Rhein II (M+)

Rhein II

Andreas Gursky gilt heute als der wohl international erfolgreichste deutsche Fotograf. Seit Anfang der 1990er Jahre entwickelt er in großformatigen farbigen Bildern komplexe Panoramen der heutigen conditio humana. Alltagsmotive, urbane Ansichten, Landschaftsaufnahmen, die globale Waren- und Konsumwelt wie Rockkonzerte oder Sportveranstaltungen sind Ausgangspunkt seiner bis ins Detail sorgfältig konzipierten Fotografien, in denen er aus realistischen Fakten und eigenen Bildvorstellungen mittels digitaler Bearbeitung seine Visionen der Wirklichkeit erschafft. Rhein II ist eine Ansicht des für Deutschland so identitätsstiftenden, von Mythen umgebenen Flusses. Konkret bezieht sich die auf eine Breite von fast vier Metern vergrößerte Darstellung auf eine Stelle des Rheins in der Nähe von Düsseldorf, die aber digital gereinigt wurde. Alle Hinweise auf Menschen oder Ortschaften wurden eliminiert. Der Betrachter sieht den Rhein als fast monochromes Bild aus grau-grünen Farbfeldern, die sich endlos über den Bildrand hinaus weiterdenken ließen. In bleierner Schwere liegt der Rhein vor uns, jeder Zeitlichkeit enthoben, von kristalliner Präsenz und unnahbar zugleich. Gursky wollte ein zeitgemäßes, jenseits jeder Postkartenidylle gültiges Bild des Rheins formulieren, das aber in der Realität nicht anzutreffen war und so der fiktiven Konstruktion bedurfte.

Andreas Gursky (1955)

Leben und Werk

Von 1978 bis 1981 studierte Gursky zunächst an der Folkwang Hochschule (GHS), Essen, u.a. bei dem Berliner Künstler Michael Schmidt. Anschließend setzte er sein Studium an der Kunstakademie Düsseldorf bei Bernd Becher fort und legte als dessen Meisterschüler 1987 das Examen ab. Seine Bilder, deren thematisches Spektrum soziale, ökonomische und politische Strukturen moderner Gesellschaften in einer globalisierten Welt umfassen, zeichnen sich durch höchste fotografische Klarheit und Präzision aus. Zunächst noch analog gefertigt, begann sich das Werk mit den Möglichkeiten der digitalen Postproduktion subtil zu wandeln. Durch Darstellungen, die eine reale Situation wiederzugeben scheinen, tatsächlich jedoch konstruiert sind, ist der Betrachter mit der Spannung konfrontiert, die sich zwischen dem Anspruch der Objektivität des Mediums Fotografie und der sich durch die digitale Bearbeitung einstellenden Verunsicherung ergibt. Die Irritation resultiert aus Gurskys Arbeitsprozess, in dem er eine Szene von unterschiedlichen Perspektiven aus aufnimmt und das eigentliche Werk aus diesem Bildmaterial am Rechner komponiert. Anstatt – im Sinne einer klassischen Typologie – zahlreiche Einzelbilder aneinanderzureihen, gehen diese in ein endgültiges Einzelbild ein.