Atelierszene (M+)

Marie-Gabrielle Capet

Atelierszene, 1808

Öl auf Leinwand, 69,0 x 83,5 cm
1993 durch den Pinakotheks-Verein aus Privatbesitz erworben
Inv. Nr. FV 9

Details   

Atelierszene

Wir sehen in einem schmucklosen, hohen Zimmer 15 Personen dargestellt, von denen einige zu den namhaftesten Künstlern Frankreichs der Zeit um 1800 gehören. In der Tradition der holländischen Gruppenbildnisse stehend, ist hier durch die zwanglos miteinander kommunizierenden, elegant modisch gekleideten Menschen größter Wert auf die Individualität des Einzelnen gelegt, indem die Verhaltensweisen jeder einzelnen Person sehr natürlich und gelöst erscheinen. Entsprechend dieser äußerst geschickten, zugleich zusammenfassenden Kompositionsweise gleitet der Blick des Betrachters ungehindert in die Runde.

Das im Salon der Académie de France 1808 ausgestellte Atelierbild erregte Aufsehen und ist im damaligen Ausstellungskatalog genau beschrieben. Demnach sind die hier versammelten Personen als Schüler des damals hochberühmten François André Vincent (1746-1816) zu identifizieren, der hier seiner Gemahlin, Adélaïde Labille-Guiard, beim Malen so interessiert zuschaut; sie ebenfalls war seine Schülerin. Gegenstand dieser Porträtsitzung ist der hochbetagte Historienmaler des Ancien Regime Joseph-Marie Vien (1716-1809), seinerseits einst Lehrer von Monsieur Vincent. Das Gemälde versteht sich im weiteren Sinn als "Freundschaftsbild", als Hommage an ihre Lehrerin und Freundin Labille-Guiard, die bereits acht Jahre zuvor gestorben war.

Marie-Gabrielle Capet (1761 ‐ 1818)

Leben und Werk

Geboren am 6. September 1761 in Lyon, gestorben am 1. November 1818 in Paris. - Nach der Ausbildung bei Adélaïde Labille-Guiard in Paris war Marie Gabrielle Capet als Porträtmalerin erfolgreich. Durch das Studium der Werke Jacques-Louis Davids gelangte sie zu ausdrucksvollen Bildnissen. Auf den Pariser Kunstausstellungen war die von der gehobenen Pariser Gesellschaft bevorzugte Porträtistin von 1782 bis 1814 mit Werken in Öl, Pastell und Aquarell vertreten.