Amor und die Muse (M+)

Amor und die Muse

Konrad Eberhard war 1806 von Kronprinz Ludwig nach Rom geschickt worden, um sich ein tieferes Verständnis für antike Stoffe anzueignen und die zeitgenössische klassizistische Skulptur kennenzulernen. Die Gruppe stellt – in Umdeutung des antiken Motivs von Amor und Psyche – Amor mit einer der Musen dar. Das der Muse beigegebene Attribut – eine Lyra mit Akanthusblattdekor und Löwenkopfmedaillons an den Stirnseiten – weisen sie wohl als Erato, die Muse von Gesang und Tanz, aus. Amor, Hesiods »gliederlösender« Bezwinger von Göttern und Menschen (Hesiod, Theogonie, 121 f.), wurde bereits in der Antike zuweilen als spielerischer, dann wieder als übermütig-verantwortungsloser Knabe dargestellt. In einer der Antike nicht bekannten Verbindung zeigt Eberhard Amor und Muse hier in zärtlicher Umarmung, und spielt dabei wohl auf die Verbindung von Tanz und Gesang mit den liebesstiftenden Intentionen des Eros an. Eberhards Auffassung verbindet antike Motive mit zeitgenössischem Empfinden.
Die Statuengruppe entstand als »Gegenleistung« für Ludwigs Finanzierung des insgesamt vierjährigen Aufenthaltes Eberhards in Rom. Ludwig hatte die Anfertigung einer plastischen Arbeit zur Bedingung für seine finanzielle Unterstützung gemacht, wobei der Künstler das Thema frei wählen konnte. Sie war bis 1919 im »Saal der Neueren« in der Glyptothek ausgestellt.

Konrad Eberhard (1768 ‐ 1859)

Leben und Werk

Geboren am 25. November 1768 in Hindelang im Allgäu, gestorben am 12. März 1859 in München. Nach einer ersten bildhauerischen Ausbildung bei seinem Vater trat Eberhard 1799 in München ins Atelier von Roman Anton Boos ein und nahm zugleich das Studium an der Akademie auf. Auf Vermittlung von Kronprinz Ludwig fand er 1806 Aufnahme in der Werkstatt Antonio Canovas in Rom. Im Kreis der Deutschrömer lernte er Bertel Thorvaldsen kennen, dessen Stil den Canova-Schüler zunehmend prägte. Im Auftrag Ludwigs, für den Eberhard in Rom antike Skulpturen für die geplante Glyptothek in München erwarb, schuf er Büsten für die Ruhmeshalle und nahm Antikenergänzungen vor. 1814 trat er dem Lukasbund bei und wandte sich verstärkt christlichen Themen zu. 1819 erhielt Eberhard eine Professur an der Münchner Akademie, von 1821 bis 1826 war er erneut in Italien. Die Spätphase seiner Kunst ist geprägt von einem christlichen Sendungsbewusstsein, das sich in einer gesteigerten Innerlichkeit und in einem zunehmend mystizistischen Stil äußert.