Bildnis eines Herrn (Georges de Villéchenon) (M+)

Henri de Toulouse-Lautrec

Bildnis eines Herrn (Georges de Villéchenon), 1900/01

Öl auf Leinwand, 80,3 x 62,1 cm
1912 als Schenkung von Alfred Walter Heymel im Rahmen der Tschudi-Spende erworben
Inv. Nr. 8667

Details   

Bildnis eines Herrn (Georges de Villéchenon)

Eine handschriftliche Notiz auf der Rückseite des Gemäldes gibt Auskunft über die Entstehungsumstände und lautet übersetzt: »Dieses Porträt wurde von meinem Freund Henri de Toulouse-Lautrec während seines Aufenthaltes in Bordeaux – 66 Rue de Cauderan – im Winter 1900/1901 gemalt. Die Krankheit und seine unverhoffte Abreise nach Paris haben ihm nicht erlaubt, sich einer letzten Sitzung zu widmen, die nach seinen Worten nötig gewesen wäre, um das Bild zu vollenden und zu signieren. (14. Dez. 1901)« Die nicht zweifelsfrei zu lesende Unterschrift wird bis in die jüngere Literatur unbegründet als »G.(eorges) de Villéchenon« bedeutet. Der Notizzettel ist wichtig, weil der die auch ansonsten bekannte Adresse von Toulouse-Lautrec in Bordeaux während des Winters 1900/01 angibt und die Umstände bezeichnet, warum das Bild sowohl unvollendet als auch unsigniert blieb: Der Künstler hat Ende April 1901 Bordeaux verlassen und ist am 9. September
auf Schloss Malromé gestorben. Dies war für den Verfasser der rückseitigen Notiz Anlass, sein Wissen zu dokumentieren.
Das Gemälde zeigt einen älteren bärtigen Herrn in schwarz-grüner Jacke vor rot gemusterten Fenstervorhängen. So großzügig und nur andeutungsweise alles gemalt ist, so hat Toulouse-Lautrec den Dargestellten doch schon in diesem unvollendeten Stadium als einen geistig lebhaften, zu Ironie, vielleicht gar zum Sarkasmus neigenden Mann charakterisiert, ohne dass die Physiognomie im Geringsten karikaturistisch aufgefasst wäre.

Henri de Toulouse-Lautrec (1864 ‐ 1901)

Leben und Werk

Geboren am 24. November 1864 in Albi, gestorben am 9. September 1901 auf Schloss Malromé (Gironde). Neben seiner Ausbildung bei Léon Bonnat und Fernand Cormon in Paris seit 1882 waren für Toulouse-Lautrec vor allem die Begegnung mit Émile Bernard und die Freundschaft mit Vincent van Gogh von Bedeutung. Seit 1886 wohnte und arbeitete er in unmittelbarer Nähe zum Montmartre und seinen zahllosen Vergnügungslokalen, deren Fin-de-siècle-Leben er mit sicherem Strich und oft beißender Satire notierte. Als Graphiker ist Toulouse-Lautrec ein Hauptvertreter des internationalen Jugendstils, dem er auch in seiner flächenhaft komponierenden Plakatkunst entsprach.