Augsburger Bombennacht (Im Keller) (M+)

Karl Kunz

Augsburger Bombennacht (Im Keller), 1945

Öl auf Sperrholz, 122,5 x 85 cm

Inv. Nr. 11244

Details   

Augsburger Bombennacht (Im Keller)

Der Augsburger Maler Karl Kunz (Augsburg 1905–1971 Frankfurt am Main) griff in einem sehr individuellen Collageverfahren auf kubistische und surrealistische Stilelemente zurück, um sich mit der deutschen Geschichte während der Diktatur des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen. Nach autodidaktischen Anfängen besuchte Kunz als Jugendlicher die moderne Kunstschule von Hans Hofmann in München und wurde 1930 Meisterschüler und pädagogischer Assistent von Erwin Hahs an der avantgardistischen Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein in Halle. Dort wurde er bereits 1933 von den Nationalsozialisten entlassen und kurzzeitig inhaftiert, nachdem er dem jüdischen Soziologen Friedrich Hertz und dessen Familie zur Flucht nach England verholfen hatte. Kunz erhielt Ausstellungsverbot und kehrte 1934 in seine Heimatstadt Augsburg zurück, um den Holzhandel seines schwerkranken Vaters zu übernehmen. Dennoch setzte Kunz sein künstlerisches Werk im Verborgenen der „Inneren Emigration“ fort. Über Zeitschriften- und Buchreproduktionen und den Besuch der Ausstellung „Entartete Kunst“ in München 1937 gelang es Kunz, sich weiterhin über die Kunst der verfemten Moderne zu informieren. Im Zweiten Weltkrieg war Kunz aufgrund eines Herzleidens vom Fronteinsatz freigestellt und musste als Sanitäter in Augsburg Sicherheits-
und Hilfsdienst leisten, bei dem er u.a. Brände löschte und Tote aus zerbombten
Luftschutzkellern barg. Das Gemälde „Augsburger Bombennacht“ entstand kurz nach der verheerenden Bombardierung der Stadt in der Nacht vom 25. auf den 26. Februar 1944, bei der 730 Menschen starben und 85.000 obdachlos wurden. Auch Kunz‘ Frühwerk wurde durch die Zerstörung seines Elternhauses fast vollständig vernichtet.
Er griff für sein Gemälde Picassos „Guernica“ auf, das als Reaktion auf die Bombardierung der baskischen Stadt durch die deutschen Kampfflugzeuge der Legion Condor entstanden war. Kunz war die Komposition aus einer Buchreproduktion bekannt. Sie bot dem Maler die Möglichkeit, für Angst und Entsetzen, aber auch für Empathie und Fürsorge eine adäquate malerische Form zu finden. Das wohl auf Sperrholz aus der eigenen Holzhandlung gemalte Bild war Protest und Anklage gegen die Kriegsgräuel und zugleich Bekenntnis zur expressiven Ausdruckskraft der im Nationalsozialismus verfemten Moderne.

Karl Kunz (1905 ‐ 1971)