Le Déjeuner (M+)

Édouard Manet

Le Déjeuner, 1868

Öl auf Leinwand, 118,3 x 154,0 cm
1911 im Rahmen der Tschudi-Spende erworben
Inv. Nr. 8638

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Le Déjeuner

Der Titel des Gemäldes, "Le déjeuner dans l'atelier", lenkt davon ab, dass es sich hier um ein Bildnis von Léon Koëlla Leenhoff handelt, dem damals sechzehnjährigen unehelichen Sohn der holländischen Pianistin Suzanne Leenhoff, die Manet 1863 geheiratet hatte. Der Vater von Léon war er wahrscheinlich selbst. Er hat ihn mehrfach dargestellt. Léon ist die Hauptfigur: nahe, gänzlich von vorn und fast über die volle Höhe gegeben. Die beiden anderen Personen, wie alles andere, sind ihm zu- und untergeordnet. Die Bedienstete, der Raucher, das Waffenstillleben auf dem Sessel, die Pflanze in dem farbenprächtigen Topf und der gedeckte Tisch, aber auch die Fenstertüre und die Landkarte im Hintergrund - alles ist auf den jungen Mann hin komponiert, hebt ihn hervor und lenkt doch zugleich von ihm ab. Das Nachdrückliche, mit dem er ins Bild gebracht ist, wird durch das Beiläufige gemildert, und so steht Léon nicht in der Mitte und ist nicht in ganzer Figur gegeben. Auch blickt er den Betrachter nicht an, sondern schaut verschlossen, ein wenig blasiert, ein wenig melancholisch an uns vorbei.
Manet hat mit diesem Bildnis den modernen Typus des Dandys gegeben, dessen Selbstverständnis zwischen Überlegenheit und Einsamkeit spielt. So modisch er gekleidet ist, so sehr er den eleganten jungen Pariser verkörpert, so sehr steht er andererseits in einer weit zurückreichenden Tradition, die Manet geradezu zitiert, denn die Waffen und der Helm links wie auch das holländische Stillleben auf dem Tisch erinnern an die Zeit vor zweihundert Jahren. Damit ist zugleich der Hinweis gegeben, in welcher Tradition Manet sich selbst sah. Andere seiner Werke bestätigen, dass Rubens, Velazquez, Frans Hals und die holländischen Stilllebenmaler zu den Künstlern gehörten, an deren Werken er sich orientierte oder die ihm von Malern der jüngeren Tradition, etwa Goya und Delacroix, vermittelt wurden.

Édouard Manet (1832 ‐ 1883)

Leben und Werk

Geboren am 23. Januar 1832 in Paris, gestorben am 30. April 1883 ebenda. Manet studierte von 1850 bis 1856 in Paris bei Thomas Couture. Auf Reisen nach Holland, Deutschland, Österreich, Spanien und Italien setzte er sich vor allem mit den Alten Meistern auseinander, beschäftigte sich aber auch intensiv mit den Werken Eugène Delacroix' und Gustave Courbets. Seine zeitgenössischen Interpretationen älterer Themen wie "Le déjeuner sur l'herbe" und "Olympia", beide Gemälde befinden sich heute im Musée d'Orsay, Paris, empörten Kritiker wie Publikum. Anlässlich der Weltausstellung 1867 errichtete Manet einen eigenen Pavillon außerhalb des Ausstellungsgeländes, um mit 55 Werken eine beeindruckende Soloausstellung zeigen zu können. Die Weltausstellung wurde von der Erschießung Kaiser Maximilians in Mexiko überschattet; ein Ereignis, das Manet zum Thema eines großformartigen Gemäldes machte, heute in der Kunsthalle Mannheim. Manet war mit zahlreichen impressionistischen Malern befreundet, nahm aber an der ersten Impressionistenausstellung 1874 nicht teil. Während der Künstler mit seiner kühlfarbigen Tonmalerei zunächst dem von ihm bewunderten Velázquez folgte, lassen sich nach 1863 die Einflüsse der flächigeren ostasiatischen Kunst und der Freilichtmalerei beobachten.

Édouard Manet

Die Barke, 1874

Öl auf Leinwand, 82,7 x 105,0 cm
1913/14 im Rahmen der Tschudi-Spende erworben
Inv. Nr. 8759

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