Szene im Café (M+)

Édouard Vuillard

Szene im Café, 1899

Leimfarbe auf Papier, 120,0 x 107,0 cm
1960 aus Privatbesitz erworben
Inv. Nr. 13072

Details   

Szene im Café

Edouard Vuillard, der mit Serusier, Denis, Bonnard und Valloton zu den Gründungsmitgliedern der Künstlergruppe der "Nabis" zählt, tritt auch mit "Szene im Café" als ein Chronist des privaten Pariser Lebens auf, das er in zahllosen, kleinformatigen Interieurstücken festhält. Diese Interieurstücke sind, wie Rudolf Koella bemerkte, dabei nicht nur für Vuillard gleichsam die andere Seite der Medaille von Park- und Boulevardszenen, wie wir sie von den französischen Impressionisten kennen. Für die "Nabis" ist das Interieur der von Concierge oder Oberkellner bewachte Lebensraum des Parisers, eine Welt im Kleinen, die sich nicht nur für das Studium bürgerlicher Lebenswelten eignet, sondern auch neue künstlerische Bildsprachen bis hin zur Abstraktion erproben lässt.
In diesem Sinne ist die aus Leimfarben auf Papier hingewischte "Szene im Café" keine vorbereitende Skizze, sondern der Versuch, diesen halböffentlichen Raum in seinen gegenläufigen Bewegungsmomenten von Intimität und Weite adäquat festzuhalten. So steht dem eine Zeitung oder die Karte studierenden Mann im Vordergrund die Tiefe des Restaurants gegenüber und so kontrastieren auch die fahrigen Pinselstriche in Grau und Weiß dem monolithischen Schwarz von Abendkleidung und Frack - eine gelungene, atmosphärisch spannungsvolle Charakterisierung des Paris der Belle Époque.

Édouard Vuillard (1868 ‐ 1940)

Leben und Werk

Geboren am 11. November 1868 in Cuiseaux (Saône-et-Loire), gestorben am 21. Juni 1940 in La Baule (Loire-Atlantique). 1877 zog die Familie nach Paris, wo Vuillard 1885 ins Atelier des Malers Diogène Maillart eintrat und sich 1886 an der Académie Julian einschrieb. Nach drei gescheiterten Versuchen wurde er 1887 an der École des Beaux-Arts aufgenommen. Mit Pierre Bonnard, Paul Sérusier und Maurice Denis gründete er die symbolistische Künstlergruppe »Nabis« (Propheten). 1892 erhielt er seine erste Einzelausstellung in den Räumen der Zeitschrift »La Revue Blanche« sowie erste Aufträge für Dekorationen; eine Reihe von Ausstellungen mit den Nabis folgten. Reisen führten ihn seit 1892 wiederholt ins europäische Ausland. 1900 stellte Vuillard erstmals mit der Berliner Secession aus, 1901 war er am Salon des Indépendants beteiligt, 1904 am Salon d'Automne. Unter den Nabis zeigt Vuillard am wenigsten symbolistische Tendenzen; stilistisch kommt er bisweilen den Neoimpressionisten nahe.