Sappho (M+)

Heinrich Dreber

Sappho, 1870

Öl auf Leinwand, 241,0 x 170,0 cm
1870 durch Adolf Friedrich Graf von Schack erworben
Inv. Nr. 11625

Details   

Sappho

Die griechische Lyrikerin Sappho (um 600 v. Chr.) lebte auf der Insel Lesbos und besang in ausdrucksstarken Gedichten die Liebe als „süßbittere“ Erfahrung. Angeblich hat sie sich aus enttäuschter Liebe vom Leukadischen Felsen in den Tod gestürzt. Das Gemälde zeigt die letzten Augenblicke vor dieser Verzweiflungstat. Dreber, der nie in Griechenland war, hat sich für die
Landschaft von der Felsenküste der Insel Capri anregen lassen.

Heinrich Dreber (1822 ‐ 1875)

Leben und Werk

Geboren am 9. Januar 1822 in Dresden, gestorben am 3. August 1875 in Anticoli di Campagna bei Rom. – Dreber studierte 1836 bis 1841 an der Kunstakademie in Dresden bei Ludwig Richter. 1841 übersiedelte er nach München und 1843 nach Rom, wo er sich auf Dauer niederließ. Deutschland und seine Heimatstadt Dresden sah er nur während zweier Reisen 1855 und 1866 wieder. 1869 heiratete er dieWitwe Faustina Orioli aus Florenz, nachdemer bereits 1851 einen Sohnmit der drei Jahre später verstorbenen Aloysia Vignoli hatte. Drebers Anfänge als Landschaftsmaler waren durch seinen Lehrer Ludwig Richter geprägt. In Rom entwickelte er unter dem Einfluss von Joseph Anton Koch, Johann Christian Reinhart und Friedrich Preller d. Ä. eine klassizistische Auffassung, die er mit romantischem Naturempfinden verband. In Zeichnungen und Ölskizzen studierte er die Landschaften in der Umgebung Roms und am Golf von Neapel, die er dann für seine im Atelier gemalten Landschaftsbilder verwendete. Die sorgsam komponierten Gemälde bereicherte er mit Staffagefiguren, die ein ideal verklärtes Landleben zeigen und der Bibel oder dem antiken Mythos entnommen waren. Phasen von Verunsicherung undMelancholie erzwangen wiederholt längere Schaffenspausen. Dreber war bei Sammlern kaum bekannt und verkaufte wenig, beeinflusste aber andere Künstler wie den jungen Böcklin. Schack wurde 1864 auf den zurückgezogen lebenden Künstler aufmerksam und bestellte das Gemälde der Sappho bei ihm, das er jedoch erst sechs Jahre später in Empfang nehmen konnte.