Garten in Kalmthout (M+)

Henry van de Velde

Garten in Kalmthout, um 1892

Öl auf Leinwand, 70,5 x 95,5 cm
1959 vom Sohn des Künstlers erworben
Inv. Nr. 12988

Details   

Garten in Kalmthout

In der Zeit um 1890/93 hielt sich van de Velde häufig in der Villa »Vogelenzang « in Kalmthout im Haus seines Schwagers und seiner Schwester, Léon und Jeanne Biart (wohl die Frau im vorliegenden Bild), auf. Wie in vielen seiner Gemälde, Pastelle und Zeichnungen steht der Künstler auch hier unter dem Einfluss Vincent van Goghs, dessen züngelnde Pinselführung er in eine ruhig strömende übersetzt: Zu Beginn der 1890er Jahre, als das Bild entstand, war er erstmalig mit Arbeiten des Holländers bekannt geworden. Van de Velde hat auch den Rahmen des Bildes in pointillistischer Manier bemalt, ein Vorgehen, das bereits von Georges Seurat, Paul Signac und anderen Neoimpressionisten bekannt ist und noch von der engen Bindung van de Veldes an diese Künstler in den 1880er Jahren zeugt.

Henry van de Velde (1863 ‐ 1957)

Leben und Werk

Geboren am 3. April 1863 in Antwerpen, gestorben am 25. Oktober 1957 in Zürich. Obwohl Architektur und Kunstgewerbe im Schaffen van de Veldes dominieren, galt seine Aufmerksamkeit auch der Malerei, die er selbst in den späten 1880er Jahren in Paris bei Émile Auguste Carolus-Duran studiert hatte, bevor er sich um 1900 verstärkt anderen Gattungen zuwandte. 1901 wurde van de Velde vom Großherzog nach Weimar berufen, wo er die Kunstgewerblichen Lehranstalten gründete und bis 1914 leitete; 1917 ging er in die Schweiz. Der Hauptanreger des Jugendstils suchte die Bestrebungen Vincent van Goghs und der Neoimpressionisten um Georges Seurat mit der neuen Stilrichtung zu verbinden. In späterer Zeit verließ van de Velde die Linie des Jugendstils und entwickelte jenen strengen Funktionalismus, auf dem die Baukunst des 20. Jahrhunderts fußt.