Bildnis einer jungen Römerin (Angelina Magatti) (M+)

Friedrich Wilhelm von Schadow

Bildnis einer jungen Römerin (Angelina Magatti), 1818

Öl auf Leinwand, 94,1 x 78,8 cm
Leihgabe der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, München
Inv. Nr. L 267

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Bildnis einer jungen Römerin (Angelina Magatti)

Das von Kronprinz Ludwig bei Friedrich Wilhelm von Schadow in Auftrag gegebene Porträt zeigt eine junge Frau in Dreiviertelfigur, die vor einer Brüstung mit Ausblick auf eine römische Landschaft sitzt. Die ganz sacht eingesunkene Haltung und der versonnene Blick bringen in sich gekehrte Nachdenklichkeit zum Ausdruck. Ein Sträußchen aus Frühlingsblumen in ihrer Rechten betont die Zartheit des Mädchens. Der Weinkrug auf der rückwärtigen Brüstung hat als Henkel eine kleine Amorfigur.
Schadow stellt in dem sehr intimen Bildnis wahrscheinlich Angelina Magatti dar, eine römische Schönheit von zweifelhaftem Ruf, die Kronprinz Ludwig von Bayern 1818 in Rom kennen gelernt hatte. Bald nach dieser ersten Begegnung muss der Auftrag an Schadow ergangen sein. Im Juli des folgenden Jahres kam es zum Skandal um die leichtlebige Dargestellte, die mitsamt einem ungenannten »Monsignor« in Haft genommen worden war. Als Anspielung auf die Affäre mit dem Kronprinzen ist wohl der kleine Amoretto am Griff der Kanne zu sehen. Im Juli 1821 traf das Bild in München ein. Das dortige Publikum, von den amourösen Kapriolen des Thronfolgers und der sanft erotisch gefärbten Ikonographie des Bildes unberührt, sah in dem Porträt allein den Ausdruck der Italiensehnsucht Ludwigs.
Daneben lobten die Zeitgenossen die technische Fertigkeit und den Schmelz der leuchtenden Farben, die, neben der meditativen Stimmung der Dargestellten, charakteristisch für Schadows Porträtauffassung sind.

Friedrich Wilhelm von Schadow (1788 ‐ 1862)

Leben und Werk

1811 ging der junge Berliner Maler Wilhelm Schadow zusammen mit seinem älteren Bruder, dem Bildhauer Rudolph, mit einem durch Alexander von Humboldt vermittelten Stipendium nach Rom. Dort schlossen sich die Brüder dem Lukasbund um Friedrich Overbeck an. Schadow identifizierte sich so mit den Idealen der Nazarener, dass er zum katholischen Glauben übertrat. Diese Rückkehr zu einer dogmatisch-allumfassenden Interpretation des christlichen Glaubens war Ausdruck der Hinwendung zum mittelalterlichen Ideal der Einheit von Kunst, Religion und Nation. Unter den Zeitgenossen allerdings lösten die Konversionen einzelner Nazarener wie Schadow jedoch heftigen Widerspruch aus. 1819 wurde Schadow als Professor an die Berliner Akademie berufen, und 1826 wurde er als Nachfolger von Peter Cornelius Direktor der Akademie in Düsseldorf. Als einer der ersten Nazarener in einer führenden Position nahm Schadow eine Schlüsselstellung bei der Vermittlung des nazarenischen Gedankengutes an folgende Künstlergenerationen ein. Schadows Malstil war ganz im Sinne des Lukasbundes an den alten Meistern des Quattrocento bzw. der altdeutschen und altniederländischen Malerei orientiert. Seine Werke heben sich aber durch starke Naturtreue und einen ausgeprägten Kolorismus von der eher formalen und linearen Kunst der übrigen Lukasbrüder ab.

Friedrich Wilhelm von Schadow

Fanny Ebers, um 1826/27

Öl auf Leinwand, 176,0 x 111,5 cm
1931 aus Privatbesitz erworben (vormals: L 379)
Inv. Nr. 9671

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Friedrich Wilhelm von Schadow

Die Heilige Familie unter dem Portikus, 1818

Öl auf Leinwand, 142,5 x 102,4 cm
1818 durch Kronprinz Ludwig vom Künstler erworben
Inv. Nr. WAF 918

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Friedrich Wilhelm von Schadow

Traumdeutung Josephs, um 1816

Öl auf Papier, auf Pappe geklebt, 34,6 x 31,2 cm
1927 aus dem Kunsthandel erworben
Inv. Nr. 9408

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