. Nr. 14979/ESK 3

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Münchner Biergarten

Der Blick fällt auf einen gut besuchten Münchner Biergarten, der dem Augustinerkeller ähnelt. Unter den dichten Laubkronen der Bäume sitzen Männer und Frauen verschiedener sozialer Herkunft beim Bier zusammen. Im Vordergrund des Bildes ist eine freie Fläche geblieben, auf der zwei Mädchen spielen. Im Bildhintergrund spielt vor einer holzverkleideten Wand auf einem Podest die Kapelle.
Die zahlreichen Einzelszenen des Biergartens sind farblich und durch das Sonnenlicht in Form von Kringeln und Flecken betont, ein "Markenzeichen" Liebermanns. Auf dem ockerfarbenen Kiesboden mit den hellen Sonnenflecken bewegt sich das schnell wechselnde Bunt der Menschenmenge, das vom dichten Grün der Baumkronen überschattet wird. Es handelt sich jeweils um ganz bestimmte Menschen, die trotz des pastosen Farbauftrags und des schnellen Duktus in Physiognomie, Haltung und Kleidung präzise charakterisiert sind.
In Münchner Biergärten war allerdings Musik wie auch der Verkauf von Mahlzeiten nicht erlaubt. Die Kapelle ist also eine Erfindung Liebermanns. Auch die Einrichtung mit Klappstühlen erinnert an Liebermanns Stühle im Berliner Atelier; die geraden Stühle finden sich aber auch in anderen Darstellungen des Augustinerkellers. Wesentlicher als diese topographischen Details ist die Stimmung des sonnigen Nachmittags, an dem eine Vielzahl verschiedener Menschen mitten in der Stadt einen Platz im Grünen aufgesucht hat, der auf den ersten Blick von Trubel, Musik und Geselligkeit erfüllt ist, gleichzeitig aber auch einen Ort der Muße und des Verweilens darstellt. Die Vielfalt in der Typisierung schafft dabei ein authentisches Bild des Lebens in seinem vollen Umfang. Das 1884 vollendete Bild verweist bereits vom Sujet her auf Liebermanns moderne Themen nach 1900: Städter suchen Erholung in der Natur. Vorzugsweise unter schattenspendenden Bäumen bzw. auf luftigen Terrassen sitzend, geben sie sich dem Nichtstun hin.

Max Liebermann (1847 ‐ 1935)

Leben und Werk

Geboren am 20. Juli 1847 in Berlin, gestorben am 8. Februar 1935 ebenda. - Nach erstem Zeichenunterricht 1863/64 bei Karl Steffeck in Berlin begann Liebermann 1868 ein Studium an der Weimarer Kunstschule. Seit 1871 zeigt sich seine Malerei beeinflusst durch den Ungarn Mihály von Munkácsy. Angezogen von der französischen Kunst, ging er 1872 nach Paris und 1874 nach Barbizon, um mit Jean François Millet in Kontakt zu treten. Entscheidend jedoch wurden seine jährlichen Studienreisen nach Holland, wo er Frans Hals und die hellfarbige »Haager Schule« kennen lernte. 1878 übersiedelte er nach München; hier orientierte er sich besonders an Wilhelm Leibl. 1884 kehrte Liebermann nach Berlin zurück, wo er 1897 endlich breite Anerkennung fand. Von 1899 bis 1911 war er Präsident der Berliner Secession, von 1920 bis 1933 Präsident der Preußischen Akademie der Künste. Gemeinsam mit Max Slevogt und Lovis Corinth bildet Liebermann die führende Trias des deutschen Impressionismus. Hatte er zunächst Motive aus der Arbeitswelt der einfachen Leute gewählt, so führte er mit rein malerischen Mitteln in späterer Zeit auch Szenen aus dem Leben des gehobenen Bürgertums vor und war als Porträtist gefragt.

Max Liebermann

Frau mit Geißen in den Dünen, 1890

Öl auf Leinwand, 127,0 x 172,5 cm
1891 auf der Münchner Jahresausstellung im Glaspalast vom Künstler erworben
Inv. Nr. 7815

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Max Liebermann

Badende Jungen, 1898

Öl auf Leinwand, 112,5 x 152,0 cm
1981 als Schenkung aus Privatbesitz erworben
Inv. Nr. 14679

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Max Liebermann

Selbstbildnis im Malkittel, um 1922

Öl auf Leinwand, 113,5 x 85,2 cm
1956 aus Privatbesitz erworben
Inv. Nr. 12421

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