Venezianische Malerei

Giorgione da Castelfranco (zugeschrieben), Bildnis eines jungen Mannes, um 1510

Die Venezianische Malerei der Renaissance in der Alten Pinakothek

Die Alte Pinakothek verfügt mit rund 210 Werken über eine wichtige Sammlung venezianischer Gemälde des 15. und 16. Jahrhunderts, darunter Hauptwerke von Tizian und Tintoretto. Dieser Bestand wird von einem Team aus Kunsthistorikern, Restauratoren und Naturwissenschaftlern erstmals umfassend analysiert. Der revolutionäre Wandel der Malweise im Venedig der Hochrenaissance, der die weitere Entwicklungsgeschichte der europäischen Malerei entscheidend prägte, ist dabei der zentrale Untersuchungsgegenstand des Forschungsvorhabens.

Die zeitgenössische Kunsttheorie feierte das Sichtbarwerden von technischer Bravour, die den Eindruck vermittelt, der Künstler habe seine Ideen mit spielerischer Leichtigkeit und hoher Geschwindigkeit zur Darstellung gebracht. Werke von vermeintlicher Spontaneität richteten sich demnach an ein entsprechend sensibilisiertes Publikum, das den sinnlichen Wert einer offenen Malweise als Teil des kreativen Prozesses und neue Form eines expressiven Ausdrucks verstand. Der sichtbar gemachte Pinselstrich ist somit einerseits als Selbstvergegenwärtigung des Künstlers und andererseits als Herausforderung des Betrachters zu diskutieren.

Um ein differenziertes Bild von den vielfältigen Faktoren zu gewinnen, die den sich wandelnden Farbauftrag bestimmten, ist der detaillierte Abgleich der kunsthistorischen Thesen und der optischen Eindrücke mit den gemäldetechnologischen Erkenntnissen von besonderer Bedeutung.

Die Ergebnisse des mehrjährigen Forschungsprojekts, das großzügig von der Hubert Burda Stiftung und der Ernst von Siemens Kunststiftung finanziert wird, sollen in einer umfangreichen Buchpublikation und auch digital zugänglich gemacht werden.