Brunnen in der Campagna (M+)

Ferdinand Olivier

Brunnen in der Campagna, um 1825/30

Öl auf Papier, auf Eichenholz geklebt, 25,0 x 18,9 cm
1917 aus Privatbesitz erworben
Inv. Nr. 8920

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Brunnen in der Campagna

Ferdinand Oliviers »Brunnen in der Campagna« und die »Campagnalandschaft mit dem Soracte« wurden schon vom Künstler als Pendants verstanden. Olivier, der Italien nie besucht hatte, kannte die Gegend um Rom nur aus literarischen und bildlichen Darstellungen. Daraus formte er seine Idealsicht der Landschaft und ihrer Bewohner, wie sie der romantischen Auffassung reiner entsprach als die unmittelbare Wirklichkeit.
Der Soracte (heute Monte Soratte oder Monte di S. Silvestro), von Olivier im Hintergrund der sonnenversengten hügeligen Landschaft unter wolkenverhangenem Himmel gegeben, ist von alters her der Hausberg der Römer. Bei Horaz spiegelt er den Kreislauf der Jahreszeiten. Ein Wanderer trifft unter einem Baum auf zwei Rastende. Aus dem »Brunnen in der Campagna« holt eine Frau mit einem Tonkrug Wasser. Von einer Felsplatte aus beobachtet sie ein rastender Wanderer. Es kommt den programmatischen Absichten des Künstlers sicher entgegen, die Protagonisten des Bilderpaares als Wanderer auf dem Lebensweg zu deuten, die Frau am Brunnen als engelsgleiche Trostspenderin. In der motivischen Verwandtschaft des ruhenden Mannes und der Wasser schöpfenden Frau klingen auch Erinnerungen an biblische Themen wie Jakob und Rahel am Brunnen an. Solche vielschichtigen Auslegungen wurden von Olivier, der in seinem tief religiös empfundenen Werk die organische Verbindung des Menschen mit dem Kreislauf der Schöpfung in den Mittelpunkt stellte, bewusst angelegt.

Ferdinand Olivier (1785 ‐ 1841)

Leben und Werk

Wie nahe sich die konträren Auffassungen der Malerei Caspar David Friedrichs und jene der Nazarener kommen konnten, zeigt sich an der Person Ferdinand Oliviers. Als junger Künstler wurde er stark von Friedrichs Landschaftsmalerei beeinflusst, setzte sich aber zugleich, durch die Schriften Wackenroders und Tiecks angeregt, mit der Malerei Dürers auseinander. 1811 übersiedelte er nach Wien und trat dem Lukasbund bei, ging jedoch nicht, wie einige andere Mitglieder der Gruppe, nach Rom. Als überzeugter Protestant konvertierte Ferdinand Olivier auch nie zum katholischen Glauben, wie viele andere nazarenische Künstler es taten. Obwohl ihm die unmittelbare Italienerfahrung fehlte, stand er über seinen Bruder Friedrich Olivier in Kontakt mit der Kunst der Nazarener in Rom. Gleichwohl entwickelte Ferdinand Olivier unter dem Eindruck der österreichischen und deutschen Landschaft einen eigenständigen Stil, der aber deutlich nazarenisch geprägte Züge besitzt.

Ferdinand Olivier

Campagnalandschaft mit dem Soracte, um 1825/30

Öl auf Papier, auf Eichenholz geklebt, 24,8 x 19,0 cm
1917 aus Privatbesitz erworben
Inv. Nr. 8921

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Ferdinand Olivier

Landschaft zu "Elias in der Einöde", um 1830/31

Öl auf Leinwand, 75,7 x 56,3 cm
1906 aus Privatbesitz erworben
Inv. Nr. 8426

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Ferdinand Olivier

Elias in der Einöde, um 1831

Öl auf Papier, auf Eichenholz geklebt, 75,0 x 56,5 cm
1934 aus dem Kunsthandel erworben
Inv. Nr. 9957

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