Sweeter than Honey

Sweeter than Honey

Sweeter than Honey

Susan Hefuna, Mashrabiya - Knowledge Is Sweeter Than Honey (Arabic), 2012
Tusche auf Holz, 220 × 240 × 2,5 cm 
Foto: Philipp Ottendörfer 
Courtesy Written Art Collection
© Susan Hefuna
Susan Hefuna, Mashrabiya - Knowledge Is Sweeter Than Honey (Arabic), 2012
Tusche auf Holz, 220 × 240 × 2,5 cm
Foto: Philipp Ottendörfer
Courtesy Written Art Collection
© Susan Hefuna

Sonderausstellung

Sweeter than Honey

Ein Panorama der Written Art

Pinakothek der Moderne | Kunst
11.12.2025 — 12.04.2026
Säle 21–26

ERÖFFNUNG: MI 10. Dezember, 19.00

Die Written Art Collection ist in ihrem Sammlungsprofil einzigartig. Erstmals widmet die Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne den Werkbeständen aus skripturaler und textbasierter Kunst eine umfassende Sonderausstellung. Rund 60 künstlerische Positionen laden die Besucher:innen in einem Parcours auf 1.200 qm Ausstellungsfläche ein, das Panorama der Written Art zu entdecken und die Wechselbeziehung von Schrift und Bild in all ihren Facetten zu erkunden. Die Auswahl der Werke präsentiert Schrift als künstlerisches Medium und Material von der Mitte des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart.

„Sweeter than Honey. Ein Panorama der Written Art“ eröffnet einen spannungsreichen, gesellschafts-politischen Dialog von Künstler:innen aus einer kulturübergreifenden, globalen Perspektive. Der Ausstellungstitel wurde inspiriert von dem Werk „Knowledge Is Sweeter Than Honey (Arabic)” (2012) aus der Mashrabiya-Serie der ägyptisch-deutschen Künstlerin Susan Hefuna. Honig ist ein fluides, kulturübergreifendes Element und Symbol für die Süße von Erkenntnis und Weisheit. Zugleich steht der Titel auch dafür, dass bittere Worte durch Kunst und Poesie „süßer als Honig“ werden können. Somit verdeutlicht er die poetische Kraft der Kunst, Wissen auf sinnliche Weise zu vermitteln.

Das Phänomen der Schrift im Bild wird im handschriftlichen Ausdruck, in Kalligrafie und Typografie erkundet. Ausgehend vom Informel der 1950er-Jahre über die Konzeptkunst seit den 1960er-Jahren stellen die über 100 präsentierten Werke die Kontinuität der Bedeutung geschriebener Kunst über Generationen und Kulturen bis in die Gegenwart vor. Künstler:innen erfinden fantasievolle Alphabete und abstrakte Zeichensprachen, schreiben Gedichte und Kalendereinträge, zitieren aus Literatur und politischen Dokumenten, übersetzen Gedanken und Gespräche in gesprayte, grafische, gestische oder gestickte Botschaften. Die Performativität des Schreibens wird in materiellen und körperlichen Spuren in der Malerei und Fotografie sowie in raumgreifenden Werken erfahrbar.

„Sweeter than Honey. Ein Panorama der Written Art“ ist die bislang umfassendste Präsentation der Written Art Collection und stellt damit den Höhepunkt der langfristigen Kooperation mit der Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne dar.

Mit Werken von Etel Adnan, Nasrollah Afjei, Maliheh Afnan, Khaled Al-Saai, Mounira Al Solh, Siah Armajani, Younes Baba-Ali, Willi Baumeister, Alighiero Boetti, Peter Brüning, Sophie Calle, Chen Danqing, Claudia Comte, Thierry De Cordier, Mohammad Ehsaei, Golnaz Fathi, Jilali Gharbaoui, Karl Otto Götz, Adolph Gottlieb, Katharina Grosse, Gu Wenda, Shilpa Gupta, Andreas Gursky, Hans Hartung, Susan Hefuna, Hans Hofmann, Jenny Holzer, Rebecca Horn, Yūichi Inoue, Alfredo Jaar, On Kawara, Franz Kline, Glenn Ligon, Nja Mahdaoui, Mark Manders, Brice Marden, André Masson, Hassan Massoudy, Georges Mathieu, Henri Michaux, Joan Mitchell, Shiryū Morita, Farhad Moshiri, Adam Pendleton, Qiu Zhijie, Walid Raad, Ed Ruscha, Kazuo Shiraga, Pierre Soulages, Hiroshi Sugimoto, Rirkrit Tiravanija, Mark Tobey, Lawrence Weiner, Fritz Winter.

Zur Ausstellung „Sweeter than Honey. Ein Panorama der Written Art“ erscheint im Hatje Cantz Verlag eine umfangreiche Publikation in Deutsch und Englisch (200 Seiten, 120 Abbildungen in Farbe, Museumsausgabe: 34 Euro, Buchhandelsausgabe: 44 Euro, ISBN: 978-3-7757-6128-4).

Während der Laufzeit der Ausstellung finden Talks und Performances statt. Darüber wird ein facettenreiches Vermittlungsprogramm angeboten. Im Zuge der regelmäßigen Zusammenarbeit mit dem Staatstheater am Gärtnerplatz, freuen wir uns für die Ausstellung ein weiteres gemeinsames Projekt ankündigen zu dürfen. Im Rahmen der erfolgreichen Reihe „Kunst trifft Kunst“, wird das Gärtnerplatztheater gemeinsam mit der kanadischen Choreografin und Künstlerin Dorotea Saykaly am 20. März 2026 mit einer Tanzperformance in der Pinakothek der Moderne zu Gast sein.  

Kuratiert von Madeleine Freund und Oliver Kase in Zusammenarbeit mit Thomas Kellein und Marie-Kathrin Krimphoff (Written Art Collection).

In Erinnerung an Thomas Kellein (1955–2025), der seit 2013 Kurator der Written Art Collection war. 

Ein Blick in die Ausstellung

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Saaltexte

Welche Rolle spielen Schrift und Geste in der Kunst der Moderne und Gegenwart? Wie ermöglichen textbasierte Werke über eine westliche Perspektive hinaus kulturübergreifende Dialoge? Diese Grundfragen eines künstlerischen Kultur- und Wissenstransfers stehen im Mittelpunkt der Sonderausstellung mit der Written Art Collection, die als langjährige Kooperationspartnerin der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen ein einzigartiges Profil hat. Sie widmet sich vielfältigen Formen skripturaler und textbasierter Kunst der letzten 80 Jahre – von der informellen Malerei des Westens seit dem Zweiten Weltkrieg über die Konzeptkunst und die Kalligrafie im Nahen und Mittleren Osten sowie Ostasien bis hin zu zahlreichen Positionen internationaler Gegenwartskunst. Die Sammlung umfasst Werke auf Papier und Gemälde ebenso wie textile Arbeiten, Fotografien, Medienkunst und Installationen. 

Über 120 Werke von mehr als 60 Künstler:innen aus 20 Ländern laden dazu ein, das Panorama der Written Art in einer globalen Perspektive zu entdecken und die Wechselbeziehung von Schrift und Bild in zahlreichen Facetten zu erkunden. Von der abstrakten Geste über den handschriftlichen Ausdruck, die Kalligrafie und die Typografie erkundet die Ausstellung die Kontinuität und Transformation der geschriebenen Kunst über Generationen und Kulturen hinweg. Künstler:innen erfinden fantasievolle Alphabete und abstrakte Zeichensprachen, schreiben Gedichte und Kalendereinträge, zitieren aus Literatur und politischen Dokumenten, übersetzen Gedanken und Gespräche in gesprayte, grafische, gestische oder gestickte Botschaften. Die Performativität des Schreibens wird in materiellen und körperlichen Spuren in der Malerei und Fotografie sowie in raumgreifenden Werken erfahrbar.  

Der Ausstellungstitel Sweeter than Honey spielt auf die sinnliche und poetische Qualität von Sprache an. Honig ist ein fluides und kulturübergreifendes Symbol für die Süße von Wissen und Weisheit. Zugleich steht der Titel auch dafür, dass bittere und harte Worte durch Kunst und Poesie „süßer als Honig“ werden können. Die sieben Ausstellungskapitel sind nach chronologischen, geografischen und thematischen Kriterien gegliedert. Schrift ist – insbesondere in Zeiten von Krisen und Umbrüchen – in der Gegenwartskunst als das Medium der Kommunikation in einer globalisierten, digitalisierten und urbanisierten Gesellschaft präsenter denn je. Sie dient als Möglichkeit engagierter oder gesellschaftskritischer Reflexion, als Auseinandersetzung mit Migration und Exil, mit kultureller und sozialer Identität, aber auch als Ausdruck spiritueller, poetischer und philosophischer Impulse.  

Schrift ist in der zeitgenössischen Kunst allgegenwärtig. In diversen Sprachen ermöglicht sie auf unvergleichlich lebendige, vielfältige und unmittelbare Weise, Herausforderungen und Krisen unserer Zeit zu thematisieren. Sie dient der gesellschaftskritischen Reflexion, der Auseinandersetzung mit Migration und Exil, der Untersuchung kultureller Identität und zwischenmenschlicher Beziehungen. Dabei wird ein kulturübergreifender Dialog sichtbar, der sich von der experimentellen Geste über aktuelle Ansätze der Kalligrafie bis hin zum typografischen Textbild entfaltet.   

Seit den 1960er-Jahren steht Schrift in der Konzeptkunst als künstlerisches Material in reduzierter Form im Vordergrund. In zahlreichen zeitgenössischen Werken begegnet man ihr in Form kurzer Botschaften, die genutzt werden, um sowohl tagespolitische als auch persönliche Themen zu kommentieren. Einige dieser schriftbasierten Kunstwerke besitzen eine besondere Beziehung zum öffentlichen Raum. Dort begegnen uns fortwährend Schrift, Zeichen und Symbole, die das öffentliche Leben strukturieren, markieren und Orientierung geben. Zugleich ist die Straße auch Schauplatz sozialer Gesten, Protest und Gewalt. Die Macht von Schrift und Sprache liegt somit nicht allein in ihrer Lesbarkeit und Informationsvermittlung, sondern ebenso in ihrer Fähigkeit, gemeinsame Ideen zu stiften und Handlungen auszulösen.   

Nach der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs suchten Künstler:innen weltweit nach neuen Möglichkeiten des malerischen Ausdrucks. Geste, Spur und Zeichen wurden zu verbindenden Elementen einer Bildsprache der Abstraktion. Ästhetiken des Heftigen, Rauen und Spontanen spiegelten leidvolle Erfahrungen, existenzielle Unruhe und reine Subjektivität. Das gemeinsame Ziel war, sich von der Last der Vergangenheit zu befreien und eine universale Sprache der Kunst zu finden.   

Paris etablierte sich als Magnet und Umschlagplatz für jüngste Ideen abstrakter Kunst, die unter dem Begriff des Informel zusammengefasst wurden. Die Tradition des Surrealismus mit experimentellen Mal- und Zeichentechniken bot einen vielversprechenden Ausgangspunkt für neue Impulse. Von Reisen und Büchern inspiriert, suchten Künstler wie André Masson und Willi Baumeister in geheimnisvollen Bildzeichen und Techniken oder der Auseinandersetzung mit alten Kulturen nach neuen Ausdrucksformen. Einen anderen Weg der Abstraktion verfolgten Maler wie Georges Mathieu, die auf großen Leinwänden durch Geschwindigkeit und Spontaneität die rationale Kontrolle außer Kraft setzen wollten.    

Die Netzwerke der Abstraktion wurden in Europa nach 1945 zunehmend durch den Austausch mit den USA erweitert. Gegenläufig zu dem US-Amerikaner Adolph Gottlieb, der die Kunstzentren Europas bereits in den 1920er-Jahren bereist hatte, ging der deutsche Künstler Hans Hofmann bereits 1933 nach New York und wurde er zu einem der Wegbereiter des abstrakten Expressionismus.   

Für die informellen und abstrakten Künstler:innen wurde die ostasiatische Kalligrafie zu einer wichtigen Inspirationsquelle. Die schnelle Bewegung über das Papier und die Idee von Reinheit und Vollkommenheit des individuellen Ausdrucks bei größter Sparsamkeit der Mittel wirkten vorbildhaft auf den Westen und trugen zugleich eine Dimension spiritueller und existenzieller Suche in sich. 

Eine unmittelbare Auseinandersetzung mit der fernöstlichen Tuscheschrift lässt sich bei Mark Tobey sowie Henri Michaux beobachten. Tobey hatte in einem buddhistischen Kloster bei Kyoto Kalligrafie studiert und gelangte zu der Überzeugung, dass Schriftzeichen aus Gesten und Rhythmen bestehen, die er in flächige Strukturen übersetzte. Auch Michaux griff den expressiven Gestus des kalligrafischen Schreibens auf, der ihn auf seiner Japanreise inspirierte, und überführte ihn in rhythmisch-energetische Pinselzeichnungen.  Die Bewunderung und Aneignung kalligrafischer Gesten im Westen waren jedoch nicht einseitig. Auch die avantgardistischen Erneuerer der japanischen Kalligrafie begegneten dem abstrakten Expressionismus und dem Informel des Westens mit großer Offenheit und Neugierde.   

In internationalen Ausstellungen in den 1950er-Jahren wurden moderne Meister ostasiatischer Schriftkunst häufig den abstrakt arbeitenden westlichen Künstler:innen gegenübergestellt. So etablierte sich die Kalligrafie als universelle Geste abstrakter Weltkunst und eröffnete einen expressiven Resonanzraum zwischen Ost und West.  

In der arabischen und persischen Welt besitzt Schrift eine herausragende kulturelle Bedeutung und Präsenz. Buchstaben sind hier nicht nur neutrale Träger sprachlicher Inhalte, sondern auch Zeichen mit eigener Erscheinungsform und Ausdruckskraft. Schrift erfüllt somit eine doppelte Funktion: als Text und als Bild. Aus diesem Grund ist sie – ob gemalt, kalligrafiert oder gestickt – auch eng mit kultureller Identität, Spiritualität und Poesie verbunden. Neben ihrem traditionellen Einsatz in religiösen Texten kann Kalligrafie in der Verbindung mit poetischen Inhalten auch als visuelle Begleitung zur Betonung von Gefühlsebenen dienen. In den Werken von Mohammad Ehsaei und Nasrollah Afjei breitet sich kalligrafierte Schrift diagonal über die Leinwände aus und unterstreicht damit den emotionalen Gehalt der Verse. 

In arabischen und islamischen Kulturen begegnet man Schrift überall: in der Architektur, auf Keramiken, Gefäßen und Textilien. Eng mit ihr verknüpft ist das florale oder geometrische Ornament, das zugleich den Glauben an die Ewigkeit und die kosmische Ordnung der Welt widerspiegelt. Schriftzüge auf Gebäuden oder Objekten können so auf deren Nutzung oder Funktion verweisen und zugleich als Schmuckelemente dienen. Auf Farhad Moshiris Darstellungen antiker persischer Keramiken finden sich etwa iranische Inschriften, die sich auf populäre Speisen und Getränke aus seiner Heimat beziehen.  

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der amerikanischen Besatzung in Japan gründete sich 1952 die Gruppe Bokujinkai („Gesellschaft der Tuschemenschen“) in Kyoto. Sie hatte das Ziel, die traditionelle ostasiatische Schriftkunst zu erneuern und international sichtbar zu machen. Auch im Dialog mit dem Westen revolutionierte die Gruppe die klassische Schriftkunst. Indem sie den Schreibakt als energetische künstlerische Handlung ausführten und die materiellen Möglichkeiten der Kalligrafie erweiterten. Der subjektive Ausdruck der Zeichen avancierte zum Mittelpunkt. 

 In direktem Austausch mit den abstrakten und informellen Künstler:innen des Westens stand Shiryū Morita im Rahmen seiner Zeitschrift Bokubi. Auf mehreren USA- und Europareisen führte er zum Beispiel Live-Kalligrafie-Demonstrationen durch und hielt Vorträge. Yūichi Inoue, der zweite große Schriftkünstler der Bokujinkai, steigerte die Expressivität und Vehemenz der Kalligrafie noch weiter. Die Reduktion auf ein Zeichen pro Werk lässt jeglichen Textzusammenhang zugunsten der gestalterischen und kompositorischen Elemente von Linie und Farbe in den Hintergrund treten.   

Kazuo Shiraga entwickelte hingegen die Avantgardemalerei in der Gutai-Künstlergruppe weiter. Durch den Einsatz seines gesamten Körpers erweiterte er die Möglichkeiten des Malprozesses, wie in seinen sogenannten Schlamm-Performances oder indem er Farbmassen auf der Leinwand mit seinen Händen und Füßen formte. 

Mit seinem 2010 begonnenen Langzeitprojekt Mapping the World (Die Vermessung der Welt) entwirft der chinesische Künstler Qiu Zhijie eine poetische Topografie des Wissens. Zwischen 2015 und 2017 entstand daraus ein Zyklus aus 24 Landkarten, die Kunst, Wissenschaft und Sprache miteinander verflechten. Jede Karte, zweisprachig in Englisch und Chinesisch beschrieben, widmet sich einem eigenen thematischen Kosmos – von Pflanzen über Tiere bis hin zu Essen. In diesen Werken vereint Qiu Tuschemalerei, Kalligrafie und Enzyklopädie, Geografie und Fiktion, Tradition und Gegenwart. Die Leinwände zeigen städtische Strukturen, Meere und fantasievolle Landschaften mit Inselgruppen, Küstenstreifen, Vulkanen und Gebirgszügen, die der Künstler jeweils mit Namen versieht. 

Der Aufbau der Karten folgt auch einer inneren Logik: Die Map of Architecture zeigt einen deutlich konstruierten Stadtplan, die Map of Body eine menschliche Gestalt in den Flussverläufen und die Map of Diseases and Medicine eine Seenlandschaft, deren Gewässerformen an Organe erinnern. Zusammen bilden die Karten eine in sich geschlossene Welt – ein Netzwerk des Wissens, in dem alle Themen inhaltlich miteinander verflochten sind: So grenzt die Karte der Reisenden an jene der Religionen, da Reisen häufig aus religiösen Motiven, etwa als Pilgerfahrt, unternommen werden. 

Qiu knüpft in seinem Werk an jahrhundertealte Traditionen der chinesischen Kalligrafie und Malerei an. Die Form seiner Landschaftsmalerei erinnert an die seit der Song-Dynastie (10.–13. Jahrhundert) entwickelte Literatenmalerei – eine künstlerische Praxis, die Gelehrte als geistig-intellektuelle Übung verstanden. Zeichnen galt ihnen als Mittel des Denkens, verbunden mit Schrift und Poesie. Auch die Tradition der roten Siegel, die in der chinesischen Malerei und Kalligrafie als Signatur und als Ausdruck der Zugehörigkeit zu bestimmten Schulen diente, führt Qiu in zeitgenössischer Form fort.  

Literatur, Philosophie, Religion und Poesie bilden wesentliche Inspirations- und Bezugsquellen für textbasierte Kunstwerke. Der Akt des Schreibens spielt auf konzeptuelle Weise häufig eine entscheidende Rolle. So notiert der belgische Künstler Thierry De Cordier auf riesigen Papierbahnen tausende Definitionen des Göttlichen in einem körperlichen und geistigen Kraftakt, bei dem die Schrift immer wieder Klarheit und Lesbarkeit verliert. Die im Libanon geborene Schriftstellerin und Künstlerin Etel Adnan benutzt die Form des Leporellos, um arabische Wörter und farbige Grundelemente der Malerei im fließenden Rhythmus des Faltbuches zu vereinen. Der chinesische Künstler Chen Danqing malt aufgeschlagene Bücher und stellt damit Fragen über Darstellung und Inhalt.  

In Fantasiealphabeten oder abstrakten Zeichensprachen hinterfragen Künstler:innen die Grundelemente der Schrift und ihrer Kommunikationsregeln. Häufig durch Reisen oder Erfahrungen von Migration und Exil geprägt, wird Schrift in ihrer Ordnungsfunktion, als Träger von Geschichte und in ihrem Herrschaftsanspruch untersucht. Aus der Unlesbarkeit oder gestörten Lesbarkeit erwächst bei Maliheh Afnan, Brice Marden, Gu Wenda oder Glenn Ligon ein ästhetisches Moment der Offenheit und Vieldeutigkeit. Ihre Arbeiten eröffnen die Möglichkeit, die Visualität des Zeichens neu zu entdecken und in unterschiedlichsten Formen die subjektive Imagination oder die kollektive Erinnerung zu aktivieren. 

#WrittenArt

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