Olaf Nicolai – Escalier du chant

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In der Auseinandersetzung mit Kunst, Natur und Musik, Körper, Zeit und Raum entwickelt Olaf Nicolai seit 1997 unterschiedlichste interdisziplinäre Arbeiten. Das neueste, für den großen Treppenaufgang in der Pinakothek der Moderne entwickelte Projekt ist eine Soundinstallation, in deren Zentrum die menschliche Stimme steht – in ihrer sinnlichen Ausdruckskraft, aber auch in ihrer politischen Dimension.

Liedkompositionen internationaler zeitgenössischer Komponisten, die während der zwölf Monate des Jahres 2011 entstehen und aktuelles politisches Geschehen verarbeiten, fügen sich zu einer gesungenen »Jahreschronik«. Bei den Interpreten handelt es sich um die Sängerinnen und Sänger der Neuen Vocalsolisten Stuttgart (PDF, 95 KB). Als A-Cappella-Stücke werden diese Lieder an zwölf Sonntagen auf der großen Treppe uraufgeführt. Es gibt keine festgelegten Aufführungszeiten, die Lieder werden zu unterschiedlichen Zeiten mehrfach am Tag wiederholt.

Olaf Nicolai verwandelt mit seinem Werk die Treppe der Pinakothek der Moderne in eine Bühne, auf der sich die Besucher als Akteure wiederfinden. »Bei meiner Arbeit geht um die Bedeutung des Klangs – auch im Titel der Arbeit: Durch das Aussprechen des französischen Werktitels „Escalier du Chant“ ergibt sich eine Anspielung auf Marcel Duchamp. Dessen vor 100 Jahren entstandenes Gemälde „Akt, eine Treppe herabsteigend“ erweiterte radikal die traditionelle Vorstellung des unbewegten Bildes um die Seh-Erfahrungen des bewegten. Das Gemälde von Duchamp lässt Zeit sichtbar werden. Auch meine Arbeit verbindet eine Treppe mit einer Zeiterfahrung.«

Ein interdisziplinär angelegtes Begleitprogramm (PDF, 75 KB) wird die Soundinstallation »Escalier du Chant« durch das Jahr begleiten. An fünf Terminen der sonntäglichen Performances sowie in Verbindung mit der Langen Nacht der Musik wird es darum gehen, Theorie und künstlerische Prozesse zu verbinden und zentrale Themen des Projekts von Olaf Nicolai zu diskutieren. 

Zur Internetseite des Projekts »Escalier du Chant«

 

Gefördert durch

  

In Kooperation mit

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Veranstaltungstermine

12 Performances mit Liedern von Tony Conrad, Georg Friedrich Haas, Georg Katzer, Liza Lim, Samir Odeh-Tamimi, Enno Poppe, Rolf Riehm, James Saunders, Rebecca Saunders, Elliott Sharp, Mika Vainio, Jennifer Walshe

Erhalten Sie ausführliche Informationen über die Biographien der Komponisten (PDF, 95KB). 

Termine der Live-Performances:
30.01.2011
27.02.2011
27.03.2011
17.04.2011
29.05.2011
26.06.2011
31.07.2011
28.08.2011
25.09.2011
30.10.2011
27.11.2011
18.12.2011

Ort: Pinakothek der Moderne, Treppe Ost

Interview mit Olaf Nicolai über das Projekt „Escalier du chant“

Olaf Nicolai
Olaf Nicolai
Foto: Hans-Günther Kaufmann

Der Künstler Olaf Nicolai (*1962, lebt in Berlin) hat für die große Treppe in der Pinakothek der Moderne ein außergewöhnliches neues Werk entwickelt. Dessen Realisierung wird von der Kulturstiftung des Bundes sowie der Ernst von Siemens Musikstiftung großzügig gefördert.

Olaf Nicolai, wo wird Ihr neuestes Projekt zu sehen sein – und was erwartet die Besucher des Museums?
Im Zentrum der Arbeit steht die menschliche Singstimme. Sie verwandelt die große Treppenanlage der Pinakothek der Moderne in eine Bühne.

Wie geschieht das genau?
Ich habe zeitgenössische Komponisten aus unterschiedlichen Kulturen eingeladen, „politische Lieder“ zu komponieren, kurze Gesangsstücke a cappella für eine bis maximal drei Stimmen. Die Lieder sollen sich auf ein politisches Ereignis beziehen, das für die einzelnen Komponisten momentan von aktueller Bedeutung ist. Bewusst habe ich offen gelassen, wie der Begriff des Politischen zu verstehen ist – ob er sich auf tagespolitisches Geschehen oder auf länger anhaltende Konflikte bezieht. Mit der Wahl des Lied-Themas beginnt also ein künstlerischer Prozess. Und er endet mit der Uraufführung der Lieder, die von den Neuen Vocalsolisten Stuttgart, auf der großen Treppe der Pinakothek live gesungen werden.

Worin besteht der Unterschied zu einem Konzert?
Die Aufführungen finden das ganze Jahr über jeweils an Sonntagen statt, an den besucherstärksten Tagen der Pinakothek der Moderne. Die Sängerinnen und Sänger treten in den Rhythmus der hinauf- und herabschreitenden Museumsbesucher ein, wobei zwar die Tage der Aufführung, nicht aber die genauen Zeitpunkte bekannt sind. Die Sänger tauchen also überraschend auf und verwandeln die Treppe in einen Aufführungsraum, in dem sich – anders als in einer Konzertsituation – auch die Besucher als Akteure wiederfinden.

Das Projekt heißt „Escalier du chant“. Was hat es mit diesem Titel auf sich?
Bei meiner Arbeit geht um die Bedeutung des Klangs – auch im Titel der Arbeit: Durch das Aussprechen des französischen Werktitels „Escalier du chant“ ergibt sich eine Anspielung auf Marcel Duchamp. Dessen vor 100 Jahren entstandenes Gemälde „Akt, eine Treppe herabsteigend“ erweiterte radikal die traditionelle Vorstellung des unbewegten Bildes um die Seh-Erfahrungen des bewegten. Das Gemälde von Duchamp lässt Zeit sichtbar werden. Auch meine Arbeit  verbindet eine Treppe mit einer Zeiterfahrung. „Escalier du chant“ ist eine Art gesungene Jahreschronik.

 

Erfahren Sie mehr über Leben und Werk des Künstlers Olaf Nicolai in dessen Biographie (PDF, 82 KB).