Schleuse bei Kähnsdorf II (M+)

Schleuse bei Kähnsdorf II

Die Auseinandersetzung mit der Landschaftsmalerei Leibls und Trübners, vor allem aber der Franzosen Courbet, Corot, Manet und Monet, verdankte Schuch seine unmittelbare Auffassung der Natur, wie sie uns die 1880 entstandene »Schleuse bei Kähnsdorf« beispielhaft vor Augen führt. Das hölzerne Schleusengatter ist fast genau in die Bildmitte gesetzt zwischen zwei schräg in die Tiefe sich ziehende sandige Wälle, die nur mit wenig Gras und Büschen bewachsen sind. Dahinter breitet sich eine flache Landschaft aus, in der Wasser und Land abwechseln, und über allem hat Schuch einen lichten Himmel gegeben, dessen zartes Blau nur von wenigen Wolken überzogen ist.
Kähnsdorf liegt am Großen Seddiner See, südlich von Potsdam in der Mark Brandenburg. Karl Hagemeister berichtete 1913, dass Schuch »Ende April oder anfangs Mai 1880« von Venedig kam, um mit ihm in Kähnsdorf zu malen. Dementsprechend wird auch das Bild auf 1880 datiert.

Carl Schuch (1846 ‐ 1903)

Leben und Werk

30. September 1846 in Wien geboren, am 13. September 1903 ebenda gestorben. Nach dem Studium an der Wiener Akademie bei Ludwig Halauska von 1866 bis 1868 ging Schuch zusammen mit Albert Lang zwei Jahre nach Italien, wo er sich in Rom, Neapel und Sizilien aufhielt. Seit 1871 arbeitete er in München in Ateliergemeinschaft mit Wilhelm Leibl und Wilhelm Trübner. 1872/73 führte ihn eine erneute Reise nach Italien, 1873/74 nach Berchtesgaden, Belgien und Holland, 1875 nach Olevano, 1876 mit Trübner an den Ammersee; wiederholte Aufenthalte in Venedig und Ferch (Mark Brandenburg) folgten. Von 1882 bis 1894 zog Schuch nach Paris, wo er in Auseinandersetzung mit der gleichzeitigen französischen Malerei zu einem vom Gegenstand gelösten, reinmalerischen Spätstil fand.