Gallische Herdengöttin (M+)

Maurice Denis

Gallische Herdengöttin, um 1906

Öl auf Pappe, 79,5 x 67,5 cm
1912 im Rahmen der Tschudi-Spende erworben
Inv. Nr. 8654

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Gallische Herdengöttin

Denis wandte sich nach 1900 zunehmend klassischen Ausdrucksformen zu und führte mythologische Figuren in die Darstellungen ein. Zu einer raffinierten Palette tritt eine stark symbolistische Thematik, in der die Idee des Künstlers eine große Rolle spielt.
Die auffallend detailreiche und vielschichtige Bildkomposition verweist schon in der Anlage auf die inhaltliche Zweigeteiltheit. Getrennt durch den hohen, gerade aufragenden Baumstamm mit dichtbelaubter Krone ist das Bild in zwei Zonen gegliedert. Links ist das Reich Eponas, der keltischen Göttin der Herden, der Fruchtbarkeit und der Reisenden. Auf einem weißen Pferd thronend, das aus der Quelle trinkt, dominiert sie diesen Bildteil. Die rechte Bildhälfte dagegen zeigt zwei Frauen in bretonischer Tracht, die ihre Tiere zur Tränke führen. Auf den Überresten römischer Architektur kämpfen zwei Ziegenböcke miteinander. Hinter ihnen liegt entlang einer Steinmauer eine grüne Wiese, auf der im Hintergrund Schafe weiden.
Die üppige Landschaft bildet den Lebensraum für beide Welten, die hier im friedlichen Nebeneinander gezeigt werden. In der üppigen Landschaft, dem erträumten Arkadien, leben Götter, Menschen und Tiere in Harmonie miteinander. In Komposition und Farbigkeit sichtlich von Gauguin angeregt, schuf Denis hier ein in partiell pointillistischem Stil gemaltes Bild, das gerade durch seinen "Primitivismus" besticht.

Maurice Denis (1870 ‐ 1943)

Leben und Werk

Geboren am 25. November 1870 in Granville (Manche), gestorben am 13. November 1943 in Paris. Nach dem Studium an der Académie Julian und der École des Beaux-Arts in Paris gründete Denis unter dem Einfluss Paul Gauguins 1889 zusammen mit Paul Sérusier, Édouard Vuillard und Pierre Bonnard die symbolistische Künstlergruppe »Nabis« (Propheten). Reisen führten ihn in die ganze Welt, vor allem aber immer wieder nach Italien. Als Theoretiker der Nabis propagierte er die Abkehr vom Naturalismus, damit auch vom Impressionismus, und forderte, das Geistige in der Kunst durch »primitive« Stilmittel auszudrücken, die er im italienischen Quattrocento vorgebildet sah. Denis¿ Malerei vereint kräftige Farbkontraste und Helligkeitsstufen mit auffallend dekorativen Zügen.

Maurice Denis

Sommertag auf der Insel Noirmoutier, 1903

Öl auf Leinwand, 56,0 x 95,7 cm
Leihgabe der Ernst von Siemens Kunststiftung, München - 1992 als Vermächtnis aus dem Nachlass von Ernst von Siemens erworben
Inv. Nr. ESK 6

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