Dom über einer Stadt (M+)

Karl Friedrich Schinkel

Dom über einer Stadt, um 1830 (Kopie) bzw. 1813 (verlorenes Original)

Öl auf Leinwand, 94,0 x 125,6 cm
1964 aus dem Kunsthandel erworben
Inv. Nr. 13422

Details   

Dom über einer Stadt

Das Gemälde ist eine qualitätvolle, zeitgenössische Kopie des Berliner Malers Karl Eduard Biermann nach einem Original Schinkels, das nicht mehr erhalten ist. Schinkels Bildschöpfung zeigt die Begeisterung des 19. Jahrhunderts für die gotische Kathedrale auf eindrucksvolle Weise. Gegen den aufgewühlten Himmel erhebt sich die Silhouette der Domkirche mächtig über einem Fluss und einer Stadt. Die filigranen Formen der Fialen, Wimperge und Krabben an den beiden hochaufragenden Türmen setzen sich kontrastreich vom hell strahlenden Hintergrund ab.

Die Darstellung von Architektur spielt in Schinkels bedeutendem malerischen Werk eine zentrale Rolle. Griechische Antike und gotisches Mittelalter stehen sich dabei als Szenerien idealer Vergangenheiten gleichberechtigt gegenüber. Die Gotik wurde dabei gerade in den Jahren der Kriege der deutschen Staaten gegen Napoleon als originär deutscher Stil verstanden, denn die Ursprünge der Gotik in Frankreich waren damals von der Architekturgeschichtsforschung noch nicht ausreichend erkannt und dargelegt. Jede Beschäftigung mit der gotischen Architektur und jede Darstellung von gotischen Formen musste damit auch als Appell an ein neu zu schaffendes deutsches Nationalbewusstsein verstanden werden. Für Schinkels visionäre Darstellung gab es indes keine direkte Vorlage. Vielmehr konstruierte er aus verschiedenen Elementen einen idealtypischen gotischen Kirchenbau, der in dieser Form nie existiert hat.

Karl Friedrich Schinkel (1781 ‐ 1841)

Leben und Werk

Karl Friedrich Schinkel war der bedeutendste Architekt seiner Zeit in Deutschland. Wegweisende Bauten des Klassizismus wie die Neue Wache, das Alte Museum, das Schauspielhaus oder die Bauakademie in Berlin, aber auch Bauwerke in neugotischen Formen wie die Friedrichwerdersche Kirche wurden von ihm entworfen. Die schlechte Auftragslage für Architekten während der Zeit der napoleonischen Kriege hinderten ihn aber zunächst, als Architekt tätig zu werden. Er nützte sein zeichnerisches Talent statt dessen für die Gestaltung von Dioramen und Panoramen, die sich großer Beliebtheit erfreuten. Berühmt sind auch seine Bühnendekorationen, u. a. für Mozarts Zauberflöte, die er für das Berliner Nationaltheater entwarf. Daneben entstanden Aquarelle und Ölgemälde. Obwohl bereits seit 1810 als Architekt im Dienst des preußischen Staates, konnte Schinkel erst nach 1815 größere Bauprojekte realisieren. 1826 unternahm er eine Reise nach England, auf der er neue Bauaufgaben im beginnenden Industriezeitalter kennen lernte. Ab 1830 unterstanden ihm als Oberbaudirektor sämtliche staatlichen Bauprojekte in Preußen. Schinkels Talente beschränkten sich nicht allein auf sein gestalterisches Können als Architekt, Innenarchitekt, Bühnenbildner und Maler. Er war auch an der wissenschaftlichen Grundlegung der Architektur interessiert und gab wichtige Impulse für die beginnende Denkmalpflege.