Der Camposanto in Pisa (M+)

Leo von Klenze

Der Camposanto in Pisa, 1858

Öl auf Leinwand, 103,5 x 130,5 cm
1960 als Schenkung aus Privatbesitz erworben
Inv. Nr. 13078

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Der Camposanto in Pisa

Das Gemälde zeigt in detailgenauer Wiedergabe den Blick in den Westflügel des Camposanto in Pisa mit seinen bedeutenden Ausstattungsstücken: An der hinteren Wand ist das Piero di Puccio zugeschriebene Erdkreis-Fresko zu sehen, daneben der alttestamentarische Zyklus von Benozzo Gozzoli. Unter den an den Wänden aufgestellten Skulpturen befindet sich der berühmte Bronzegreif aus dem 10. Jahrhundert, der ursprünglich auf dem Giebel des Pisaner Domes aufgestellt war.

Klenze hat mit vedutenhafter Genauigkeit die Situation so wiedergegeben, wie sie sich ihm bei mehreren Besuchen Pisas in den Jahren um 1850 dargestellt hat. Eine vor Ort entstandene Bleistiftzeichnung diente ihm dabei als Vorlage, die er nahezu unverändert auf die Leinwand übertragen hat. Lediglich im Vordergrund fügte Klenze als belebendes Moment eine Figurengruppe ein. Durch die Figuren als Maßstab wird zum einen die überwältigende Größe des Gebäudes deutlich, zum anderen entfernt sich das Bild dadurch von der niedrig eingeschätzten Vedute und nähert sich der höherrangigen Genre- und Historienmalerei an. Die kleine Szene zeigt eine Mutter, die ihr Kind im Angesicht eines Grabmals mit erhobener Hand ermahnt. Klenze führt mit diesem beiläufig eingebundenen Motiv ein moralisierendes Element in das Gemälde ein und gibt zugleich der Ehrfurcht vor dem mittelalterlichen Gebäude und seinen Denkmälern Ausdruck.

Leo von Klenze (1784 ‐ 1864)

Leben und Werk

Wie sein Berliner Zeitgenosse und Konkurrent Karl Friedrich Schinkel war auch Leo von Klenze nicht nur als Architekt tätig - er entwarf im Auftrag Ludwigs I. zahlreiche Bauten für München und Bayern -, sondern trat auch als Zeichner und Maler hervor. Wie bei Schinkel spielen auch in Klenzes Gemälden architektonische Motive eine besondere Rolle. Klenze studierte die antike und nachantike Architektur auf Reisen in Italien, Sizilien und Griechenland. Dabei entstanden gezeichnete Studien, die als Vorlagen für Architekturentwürfe, aber auch für seine Gemälde dienten. Besonders seine Nachforschungen zur Polychromie der antiken Tempel und Skulpturen fanden in seinen Bauten, wie etwa dem Monopteros im Englischen Garten in München, aber auch in manchen seiner Gemälde einen Niederschlag. Klenze besaß außerdem eine bedeutende Sammlung zeitgenössischer Gemälde deutscher Künstler, die er 1841 an König Ludwig verkauft hat und die einen wichtigen Grundstock der 1853 eröffneten Neuen Pinakothek bildete.

Leo von Klenze

Porto Venere am Golf von La Spezia, um 1827/29

Öl auf Leinwand, 93,5 x 117,5 cm
1992 als Schenkung von Orla von Delbrück, der Ururenkelin des Bruders Klenzes, erworben
Inv. Nr. 15259

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Leo von Klenze

Ideale Ansicht der Akropolis und des Areopag in Athen, 1846

Öl auf Leinwand, 102,8 x 147,7 cm
1852 durch König Ludwig I. vom Künstler erworben
Inv. Nr. 9463

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Leo von Klenze

Der Palazzo Rufolo in Ravello, 1861

Öl auf Leinwand, 96,5 x 83,0 cm
Vor 1866 durch Adolf Friedrich Graf von Schack erworben
Inv. Nr. 11474

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