Lago d'Averno (M+)

Jacob Philipp Hackert

Lago d'Averno, 1794

Tempera auf Papier, auf Malpappe geklebt, 57,6 x 83,6 cm
1936 aus Privatbesitz erworben
Inv. Nr. 10162

Details   

Lago d'Averno

Die Vedute des Lago d'Averno im klaren, hellen Sonnenlicht gibt eine topographisch genaue Ansicht der Gegend am Golf von Pozzuoli. Hinter dem Kratersee von Averno liegt der kleinere Lucriner See, dahinter öffnet sich der Blick auf das Meer. An der Küste erhebt sich über Pozzuoli vor dem Monte Miseno das im 16. Jahrhundert erbaute Schloss von Baiae. Am linken Bildrand sind die Ruinen einer römischen Thermenanlage zu sehen. Die landschaftliche Schönheit des mythenumwobenen Sees, der nach Vergil der Eingang zur Unterwelt war, gibt Hackert in einer strengen, fast sachlichen Komposition wieder. Die Sicherheit und Klarheit der Zeichnung, die bereits Goethe lobte, tragen wesentlich zur ruhigen Bildwirkung bei.

Hackerts Bilder vermittelten den Reisenden des 18. Jahrhunderts eine ideale Sicht auf die Schönheit der italienischen Landschaft, nährten aber nicht mehr den Mythos des arkadischen Italien, wie er noch bei Claude Lorrain zu finden war. Besonders im Spätwerk löste sich der Maler von dem Vorbild Claude Lorrains und fand zu einer immer mehr an der Wirklichkeit orientierten Naturschilderung. Diese Synthese von objektiver Dokumentation und bildmäßiger Komposition war ein zentraler Gedanke der klassizistischen Kunst Hackerts. Das Bild entstand, als er Hofmaler König Ferdinands IV. in Neapel war.

Jacob Philipp Hackert (1737 ‐ 1807)

Leben und Werk

Geboren am 15. September 1737 in Prenzlau, gestorben am 28. April 1807 in San Piero di Careggi. An der Berliner Akademie studierte Hackert 1754 unter Blaise Nicolas Lesueur nach den großen Vorbildern der Zeit, Claude Lorrain und den holländischen Italianisten des 17. Jahrhunderts. Reisen führten ihn zwischen 1762 und 1764 nach Stralsund, Rügen und Stockholm. Seit 1765 arbeitete er in Paris im Atelier des Kupferstechers Johann Georg Wille, 1766 reiste er in die Normandie. 1768 ging er nach Italien, wo er in Rom dem Kreis um Johann Joachim Winckelmann, Anton Raphael Mengs und Lord Hamilton angehörte. Seit 1786 war er Hofmaler Ferdinands IV. in Neapel, wo er 1787 Johann Wolfgang von Goethe traf, der bei ihm Zeichenunterricht nahm. 1799 floh der gefragte Künstler vor der Revolution und ließ sich in Florenz nieder. Nachstiche seiner Bilder schon in der Pariser Zeit sprechen für den frühen Erfolg dieses typischen Vertreters der klassizistischen Landschaftsmalerei, dessen Kunst der Prospektmalerei sich bei einem internationalen Publikum großer Beliebtheit erfreute.