ASTRID KLEIN. DASS VOLLKOMMENE LIEBE DIE ANGST AUSTREIBE

Astrid Klein
"Ohne Titel (Eine Frau muß geliebt werden - und Sie muß wissen, daß Sie geliebt wird)", 1978
Fotoarbeit,181 x 140 cm
Seit 2019 Michael & Eleonore Stoffel Stiftung in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, München
Foto: Sprüth Magers
© Astrid Klein Courtesy

Details   

ASTRID KLEIN. DASS VOLLKOMMENE LIEBE DIE ANGST AUSTREIBE

Pinakothek der Moderne | Kunst
Sammlung+ | Saal 27 und Wand Treppe Ost

 ‐ 

Astrid Klein (*1951) zählt zu den wichtigsten Stimmen der deutschen Nachkriegs- und Gegenwartskunst. Zentraler Aspekt ihres Gesamtwerks ist die Auseinandersetzung mit dem politischen Klima im Nachkriegsdeutschland und der westlichen Welt, mit Ängsten und Sehnsüchten, die über die Medien global transportiert werden. Sie untersucht diese grenzübergreifenden, gleichwohl stereotypisierten Machtverhältnisse, wobei ihr künstlerischer Ansatz auf der wahrnehmungspsychologischen Hinterfragung tradierter Bildkultur fußt. Ihre konzeptuelle Herangehensweise steht dabei in enger Verbindung mit amerikanischen Zeitgenossen*innen, John Baldessari, Jenny Holzer, Barbara Kruger oder Richard Prince.  

Dank der substanziellen Förderung der Michael & Eleonore Stoffel Stiftung wurden 2019 fünf Werke von Astrid Klein für die Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne erworben. Eine Auswahl des nunmehr sieben Exponate umfassenden Sammlungsbestands zentraler Fotoarbeiten und Collagen aus den 1970er-1980er Jahren wird erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Zudem wird eine großformatige, aus zerschossenen Spiegeln bestehende Installation der Künstlerin gezeigt, die die BesucherInnen beim Aufgang in das 1. Obergeschoss mit einem fragmentierten Abbild ihrer selbst konfrontiert.  

Vier der fünf neu erworbenen Werke von Astrid Klein knüpfen in besonderem Maß an die bereits im Sammlungsbestand vorhandene Fotoarbeit „Ohne Titel (daß vollkommene Liebe …)“ von 1979 an. Darunter bildet das Werk „Ohne Titel (Eine Frau muß geliebt werden – und sie muß wissen, daß sie geliebt wird)“ von 1978 in Format und Bildsprache ein visuelles Pendant. Die zwei Werke zeigen eine Szene physischer Nähe zwischen Mann und Frau, in der sich Bedrängnis und Aneignung des weiblichen Körpers offenbaren. Ein jeweils quer über das Bild gelegter Schriftzug liest sich dabei wie der bevormundende Gedanke des im Bild agierenden männlichen Protagonisten. Astrid Klein kombiniert hier die Ausdrucksgewalt eines Bildes mit der Prägnanz einer Textstelle, und führt vor, wie leicht wir uns der Illusion hingeben, dass Text Bild erklärt und Bild Text illustriert. Die Wahrnehmung des Betrachters wird durch die Dissonanz zwischen den beiden Ausdrucksvarianten aktiviert und zum eigentlichen Thema der Werke. 

Unter dem Titel Sammlung+ präsentieren die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in der Pinakothek der Moderne das Format von Studioausstellungen im Kontext der Sammlung: Präsentationen von Neuerwerbungen, Leihgaben und Künstler*innenräume zeigen die intensive Sammlungs- und Forschungsarbeit, die fachlich fundierte Auseinandersetzung und die Aktualität der Sammlungen.

Ohne Titel (daß vollkommene Liebe…), 1979
Fotoarbeit, 149 x 125 cm
Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München
© Astrid Klein, Foto: Sprüth Magers

Think Tank (Various Others 2020)

MACHT & OHNMACHT: EIN THINK-TANK MIT ASTRID KLEIN
23.09.2020, 18.00 – 19.30 Uhr

Eintritt frei | Begrenzte Anzahl an Teilnahmeplätzen | Im Rahmen von Various Others 2020

Geschlechterspezifische Rollenbilder sind Teil einer global tradierten Bildkultur. Astrid Kleins Collagen und Fotoarbeiten der 1970er- & 1980er Jahre setzen sich konfrontativ mit diesem Thema auseinander. Seit knapp fünfzig Jahren bilden sie Zündstoff für Debatten um Feminismus und Selbstbestimmung.
Im Rahmen der Erwerbung und Präsentation fünf zentraler Werke aus dieser Schaffensphase in der Pinakothek der Moderne, veranstaltet die Sammlung Moderne Kunst für Various Others 2020 einen generationsübergreifenden Austausch. In Form eines Think-Tanks wollen wir am Beispiel der Arbeiten von Astrid Klein Klischees und Typisierungen sowie subtile Machtanspielungen untersuchen. Ein Ziel des Abends ist hierfür Menschen möglichst vieler, verschiedener Generationen zu versammeln. Mit dieser Stimmenvielfalt begegnen wir gemeinsam mit Astrid Klein ihrem Werk, mit dem sie auch immer wieder die Frage stellt, wessen Stimme spricht und welche wird gehört?