Schwerer Gang (M+)

Fritz von Uhde

Schwerer Gang, 1890

Öl auf Leinwand, 117,0 x 127,0 cm
1890 durch Prinzregent Luitpold vom Künstler erworben. - 1932 vom Wittelsbacher Ausgleichsfonds erworben
Inv. Nr. 9827

Details   

Schwerer Gang

In der beginnenden Dämmerung geht ein mit ärmlichen Habseligkeiten beladenes Paar einen schlammigen Weg entlang. Dabei stützt er seine offensichtlich schwangere Frau, die das Gewicht ihres Leibes kaum tragen kann. Rechts des Weges verläuft ein schmaler, weidenbestandener Bach. Am linken Straßenrand sind einfache Häuser erkennbar, aus denen schwacher Lichtschein dringt. Trotz der lockeren, aufgelösten Pinselschrift bleibt die Naturbeobachtung präzise, vor allem im Bereich der Nahsicht. Natur ist hier als Stimmungslandschaft gesehen, die Verbundenheit mit dem Menschen symbolisiert.
Hugo von Hofmannsthal schrieb 1893: "Da schleppt der Zimmermann sein armes Weib, das sich in Schmerzen an ihn lehnt, in schweren Schritten die verlassene, lehmige Landstraße entlang." Der Verlassenheit des Paares entspricht die Verlassenheit der Landschaft, wodurch die Intensität der Bildaussage verstärkt wird. Im Jahr der Entstehung des Bildes war ein Drittel aller Schreiner arbeitslos und die wirtschaftliche Situation der Handwerker existenzbedrohend. Neben diesem konkreten historischen Bezug war die Darstellung einer schwangeren Frau gewagt. Im 19. Jahrhundert hatte erstmals Wilhelm Leibl in dem "Bildnis der Frau Gedon" eine solche porträtiert. Ursprünglich hatte Uhde dem Bild den Titel "Gang nach Bethlehem" gegeben. Das Arbeiterpaar wurde mittels dieser religiösen Maske zu Maria und Joseph auf der Suche nach der Herberge. Damit war die sozialkritische Komponente aufgehoben.

Fritz von Uhde (1848 ‐ 1911)

Leben und Werk

Geboren am 22. Mai 1848 in Wolkenburg (Sachsen), gestorben am 25. Februar 1911 in München. Nach einem enttäuschenden Studienjahr an der Dresdner Akademie trat Uhde 1867 zunächst ins Gardereiterregiment ein, wo er 1868 zum Leutnant befördert wurde. Nach seiner Bekanntschaft mit Hans Makart in Wien 1876 quittierte Uhde den Militärdienst, um sich ganz der Malerei zu widmen. Nachdem er zunächst von Carl Theodor von Piloty, Wilhelm Lindenschmit und Wilhelm von Diez abgelehnt wurde, ging er 1879 nach Paris ins Atelier von Mihály von Munkácsy. 1880 zurück in München, freundete er sich mit Max Liebermann an, mit dessen Unterstützung er zu einem neuen, naturalistischen Stil mit impressionistischen Elementen gelangte. 1892 gehörte er zu den Mitbegründern der Münchner Secession. Neben Liebermann, Lovis Corinth und Max Slevogt gilt Uhde als bedeutendster Vertreter des deutschen Impressionismus. Mit seinem Werk schuf er eine religiöse Malerei, die in realistischer Sehweise das Heilsgeschehen in die Gegenwart projizierte.