Stillleben im Atelier (M+)

James Sidney Ensor

Stillleben im Atelier, 1889

Öl auf Leinwand, 83,0 x 113,5 cm
1960 aus Privatbesitz erworben
Inv. Nr. 13071

Details   

Stillleben im Atelier

James Sidney Ensors "Stillleben" ist mehr als die übliche realistische Atelierstudie, der man im 19. Jahrhundert so häufig begegnet. Das Arrangement aus Malgerät, Gliederpuppe, Totenkopf und Masken ist wohl eher als dämonische Allegorie der von Gesichten heimgesuchten Kunst aufzufassen, wobei die toten Dinge eine eigentümlich beunruhigende Lebendigkeit angenommen haben. Die Grenze zwischen Realität und Halluzination wird bewusst verwischt. Die lichten, kalten Farben haben etwas faulig Schimmerndes. Es herrscht eine Stimmung von angespannter Nervosität, die sich nicht zuletzt in den dichten, kurzen, vibrierenden Pinselstrichen, welche die Leinwand wie ein Gewebe überspinnen, niederschlägt. Der Bildrand überschneidet die herandringenden Formen, sodass man jenseits der Bildgrenzen neue unheimliche Erscheinungen erwartet.

James Sidney Ensor (1860 ‐ 1949)

Leben und Werk

Geboren am 13. April 1860 in Ostende, gestorben am 19. November 1949 ebenda. Als besonders eigenwilliger Student 1880 von der Ausbildung enttäuscht, die er in Ostende, seit 1877 an der Académie Royale des Beaux-Arts in Brüssel absolvierte, entwickelte Ensor seine Kunst weitgehend selbständig. 1883 ist er Gründungsmitglied der dem internationalen Symbolismus verbundenen Künstlervereinigung »Les XX«. Für seine kühne Malweise wurde er früh kritisiert, für seine ab 1884 entstandenen Maskenbilder erntete er Unverständnis. Nur langsam fanden seine Werke Zustimmung bei Kritik und Sammlern. Weniger den Impressionisten verbunden, sondern in der Frühzeit eher von Pieter Brueghel d. Ä., Francisco Goya und William Turner beeinflusst, pflegte Ensor ein eigenwilliges Kolorit, doch gewinnt das Licht zunehmend an Bedeutung und seine Palette hellt sich auf. Charakteristisch ist seine Vorliebe für das Hintergründig-Satirische, Makaber-Phantastische.