Margaret Stonborough-Wittgenstein (M+)

Gustav Klimt

Margaret Stonborough-Wittgenstein, 1905

Öl auf Leinwand, 179,8 x 90,5 cm
1960 aus Privatbesitz erworben
Inv. Nr. 13074

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Margaret Stonborough-Wittgenstein

Selten ist die Moderne zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Lebenswirklichkeit einer ganzen gesellschaftlichen Schicht so ambivalent dargestellt und zusammengefasst worden wie in den Frauenporträts Gustav Klimts. In ihnen kommt das Selbstverständnis eines Bürgertums zum Ausdruck, welches sich einer - zumindest oberflächlichen - ästhetischen Durchdringung aller Lebensbereiche verpflichtet weiß. Das Bildnis "Margarethe Stonborough-Wittgenstein" ist ein solches Porträt, wenn auch ein Porträt, das der eigenständigen und intellektuellen Persönlichkeit der Dargestellten wohl nicht gerecht wurde.
Es zeigt die Tochter des Stahlmagnaten Karl Wittgenstein, der u. a. den Bau des Wiener Secessionsgebäudes erheblich unterstützt hatte und der auch als Auftraggeber des Porträts seiner jüngsten Tochter und Schwester des Philosophen Ludwig Wittgenstein angesehen werden muss. Die zu diesem Zeitpunkt noch unverheiratete Margarethe trägt ein langes Samt-Moirée-Kleid aus der Wiener Werkstätte mit einer passenden Stola, deren gestickte Blumenornamente geschickt mit der glatten changierenden Robe kontrastieren. Der so subtil inszenierte Gegensatz von Naturalismus und Geometrisierung dominiert dabei das gesamte Bild, dessen architektonische Elemente die flächige Aufteilung des Hintergrundes akzentuieren und beleben. Zusammen mit dem "Bildnis Fritza Riedler" und "Adele Bloch-Bauer I" muss das Münchner Bild daher zu den beeindruckendsten und konzentriertesten Gemälden Klimts gezählt werden, ohne jedoch die Zustimmung der Porträtierten finden zu können, die das Bild angeblich zunächst auf den Speicher verbannte.

Gustav Klimt (1862 ‐ 1918)

Leben und Werk

Geboren am 14. Juli 1862 in Wien-Baumgarten, gestorben am 6. Februar 1918 in Wien. Bis 1883 besuchte Klimt die Kunstgewerbeschule des Österreichischen Museums in Wien, anschließend wurde Hans Makart für ihn richtungsweisend. Von 1883 bis 1892 arbeitete er mit seinem Bruder Ernst sowie Franz von Matsch in einer Ateliergemeinschaft zusammen. Neben dekorativen Arbeiten für Villen und Kurhäuser entstanden Wand- und Deckenbilder im Wiener Burgtheater und Kunsthistorischen Museum, später für die Universitätsaula. 1888/89 führten ihn Reisen nach Krakau, Triest, Venedig und München. Von 1891 bis 1897 war Klimt Mitglied der Genossenschaft bildender Künstler in Wien; 1897 wurde er erster Präsident der Wiener Secession. 1909 nahm er an der Internationalen Kunstausstellung in München und der Ausstellung der Berliner Secession teil, 1910 an der Biennale in Venedig. Hatte Klimt seit 1898 neoimpressionistische und symbolistische Elemente zu einem eigenständigen Ornamentalstil verbunden, so traten von 1903 an abstrakte, später auch expressionistische Elemente hinzu. Der u. a. mit Ferdinand Hodler befreundete Klimt, der starken Einfluss auf die von Josef Hoffmann und Kolo Moser gegründeten Wiener Werkstätten hatte, gehört neben Egon Schiele und Oskar Kokoschka zu den großen Neuerern der Wiener Malerei.

Gustav Klimt

Die Musik, 1895

Öl und Goldbronze auf Leinwand, 27,5 x 35,5 cm (=lichtes Maß)
1901 auf der Münchner Jahresausstellung im Glaspalast vom Künstler erworben
Inv. Nr. 8195

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