Die Frierende (M+)

Die Frierende

Jean-Baptiste Carpeaux’ »Frierende« steht im Begriff, ins Wasser zu steigen. Vorsichtig berührt sie mit dem rechten Fuß dessen Oberfläche, empfindet die Kühle, schreckt zurück und erschauert leicht. Die Reaktion ist bis in die frei schwebende rechte Hand hinein zu spüren, während der linke Arm und das linke Bein, Halt bewahrend, auf dem Felsen ruhen.
Der Künstler gilt als Vollender des neubarock-realistischen Stils der Académie des Beaux-Arts. Die internationale Kritik feierte ihn als »wiedererstandenen Michelangelo«. Von der eleganten Figur mit der geschmeidigen Haltung, den überlängten Proportionen und der unvergleichlich feinen Bearbeitung der Oberfläche existieren noch weitere Fassungen in Terrakotta, Gips, Biscuit de Sèvres, Bronze und Marmor.

Jean Baptiste Carpeaux (1827 ‐ 1875)

Leben und Werk

Geboren am 11. Mai 1827 in Valenciennes, gestorben am 11. Oktober 1875 auf Schloss Bécon bei Asnières. - Nach einigen Monaten an der Akademie in Valenciennes besuchte Carpeaux die Pariser École royale gratuite de dessin. Ab 1844 studierte er an der École des Beaux-Arts im Atelier von François Rude, dann bei Francisque Duret. Mit dem Rom-Preis des Jahres 1854 ging Carpeaux von 1856 bis 1863 nach Italien, wo die Kunst Michelangelos prägenden Einfluss auf ihn gewann. Nach Frankreich zurückgekehrt, folgten viele öffentliche Aufträge, u.a. die Aufsehen erregende Monumentalgruppe »Der Tanz« am Pariser Opernhaus. In späterer Zeit gründete der Bildhauer ein eigenes Vertriebsatelier, in dem seine Arbeiten in hohen Stückzahlen angeboten wurden. Durch seinen neobarock-realistischen Stil, seine Forderung nach Spannung und Ausdruck widersetzte sich Carpeaux den strengen akademischen Traditionen.