Waldinneres (Studie) (M+)

Waldinneres (Studie)

In den Jahren um 1800 nahm die Landschaftsmalerei einen rasanten Aufschwung und entwickelte sich von einem über Jahrhunderte hin untergeordneten Fach hin zur innovativsten Gattung der Malerei. Neue, wirklichkeitsnahe Motive wurden erschlossen und in der malerischen Behandlung des Gegenständlichen neue Methoden erprobt. In Ölskizzen wurden die Wirkungen des Lichts unmittelbar in der Natur studiert.

Rohden lebte als Landschaftsmaler und Zeitgenosse von Joseph Anton Koch und Johann Christian Reinhardt in Rom. Die Studie aus dem Park der Villa Chigi ist vermutlich zur Vorbereitung eines größeren, heute verschollenen Gemäldes entstanden. Sie ist auf Papier gemalt, an dessen Rändern (jetzt vom Rahmen verdeckt) mehrere Einstichlöcher von Reißzwecken zu finden sind: Indiz dafür, dass die Studie vor Ort entstanden ist. Sie ist nicht ganz zu Ende geführt, wie an der lockeren, nur als Untermalung angelegten Partie in der rechten oberen Ecke des Bildes zu erkennen ist.

Der verwilderte Park der Villa Chigi in den Albaner Bergen südlich von Rom war eine Berühmtheit und ein Wallfahrtsort der Landschaftsmaler, seit Goethe in der "Italienischen Reise" über dieses Naturschauspiel geschrieben hatte: "Es gäbe das größte Bild, wenn es ein rechter Künstler unternähme."

Johann Martin von Rohden (1778 ‐ 1868)

Leben und Werk

Geboren am 30. Juli 1778 in Kassel, gestorben am 9. September 1868 in Rom. Nach dem Studium an der Kasseler Akademie ging Rohden 1795 nach Italien, wo er in Rom in Kontakt zu Johann Christian Reinhart stand. Nach einem längeren Aufenthalt in Deutschland kehrte er 1802 für weitere neun Jahre nach Rom in den Kreis um Joseph Anton Koch zurück. 1811/12 erneut in Kassel, ließ er sich 1815 endgültig in Rom nieder, unterbrochen nur von einer Tätigkeit als Hofmaler Kurfürst Wilhelms II. von Hessen zwischen 1827 und 1829. Von Beginn an galt sein Interesse der Architektur und der Landschaft, die neben der realistischen Darstellung des Lichts zunehmend zum streng organisierten Bildaufbau tendiert, wie er auch für Reinhart und Koch typisch ist.