GEORGE STUBBS
26.01.2012 - 06.05.2012
Neue Pinakothek
1818
Kronprinz Ludwig, ab 1825 König von Bayern, erwirbt mit privaten Mitteln die ersten Bilder von jungen Malern in Rom, die eine Erneuerung der Kunst auf geistig-religiöser und nationaler Grundlage anstrebten: Wilhelm Schadows „Heilige Familie“ (1818), Heinrich Hess’ Bildnis der Marchesa Marianna Florenzi (1824) und Friedrich Overbecks „Italia und Germania“ (1832). Diese Werke der sogenannten „Nazarener“ bilden den Kern der rasch anwachsenden Sammlung zeitgenössischer Malerei des bayerischen Königs, die bald die bedeutendste ihrer Art in Deutschland ist.
1838
Carl Rottmann beginnt im Auftrag Ludwigs I. mit der Ausführung des Zyklus’ griechischer Landschaften. Bis 1850 entstehen 23 Gemälde, die, auf große, transportable Putzplatten gemalt, ursprünglich in den Hofgartenarkaden bei der Münchner Residenz angebracht werden sollten. Nach mehreren Planänderungen wird der Zyklus nach seiner Vollendung schließlich in einem großen Saal der Neuen Pinakothek aufgestellt.
1841
Ludwig I. erwirbt die Sammlung Leo von Klenzes mit 58 Gemälden zeitgenössischer Künstler, Landschaften und Genrebilder unter anderem von Carl Rottmann, Franz Ludwig Catel, Georg von Dillis, Julius Schnorr von Carolsfeld und Peter Hess. Im selben Jahr bestellt er bei Wilhelm Kaulbach das Monumentalgemälde der „Zerstörung Jerusalems“, das später im Mittelsaal der Neuen Pinakothek hängen wird.
1846
Grundsteinlegung zum Bau der Neuen Pinakothek, die auf dem Grundstück nördlich gegenüber der Alten Pinakothek nach Plänen von Friedrich von Gärtner und August von Voit errichtet wird. Die Mittel werden aus dem Privatvermögen des Königs aufgebracht. In seiner Festansprache bestimmt Ludwig I. den Museumsbau für „Gemälde aus diesem und aus künftigen Jahrhunderten“.
1853
Am 25. Oktober wird die Neue Pinakothek für das Publikum geöffnet. Es ist das erste zur dauerhaften Präsentation von Gemälden zeitgenössischer Künstler erbaute Museum weltweit. Ludwig I. erweitert die Sammlung auch weiterhin mit Bilderkäufen. Aus den Erwerbungen der späteren Jahre ragen Pilotys „Seni vor der Leiche Wallensteins“ (1855) und Böcklins „Pan im Schilf“ (1859) heraus.
1868
Im Todesjahr König Ludwigs I. umfasst der Bestand der Neuen Pinakothek 425 Gemälde. Die königlichen Erwerbungen für die Neue Pinakothek werden nach dem Tod Ludwigs I. nicht fortgesetzt. Zu den wenigen Ankäufen Ludwigs II. zählen Feuerbachs „Medea“ (1870) und Pilotys „Thusnelda im Triumphzug des Germanicus“ (1874). Anstelle des Königshauses beginnt der bayerische Staat zunächst zögernd, Gemälde zeitgenössischer Künstler zu erwerben, die ebenfalls in der Neuen Pinakothek ausgestellt werden. Zu den ersten Ankäufen zählen vor allem Bilder von Münchner Malern wie Franz Defregger, Adolf Lier und Joseph Wenglein.
1886
Der bayerische Staat setzt einen jährlichen Ankaufsetat in Höhe von 10.000 RM fest, der zur Erwerbung von zeitgenössischen Gemälden und Skulpturen bestimmt ist und 1890 deutlich auf 90.000 RM erhöht wird. Aus diesen Mitteln werden vor allem Werke aus den großen, international renommierten Kunstausstellungen im Münchner Glaspalast erworben und bald auch aus den Ausstellungen der Münchner Secession. Die Auswahl beschränkt sich nicht nur auf Werke süddeutscher oder deutschsprachiger Künstler, sondern umfasst auch Werke der zeitgenössischen skandinavischen, englischen oder niederländischen Malerei.
1891
Der Freund und Förderer Hans von Marées’, Conrad Fiedler, schenkt der Sammlung neunzehn Werke des Künstlers, darunter die Triptychen der „Hesperiden“ und der „Werbung“. Auf der Münchner Jahresausstellung im Glaspalast wird Max Liebermanns „Frau mit Geißen in den Dünen“ erworben.
1909
Hugo von Tschudi wird zum Generaldirektor der staatlichen Gemäldesammlungen berufen und leitet die Erwerbung von 44 Gemälden, neun Skulpturen und 22 Zeichnungen vor allem neuerer französischer Künstler ein. Nachdem die Werke nicht aus öffentlichen Mitteln erworben werden dürfen, war es nach Tschudis Tod 1911 vor allem seinem Mitarbeiter Heinz Braune sowie Tschudis Berliner Mäzenen Eduard Arnhold sowie Paul und Robert von Mendelssohn zu verdanken, dass die notwendigen Mittel durch private Spenden aufgebracht werden konnten. Teil der sogenannten Tschudi-Spende sind Hauptwerke der Sammlung wie Gustave Courbets „Apfelstillleben“ und „Durchgehendes Pferd“, Edouard Manets „Frühstück im Atelier“, Claude Monets „Seinebrücke von Argenteuil“, Vincent van Goghs „Blick auf Arles“ und „Sonnenblumen“, Paul Gauguins “Geburt”, Paul Cézannes “Stillleben mit Kommode“ und Selbstbildnis, aber auch Honoré Daumiers „Drama“ und Ferdinand Hodlers „Jenenser Student“.
1915
Das Gebäude der Neuen Pinakothek geht aus dem Eigentum des königlichen Hauses in Staatseigentum über, während der königliche Teil der Sammlung im Hausvermögen der Wittelsbacher verbleibt und 1923 in den neu gegründeten Wittelsbacher Ausgleichsfonds eingebracht wird.
1919
Das weiterhin rasche Anwachsen der Bestände macht eine durchgreifende Neuordnung der Galerie notwendig. Jüngere, als wegweisend erachtete Werke, darunter viele französische Werke der Tschudi-Spende, aber auch die Gemälde Hans von Marées’, werden ausgegliedert und ab 1920 in der „Neuen Staatsgalerie“ im Kunstausstellungsgebäude am Königsplatz ausgestellt.
1944
Das Gebäude der Neuen Pinakothek wird durch Bomben schwer beschädigt. Die Ruine wird 1948 zum Abbruch freigegeben. Ausgewählte Werke aus der Sammlung der Neuen Pinakothek werden ab 1947 im Haus der Kunst an der Prinzregentenstraße provisorisch ausgestellt.
1967
Aus dem Ideenwettbewerb für den Neubau eines Galeriegebäudes auf dem Grundstück der ehemaligen Neuen Pinakothek geht der Entwurf des Münchner Architekten Alexander Freiherr von Branca als Sieger hervor. 1975 wird der Grundstein zum heutigen Gebäude gelegt, das neben der Galerie der Neuen Pinakothek auch die Verwaltung der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen sowie das Doerner Institut umfasst.
1981
Am 28. März wird die Neue Pinakothek eröffnet. Die Spannweite der ausgestellten Gemälde und Skulpturen reicht vom internationalen Klassizismus bis zur Kunst an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Um die Entwicklung der Malerei des 19. Jahrhunderts in Richtung von Naturwahrheit und künstlerischen Formproblemen darzustellen, werden die Werke der englischen Malerei des 18. Jahrhundert wie auch die Bilder Goyas, die bis dahin in der Alten Pinakothek ausgestellt waren, in die Neue Pinakothek eingebunden, wo sie nun den Beginn des Rundgangs bilden. Die Werke der französischen und deutschen Impressionisten und Nachimpressionisten sowie des internationalen Symbolismus und des Jugendstils bezeichnen den Übergang in das 20. Jahrhundert. Der großen Werkgruppe Hans von Marées’ wird ein eigener Saal gewidmet. Ebenfalls in einem eigenen Saal werden 34 Gemälde aus der bedeutenden Sammlung des Schweinfurter Industriellen Georg Schäfer gezeigt, die im Jahr 2000 in das neu eröffnete Museum Georg Schäfer in Schweinfurt umziehen.
2003
Am 25. Oktober begeht die Neue Pinakothek die 150-Jahr-Feier ihres Bestehens. Zu diesem Anlass wird die Galerie in weiten Teilen neu gehängt der Rottmann-Saal eingerichtet, in dem erstmals seit 1939 wieder 14 Wandbilder aus dem Griechenland-Zyklus Carl Rottmanns in der Neuen Pinakothek gezeigt werden können.