Flipper (M+)

Palermo

Flipper, 1965

Acryl auf Leinwand, 89,7 x 70,2 cm

Inv. Nr. WAF PF 55

© VG Bild-Kunst, Bonn 2016

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Flipper

Beim blau-rot-weißen „Flipper“ ist ein als beliebig erweiterbar konzipiertes „modernes“ Raster, wie es in Gebrauchsdesign und Architektur der sechziger Jahre Verwendung fand, zum ausschließlichen Bildthema erhoben. Die spannungslos-harmonische Anordnung der Quadrate wie auch der Totalanspruch des Musters wird allerdings in der Umsetzung als Bild empfindlich gestört. Indem das System an seiner rechten Begrenzung abrupt beschnitten ist, wird die Erwartung des Regelhaften enttäuscht. Das Kunstwerk mit seinem Anspruch auf Originalität und Kompositionswillen ist zur dekorativen Fläche degradiert, dessen Grenzen rücksichtslos auf die zur Verfügung stehende Fläche bezogen werden. Wie für Palermo typisch, stammt die unmittelbare Anregung zum Titel „Flipper“ aus dem persönlichen Erlebnisbereich des Künstlers: Bei dem blau-rot-weißen Karodekor handelt es sich um die Seitenflächengestaltung eines Flipperautomaten, der in Palermos Stammkneipe stand. Das triviale Vorbild des Spielautomaten fordert für den Künstler den gleichen Respekt wie ihn
der von Ernst und Würde getragene moderne Formenkanon verlangt, dessen unerbittlichem Purismus Palermo augenzwinkernd den Spiegel vorhält. Diese Haltung verbindet Palermo mit seinen Freunden Gerhard Richter oder Sigmar Polke, die in jenen Jahren das Bildermachen ebenfalls mit unbefangenen Pop-Gesten aufmischen, indem sie das Triviale zum Bildmotiv erheben. In der noch bildimmanenten Bewegung nach draußen, im erst angedeuteten Spiel mit den Bildgrenzen bereitet sich schon der „Ausstieg aus dem Bild“ vor. Die zentrale Eigenschaft des europäischen Tafelbilds wird empfindlich gestört und in Frage gestellt: Die Vorstellung von einer harmonisch aufeinander bezogenen Komposition der Einzelteile, einem abgeschlossenen und in sich ruhenden Gebildegerät ins Wanken.

Palermo (1943 ‐ 1977)

Palermo

Straight, 1965

Leinwand, 80,1 x 95 cm

Inv. Nr. WAF PF 45

© VG Bild-Kunst, Bonn 2016

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Palermo

Totes Schwein, 1965

Nessel und Holz s. Memo, 155 x 110 x 6 cm

Inv. Nr. WAF PF 58

© VG Bild-Kunst, Bonn 2016

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Palermo

Komposition Blau-Rot auf Weiß, 1965

Leinwand, 175 x 120,5 cm

Inv. Nr. WAF PF 77

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