Traumdeutung Josephs (M+)

Friedrich Wilhelm von Schadow

Traumdeutung Josephs, um 1816

Öl auf Papier, auf Pappe geklebt, 34,6 x 31,2 cm
1927 aus dem Kunsthandel erworben
Inv. Nr. 9408

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Traumdeutung Josephs

1816 gab der preußische Generalkonsul in Rom, Jakob Ludwig Salomon Bartholdy, den Auftrag, den Festsaal seiner Wohnung im Palazzo Zuccari mit Fresken ausmalen zu lassen. Das Projekt sollte der Förderung der deutschen Künstler in Rom neuen Auftrieb geben. Overbeck, Catel, Veit, Cornelius und Schadow hatten hier die Gelegenheit, erstmals ihre künstlerischen Ideen – die Erneuerung der Kunst im christlich-nationalen Sinne – in einem großen Zyklus biblischer Historienbilder umzusetzen. Als Thema wurde die Geschichte des ägyptischen Joseph gewählt. Schadows Beitrag waren »Jakobs Klage« und »Die Traumdeutung Josephs«. Unsere Ölskizze ging dem im Laufe des Jahres 1817 entstandenen Wandgemälde voraus. Die engelhafte Figur des Joseph entlehnte Schadow einer Zeichnung Overbecks aus dem Jahr 1815. Joseph deutet die Träume zweier eingekerkerter Hofbeamter des Pharao. Ihre Traumgesichte sind in zwei Medaillons an die Rückwand des Kerkers gemalt. Konnte Joseph den Traum des Mundschenks als Zeichen der baldigen Wiedereinsetzung in sein Amt deuten, war mit dem
Traum des Bäckers, der sich niedergeschlagen auf einer Bank niedergelassen hat, sein Schicksal – die baldige Verurteilung zum Tode – besiegelt. Nach dem Tod Bartholdys 1825 gab es Bestrebungen, die empfindlichen Fresken aus dem Zimmer zu entfernen; der Verkauf an den preußischen Staat, ihre Abnahme und Überführung nach Berlin gelangen aber erst 1886/87. Heute werden sie in der Alten Nationalgalerie Berlin bewahrt.

Friedrich Wilhelm von Schadow (1788 ‐ 1862)

Leben und Werk

1811 ging der junge Berliner Maler Wilhelm Schadow zusammen mit seinem älteren Bruder, dem Bildhauer Rudolph, mit einem durch Alexander von Humboldt vermittelten Stipendium nach Rom. Dort schlossen sich die Brüder dem Lukasbund um Friedrich Overbeck an. Schadow identifizierte sich so mit den Idealen der Nazarener, dass er zum katholischen Glauben übertrat. Diese Rückkehr zu einer dogmatisch-allumfassenden Interpretation des christlichen Glaubens war Ausdruck der Hinwendung zum mittelalterlichen Ideal der Einheit von Kunst, Religion und Nation. Unter den Zeitgenossen allerdings lösten die Konversionen einzelner Nazarener wie Schadow jedoch heftigen Widerspruch aus. 1819 wurde Schadow als Professor an die Berliner Akademie berufen, und 1826 wurde er als Nachfolger von Peter Cornelius Direktor der Akademie in Düsseldorf. Als einer der ersten Nazarener in einer führenden Position nahm Schadow eine Schlüsselstellung bei der Vermittlung des nazarenischen Gedankengutes an folgende Künstlergenerationen ein. Schadows Malstil war ganz im Sinne des Lukasbundes an den alten Meistern des Quattrocento bzw. der altdeutschen und altniederländischen Malerei orientiert. Seine Werke heben sich aber durch starke Naturtreue und einen ausgeprägten Kolorismus von der eher formalen und linearen Kunst der übrigen Lukasbrüder ab.

Friedrich Wilhelm von Schadow

Bildnis einer jungen Römerin (Angelina Magatti), 1818

Öl auf Leinwand, 94,1 x 78,8 cm
Leihgabe der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, München
Inv. Nr. L 267

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Friedrich Wilhelm von Schadow

Fanny Ebers, um 1826/27

Öl auf Leinwand, 176,0 x 111,5 cm
1931 aus Privatbesitz erworben (vormals: L 379)
Inv. Nr. 9671

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Friedrich Wilhelm von Schadow

Die Heilige Familie unter dem Portikus, 1818

Öl auf Leinwand, 142,5 x 102,4 cm
1818 durch Kronprinz Ludwig vom Künstler erworben
Inv. Nr. WAF 918

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