Die Deutsche Gesellschaft für Photographie (DGPh) verleiht 2025 ihren Kulturpreis an Ann und Jürgen Wilde. Mit dieser höchsten Auszeichnung würdigt die DGPh das über Jahrzehnte währende Engagement des Sammler- und Stifterpaares, das die Fotografie in Deutschland und weit darüber hinaus geprägt hat. Die Preisverleihung findet am 27. September 2025 im Wallraf-Richartz-Museum in Köln statt.
Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen gratulieren sehr herzlich!
Anfänge einer Leidenschaft
Der Grundstein für das außergewöhnliche Wirken von Ann und Jürgen Wilde wurde 1968 gelegt, als sie Teile des Nachlasses des Münchner Kunsthistorikers Franz Roh erwarben. Damit begann der Aufbau einer Sammlung, die schwerpunktmäßig der Fotografie der Moderne gewidmet war. Schon früh erkannten Ann und Jürgen Wilde die künstlerische Kraft des Mediums – zu einer Zeit, als die Fotografie im Kunstbetrieb noch kaum als gleichwertige Kunstform anerkannt war.
Die Kölner Galerie – Pionierarbeit in Europa
1972 eröffneten Ann und Jürgen Wilde in Köln eine der ersten Galerien für Fotografie in Europa. Dort präsentierten sie ein wegweisendes Programm: Werke der europäischen Avantgarde der 1920er und 1930er Jahre, amerikanische Fotografie der 1970er und 1980er sowie zeitgenössische Positionen. Ihre Ausstellungen trugen dazu bei, heute international anerkannte Fotografinnen und Fotografen erstmals sichtbar zu machen. Die Galerie Wilde wurde zu einem Ort des Austauschs zwischen Künstler:innen, Sammler:innen und Institutionen.
Vergessene Stimmen zurück ins Licht
Ein besonderes Verdienst von Ann und Jürgen Wilde liegt in der Wiederentdeckung jener Avantgarde-Fotograf:innen, deren Werke durch die Nationalsozialisten verfemt wurden und lange Zeit vergessen waren. Mit Ausstellungen, Kooperationen mit Museen und der Teilnahme an internationalen Kunstmessen – darunter Köln und Basel – brachten sie diese künstlerischen Positionen zurück in die Öffentlichkeit. Auch ihre Mitarbeit an der documenta 6 im Jahr 1977 unterstreicht die zentrale Rolle, die sie für die Anerkennung der Fotografie als Kunst spielten.
Stiftung Ann und Jürgen Wilde
Nach der Schließung ihrer Galerie 1985 setzten Ann und Jürgen Wilde ihr Engagement in anderer Form fort: 2001 gründeten sie die Stiftung „Fotografie und Kunstwissenschaft“, die 2010 in „Stiftung Ann und Jürgen Wilde” umbenannt wurde. Seitdem ist sie den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen angegliedert und an der Pinakothek der Moderne in München angesiedelt. Neben einer umfassenden Sammlung an originalen Fotografien bewahrt die Stiftung auch die bedeutenden Künstlerarchive von Karl Blossfeldt und Albert Renger-Patzsch, die seit 1991 als national wertvolles Kulturgut eingetragen sind. Damit leisten Ann und Jürgen Wilde einen wichtigen Beitrag zur Bewahrung des fotografischen Erbes Deutschlands.
Ein Platz unter den Großen
Mit der Auszeichnung reiht sich das Ehepaar in eine Reihe von Persönlichkeiten ein, die die Geschichte der Fotografie entscheidend geprägt haben. Zu den bisherigen Preisträger:innen zählen bedeutende Wissenschaftler:innen, Schriftsteller:innen, Verleger:innen und Fotograf:innen wie beispielsweise Bernd und Hilla Becher, Henri Cartier-Bresson, Ute Eskildsen, Sarah Moon, Man Ray, Albert Renger-Patzsch, Gerhard Steidl und Wolfgang Tillmans. Die Verleihung des Kulturpreises der DGPh an Ann und Jürgen Wilde verdeutlicht und würdigt ihren maßgeblichen Beitrag zum Verständnis und zur Wertschätzung des Mediums Fotografie – sowohl in historischer als auch in zeitgenössischer Perspektive.
Aktuell sind eine Vielzahl an Werken der Stiftung Ann und Jürgen Wilde in der Ausstellung „ON VIEW. Begegnungen mit dem Fotografischen” in der Pinakothek der Moderne zu sehen!
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