Italia und Germania (M+)

Friedrich Overbeck

Italia und Germania, 1828

Öl auf Leinwand, 94,5 x 104,7 cm
1832 durch König Ludwig I. aus dem Besitz des Frankfurter Buchhändlers Johann Friedrich Wenner erworben
Inv. Nr. WAF 755

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Italia und Germania

Das Gemälde zeigt zwei junge Frauen, die eine blond, die andere dunkelhaarig, die sich einander zugewandt haben. Ihre Hände sind als Zeichen ihrer engen Verbundenheit ineinander gelegt. Eine ruhige Ausgewogenheit zwischen gebender Öffnung und empfangender Umschließung bringt das vertraute Verhältnis der beiden Frauen zum Ausdruck.

Ursprünglich war das Bild mit dem Titel "Sulamith und Maria" als Freundschaftsgabe für Franz Pforr konzipiert und sollte die beiden christlichen Bräute Sulamith und Maria als die imaginären Ehefrauen der beiden Malerfreunde darstellen. Pforr hatte in seinem für Overbeck bestimmten Bild das Thema als Diptychon gestaltet, das die beiden Frauen räumlich getrennt voneinander zeigt (heute im Museum Georg Schäfer, Schweinfurt). Overbeck wählte dagegen für sein Bild die monumentalere Form einer Figurengruppe. Nach dem frühen Tod Franz Pforrs, der 1812 starb, unterblieb die Ausführung des Gemäldes vorerst, und erst Jahre später nahm Overbeck die Komposition wieder auf. Nun aber waren die beiden Frauen zu Italia und Germania geworden und brachten damit die enge Verbindung des Nordens mit dem Süden zum Ausdruck, wie es sich Overbeck, der als Deutscher sein Leben in Rom verbrachte, und seine Künstlerfreunde erträumten.

Im Gegensatz zur norddeutschen Romantik eines Caspar David Friedrich oder eines Philipp Otto Runge sahen die Nazarener nicht in der Autonomie der Kunst ihre Zukunft, sondern strebten eine Rückbindung der Malerei an die Religion und den Staat an. Das mittelalterliche Ideal einer religiösen, im Volk verankerten und verehrten Malerei wurde ihnen zum Leitbild. Insbesondere Raffael und Dürer verkörperten für die Nazarener die vergangene Blütezeit der Kunst und so galt es, den Vorbildern im Leben und in der Kunst nachzueifern.

Friedrich Overbeck (1789 ‐ 1869)

Leben und Werk

Friedrich Overbeck gehörte zu den Begründern des Lukasbundes, aus dem später die Nazarener hervorgingen. Aus einer angesehenen Lübecker Familie stammend, studierte er 1806 an der Wiener Kunstakademie. 1809 formierte sich dort ein Kreis junger Künstler, zu dem neben Overbeck auch Franz Pforr gehörte. Unter dem Einfluss der Schriften Wackenroders, Tiecks und Schlegels formulierten sie ein romantisches Programm, das sich gegen die an der Akademie vermittelte klassizistische Kunstauffassung richtete und zur ersten Abspaltung einer Künstlergruppe von der offiziellen Kunst führte. 1810 gingen Overbeck und Pforr mit einigen Freunden nach Rom, wo sie sich im ehemaligen Kloster San Isidoro niederließen. Dort lebten sie in mönchischer Abgeschiedenheit ihren Idealen folgend. Bald stießen weitere Künstler wie Peter Cornelius und Wilhelm Schadow zu dieser Gruppe. Das Anliegen, die Kunst wieder an Kirche und Staat zu binden und das wachsende Interesse an einem Einwirken der Kunst auf die Öffentlichkeit machte die Künstler dieses Kreises empfänglich für das Werben Ludwigs I. Der König berief führende Nazarener wie Cornelius und Julius Schnorr von Carolsfeld nach München, um sie an der Umsetzung seines Kunstprogramms zu beteiligen. Overbeck entzog sich jedoch als einer der wenigen nazarenischen Künstler Angeboten aus Deutschland und blieb Zeit seines Lebens in Rom.

Friedrich Overbeck

Vittoria Caldoni, 1821

Öl auf Leinwand, 89,5 x 65,8 cm
1821 durch Kronprinz Ludwig vom Künstler erworben
Inv. Nr. WAF 757

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Friedrich Overbeck

Maria und Elisabeth mit Jesus und Johannes, 1825

Öl auf Leinwand, 146,4 x 101,7 cm
1857 durch König Ludwig I. aus der Sammlung des Grafen Schönborn erworben
Inv. Nr. WAF 754

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