Forschung

Die Provenienzforschung der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen erstreckt sich auf Kunstwerke, die ab 1933 erworben bzw. inventarisiert wurden und deren Provenienzen unklar sind. Gemäß der Holocaust Konferenz von 1998 in Washington prüfen die Staatsgemäldesammlungen ihre Bestände in den Pinakotheken und Zweiggalerien, um festzustellen, ob sich darunter während des Nationalsozialismus unrechtmäßig enteignete Kunstwerke aus ehemals jüdischem Besitz befinden. Zielsetzung ist eine möglichst lückenlose Dokumentation der Provenienzen, die die Aufklärung von Eigentumsverhältnissen erleichtert.

Ihre Ansprechpartnerin zum Thema Provenienzforschung
Dr. Andrea Christine Bambi
T: +49 (0)89 23805 119

provenienz@pinakothek.de

 

FORSCHUNGSPROJEKTE

Kooperationsprojekt staatlicher und städtischer Museen in München

Die staatlichen und städtischen Museen in München starteten zum 1. Juni 2009 ein von der Arbeitsstelle für Provenienzrecherche/-forschung in Berlin bundesweit erstmalig gefördertes Kooperationsprojekt mit dem Thema: Das Schicksal jüdischer Kunstsammler und Händler in München 1933-1945. Das dreijährige Forschungsprojekt wird zu 50 % von der Arbeitsstelle für Provenienzrecherche/ -forschung in Berlin gefördert und zu 50 % von den beteiligten Museen getragen. 

Auf Basis der in den Beschlagnahmungsprotokollen der Gestapo München 1938/39 erfassten Namen von Kunstsammlern und Händlern jüdischer Herkunft in München und aus dem Münchner Umland wird seitdem ein wichtiges Kapitel Jüdischen Lebens in München erschlossen. Erarbeitet werden Kurzbiographien der 80 namentlich bekannten Händler und Sammler. Anhand der vorhandenen Protokolle lässt sich außerdem deren umfangreicher Kunstbesitz, etwa 2000 Objekte, identifizieren und deren weiterer Verbleib bis zu Restitution, falls erfolgt, rekonstruieren.

Einige der an dem Projekt beteiligten Museen (Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Bayerisches Nationalmuseum, Staatliche Graphische Sammlung, Jüdisches Museum, Städtische Galerie im Lenbachhaus, Stadtmuseum, Villa Stuck) waren aktiv in die Beschlagnahmungsaktion von 1938/1939 eingebunden. Diese Tatsache wie auch die Planung und Durchführung der offenbar singulären Aktion bilden einen weiteren Schwerpunkt der Recherchen. Die Museen werden mittels dieser Fragestellung ihre eigene Geschichte erhellen und bislang ungeklärte Besitzstände aufklären können.

Forschungsprojekt:
Das Schicksal jüdischer Kunstsammler und Händler in München 1933-1945 
(PDF, 35 KB)

 

AKTUELLE RESTITUTIONEN

12.05.2010: Restitution von Bildern der Sammlung August Liebmann Mayer

August Liebmann Mayer (1885 - 1944)
August Liebmann Mayer
(1885 - 1944)

12.5.2010:
Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen restituieren
vier Bilder aus der Sammlung von August Liebmann Mayer

Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen restituieren ein Damenbildnis von Wilhem Thöny, eine Mariendarstellung von Cristoforo de' Moretti, eine kölnische Aposteldarstellung und eine Christusdarstellung aus dem 19. Jahrhundert an Rechtsanwalt Markus Stötzel, der die in Los Angeles lebende Tochter des jüdischen Kunsthistorikers August Liebmann Mayer (1885-1944) vertritt. 

Die Restitution erfolgt gemäß der Handreichung der Länder zur Umsetzung der »Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zur Auffindung und zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem Besitz«. Damit schließen die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen erneut ein Verfahren ab, das begangenes Unrecht der Zeit des Nationalsozialismus auszugleichen versucht.

Von 1909 bis 1931 war August Liebmann Mayer als Kustos an den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen tätig, er begann unter Hugo von Tschudi als Volontär und war zu Generaldirektor Friedrich Dornhöffers Zeiten Kustos mit Spezialgebiet Spanien an der Alten Pinakothek. Noch heute gilt er als ausgewiesener Kenner der spanischen Malerei. 

Schwerwiegende Unterstellungen, Mayer habe mit gesondert honorierten Expertisen ein Vermögen gemacht, das er aber angeblich nicht versteuerte, führten 1931 zu einer beispiellosen Hetzkampagne und seinem selbst geforderten Entlassungsgesuch aus dem Staatsdienst. 1933 nahm die Geheime Staatspolizei Mayer in „Schutzhaft“, aus der er erst nach einem Selbstmordversuch entlassen wurde. Seine Kunstsammlung und Wertgegenstände wurden wegen unterstellten / angeblichen hohen Steuerschulden bei Hugo Helbing u. a. versteigert, 1936 emigrierte er mit Unterstützung einflussreicher Kunsthändler nach Frankreich, wo er zunächst mit Frau und Kind in Paris wohnte. Als dort 1940 die deutschen Truppen einmarschierten, musste Mayer nach Nizza fliehen. Seine Pariser Wohnung samt wertvoller Bibliothek und kleiner Kunstsammlung wurde vom ERR beschlagnahmt und nach Deutschland überführt. In Monte Carlo wurde Mayer am 3.2.1944 verhaftet, am 13.2.1944 nach Drancy und von dort am 7.3.1944 nach Auschwitz deportiert, wo er am 13.3.1944 ermordet wurde.

Das Finanzamt München hatte Mayer eine Steuerstrafe auferlegt, die aus Mayers beschlagnahmten Wertpapieren bezahlt wurde. Außerdem hatte das Finanzamt Steuernachholungen festgesetzt, wovon ein Teil aus flüssigen Mitteln bezahlt wurde und ein Rückstand in sechsstelliger Höhe verblieb. Das Finanzamt verlangte, dass das Grundstück Mayers in Tutzing und alle greifbaren Vermögenswerte, darunter seine wertvolle Kunstsammlung, verkauft werden müssten. Alle diese Beträge gingen an das Finanzamt München Nord und das Finanzamt Tutzing zur Abdeckung der Steuerrückstände. 1944 stellte die Geheime Staatspolizei an den Oberfinanzpräsidenten VII München Feststellungsantrag auf Vermögensverfall für die Vermögenswerte des Juden August Israel Liebmann Mayer, geb. 27.10.1885 in Darmstadt, zuletzt wohnhaft München, Martiusstraße 8.

1954 wurden den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen drei Gemälde aus dem Eigentum von August Liebmann Mayer vom Landesamt für Vermögensverwaltung in Obhut gegeben und im September 1956 übereignet. Ein viertes Bild kam 1981 als Hinterstellung ins Haus. 

Im gleichen Jahr stellte die als einzige Erbin verbleibende Tochter Mayers beim Bayerischen Entschädigungsamt Antrag auf Schaden an Vermögen, Verkauf einer Wohnungseinrichtung und von Kunstgegenständen. Die Ansprüche werden an die zuständige Wiedergutmachungsbehörde verwiesen. Diese wiederum wies den Antrag als unbegründet zurück. Erst 1963 erzielte die Tochter einen Vergleich mit den Wiedergutmachungsbehörden.

Das heute zu restituierende 1913 datierte Werk des Grazer Künstlers Wilhelm Thöny (1888-1949), Zeitgenosse von Egon Schiele und Oskar Kokoschka, stellt eine Frau mittleren Alters dar, deren Identität unbekannt ist. Thöny hatte an der Akademie der Künste in München studiert und emigrierte mit seiner jüdischen Frau 1931 zunächst nach Paris, später nach New York. 1948 wurden durch einen Brand in einem Lagerhaus über tausend seiner Grafiken und Gemälde, die in einer großen Kollektivausstellung gezeigt werden sollten, zerstört. Damit war fast sein ganzes Lebenswerk verloren.

Zwei der drei 1954 aus Staatsbesitz an die BSTGS überwiesen Werke aus der Sammlung von August Liebmann Mayer waren 1933 bei Hugo Helbing angeboten worden, blieben aber unverkauft. Der Katalog verzeichnete das Werk von Moretti als Arbeit von Besozzo. Dargestellt sind auf der kleinformatigen Tafel vor einem reich punzierten Goldgrund Maria mit dem Kinde, die Heiligen Anna, Antonius Abbas und Petrus Martyr. Christoforo Moretti ist zwischen 1450 und 1475 als Maler in Mailand, vor allem am Hof der Sforza, und im Piemont greifbar. Die Tafel aus dem Nachlass von Mayer dokumentiert Morettis Rückbesinnung auf die spezifische Ausprägung der Internationalen Gotik in Norditalien. Das einzige signierte Werk Morettis ist ein Triptychon aus S. Aquilino in Mailand (heute Museo Poldi Pezzoli), das eine große stilistische Nähe zu den Werken des Michelino da Besozzo offenbart. 

Die Aposteldarstellung wiederum galt damals als Werk des Meisters des Marienlebens. Das vierte kleinformatige Werk aus dem frühen 19. Jahrhundert zeigt Christus vor Pilatus.

 

23.06.2008: Restitution eines Stillebens von Willem Kalf

Das restituierte Bild »Stillleben mit Porzellankanne« von Willem Kalf

23.06.2008:
Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen 
restituieren
ein Stillleben von Willem Kalf an die Erben nach Josef Block 

Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen restituieren ein Stillleben von Willem Kalf an Peter Block aus Hamburg, den Enkel des Malers und Kunstsammlers Josef Block. Der Bayerische Landtag hat im Nachtragshaushaltsgesetz vom 24. April 2008 das Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst zur unentgeltlichen Eigentumsübertragung an Herrn Peter Block ermächtigt. Die Restitution erfolgt gemäß der Handreichung der Länder zur Umsetzung der »Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zur Auffindung und zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem Besitz«. Damit schließen die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen erneut ein Verfahren ab, das begangenes Unrecht der Zeit des Nationalsozialismus auszugleichen versucht.

»Es freut mich außerordentlich, dass es heute ein weiteres Mal auch nach vielen Jahrzehnten möglich ist, mit der Restitution eines Kunstwerks Opfer der Verbrechen der nationalsozialistischen Willkürherrschaft in ihr Recht zu setzen,« bekräftigt Prof. Dr. Reinhold Baumstark, der Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen.

Das Gemälde wurde 1940 auf dem Tauschwege für die Alte Pinakothek erworben. Es stammt ursprünglich aus der Sammlung Berthold Richters in Leipzig, der es seinem Neffen Josef Block (1863-1943) vermachte. Dieser war Schüler der Breslauer und Münchner Akademie und gehörte 1892 zu den Gründungsmitgliedern des »Vereins der bildenden Künstler Münchens«, der späteren Münchner Sezession, deren Mitglieder sich im Atelier von Josef Block trafen. Ab 1896 lebte Block in Berlin, wo er in der Großen Berliner Kunstausstellung ausstellte und zu den Mitbegründern der Berliner Secession zählte. Von seinem Onkel, dem Juristen und Kunstsammler Berthold Richter aus Leipzig erbte er besagte Sammlung Alter Meister. Aufgrund seiner jüdischen Abstammung wurde Josef Block seit 1933 verfolgt und musste das Stillleben von Kalf unter Druck verkaufen. Es gelangte in die Hände des Chefeinkäufers von Adolf Hitler Andreas Walter Hofer, der es wiederum bei dem damaligen Generaldirektor der Staatsgemäldesammlungen, Ernst Buchner, gegen zwei holländische Genregemälde eintauschte.

Durch die großzügige Unterstützung des Pinakotheks-Vereins aber bleibt das bedeutende Gemälde Kalfs der Alten Pinakothek erhalten: Der Pinakotheks-Verein erwirbt das Werk von Peter Block und übergibt es als Dauerleihgabe an die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen.

 

14.09.2005: Restitution eines Gemäldes von Fritz Schider

Das restituierte Bild »Musikalische Unterhaltung« von Fritz Schider

14.09.2005:
Das Gemälde »Musikalische Unterhaltung« von Fritz Schider
aus der Sammlung von Max Meirowsky

Das Gemälde »Musikalische Unterhaltung« von Fritz Schider wurde von den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen an Dr. Jost von Trott zu Solz, dem Vertreter der Erben des einstigen jüdischen Eigentümers restituiert. Das Gemälde hatte vor der Naziherrschaft dem Sammler Dr. Max Meirowsky gehört.

Im Februar 1937 erwarben die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen nach Genehmigung durch das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus das Gemälde und inventarisierten es unter der Nr. 10328. Der Eigentümer Dr. Max Meirowsky hatte es im September 1936 zusammen mit neun weiteren Gemälden angeboten, die er »wegen Raummangels« veräußern musste. Damit kam Dr. Meirowsky einer Zwangsversteigerung zuvor. 

Das 1874 datierte Werk Fritz Schiders stellt in lockerer, skizzenhafter Malweise und buntem Kolorit eine Gruppe von fünf Damen, zwei Herren und einem Kind mit Hund in einem Raum dar. Das Gemälde zeigt eine Gruppe von Damen bei einer Unterhaltung, während die Herren einer jungen Frau am Klavier lauschen. Nach Auskunft Dr. Max Meirowskys handelt es sich bei der Pianistin um Schiders Frau Linda, die Nichte des Malers Wilhelm Leibl. 

Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen erkennen ihre moralische Verpflichtung an, unrechtmäßig entzogenes Kulturgut zurückzuerstatten. Bereits im Jahr 2000 erstatteten sie ein Gemälde des Malers Kalckreuth, im vergangenen Jahr wurde ein Bild von Hans Thoma an die rechtmäßigen Erben restituiert. 

»Es ist mir eine ganz besondere Freude, dass es im Rahmen der Provenienzforschung von Kunstwerken, die von den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen mit besonderem Nachdruck betrieben wird, ein weiteres Mal gelungen ist, auch nach langem zeitlichen Abstand Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zu ihrem Recht zu verhelfen und zugleich ein Zeichen der Erinnerung an die begangenen Verbrechen zu setzen,« so Prof. Reinhold Baumstark im Rahmen der Gemälderückgabe.

 

05.10.2004: Restitution eines Gemäldes von Hans Thoma

Das restituierte Bild »Dämmerung am Gardasee« von Hans Thoma

05.10.2004:
Das Gemälde »Dämmerung am Gardasee« von Hans Thoma wurde
von den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen an die Erben eines
einstigen jüdischen Eigentümers Ottmar Strauss restituiert

Das Gemälde »Dämmerung am Gardasee« von Hans Thoma wurde von den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen an die Erben eines einstigen jüdischen Eigentümers restituiert. Generaldirektor Prof. Dr. Reinhold Baumstark übergab das Gemälde an Dr. Jost von Trott zu Solz (+2009), den Vertreter der Erben von Ottmar Strauss, in dessen Eigentum sich das Bild ursprünglich befunden hatte. Professor Baumstark gab anlässlich der Restitution seiner Freude Ausdruck, dass es erneut gelungen sei, auch nach langem zeitlichen Abstand jüdischen Mitbürgern zu ihrem Recht zu verhelfen und zugleich ein Zeichen des Erinnerns an die während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft begangenen Untaten zu setzen. 1909 befand sich das Bild in der Sammlung Oskar Hermes in München. Für 1922 ist es bereits in der Sammlung von Ottmar Strauss in Köln bekannt. Der Unternehmer und bedeutende Kunstsammler jüdischer Abstammung emigrierte 1936 in die Schweiz, um den rassischen Verfolgungen durch die Nationalsozialisten zu entgehen. Dieser Emigration ging der Verlust fast sämtlicher Vermögenswerte voraus, darunter seiner Kunstsammlung, die 1934 und 1935 im Auktionshaus Hugo Helbing in Frankfurt zur Versteigerung kam. Dämmerung am Gardasee wurde in diesem Zusammenhang am 24.5.1935 als Los 180 aufgerufen, erhielt aber keinen Zuschlag. Im Februar 1943 wurde das Gemälde über einen Mittelsmann durch den Reichsleiter der NSDAP Martin Bormann von dem Münchner Galeristen Brettschneider für 60.000 RM erworben. Als vorgebliches Eigentum der ehemaligen NSDAP-Parteizentrale 1957 an den Freistaat Bayern übertragen, wurde das Gemälde schließlich von den Staatsgemäldesammlungen mit der Nr. 12579 inventarisiert. Der für seine stimmungsvollen Landschaften bekannte Hans Thoma (Bernau 1839 – Karlsruhe 1924) hat das Bild anlässlich einer seiner vielen Italienreisen gemalt, die er seit 1874 unternahm. Die Landschaft des Gardasees lernte Thoma 1897 bei einem Besuch des befreundeten Publizisten Thode in Gardone kennen, wohin er im Frühling 1905 erneut reiste. Das 1906 datierte und mit HTh gekennzeichnete Werk zeigt die terrassenförmigen Weinberge von Gardone mit einem Ochsengespann, das von zwei Männern geführt wird. 

Den Grundsätzen der Washingtoner Konferenz von Dezember 1998 und der gemeinsamen Erklärung von Bund, Ländern und Kommunen vom Dezember 1999 folgend, erkennen die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen ihre Verpflichtung an, unrechtmäßig entzogenes Kulturgut zurückzuerstatten. Sie haben somit das Gemälde an die Nachfahren des Kunstsammlers Ottmar Strauss übergeben.

 

13.03.2000: Restitution eines Triptychons von Leopold Graf Kalckreuth

Das restituierte Triptychon »Die drei Lebensalter« (Mitteltafel) von Leopold Graf Kalckreuth
13.03.2000:
Das Triptychon »Die drei Lebensalter« 
von Leopold Graf Kalckreuth (1855-1928)
wird vom Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen,
Dr. Reinhold Baumstark, in London den Erben von Elisabeth Glanville übergeben

Indem er damit dem Antrag der Erben wie auch der Commission for Looted Art in Europe, London, folgt, versteht er die Übergabe zugleich als ein Zeichen dafür, dass die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen die Berechtigung am ehemaligen Eigentum der Besitzer, die durch nationalsozialistisches Unrecht geschädigt wurden, beziehungsweise deren Erben anerkennen. Leopold Graf von Kalckreuth hat das Triptychon „Die drei Lebensalter“, das auch den Titel „Des Menschen Leben währet siebenzig Jahre“ trägt, 1898 gemalt. Bereits 1900 wird es in Wiener Privatbesitz erwähnt. 1930 hat Elisabeth Glanville (1901-1983) das Werk von ihrem Vater, dem österreichischen Kunstsammler Fritz Redlich, geerbt. Sie musste das Triptychon zusammen mit dem gesamten Besitz in Wien zurücklassen, als sie im März 1938 wegen ihrer jüdischen Abkunft mit Ehemann und Kindern zur Emigration gezwungen war. 1942 haben die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen das Triptychon aus Wiener Privatbesitz zum Preis von 15.000 Reichsmark für die Neue Pinakothek erworben, ohne dass ihnen bekannt gewesen wäre, wem das Werk vorher gehört hat. Seit 1971 hat Elisabeth Glanville in München auf die ehemaligen Besitzverhältnisse aufmerksam gemacht, doch blieben ihre Bemühungen um Rückgabe damals leider ohne Erfolg, weil dafür die Berechtigung durch die Wiedergutmachungskammer des Landgerichts Berlin nicht anerkannt wurde. Umso nachdrücklicher nehmen die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen jetzt die moralische Verpflichtung wahr und übergeben das Gemälde, das sich zurzeit in London auf der Ausstellung „1900 – Art at the Crossroads“ in der Royal Academy of Arts befindet, an die Erben von Elisabeth Glanville. Unabhängig davon wird derzeit bei den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen nach entsprechenden Erwerbungen geforscht, um die Rückgabe weiterer Werke, die in der Zeit des Nationalsozialismus ihren jüdischen Eigentümern entzogen wurden, prüfen zu können.

 

 

ALLGEMEINE INFORMATIONEN ZUR PROVENIENZFORSCHUNG

Weitere Informationen, Downloads und Links

PRESSEMITTEILUNG DER BAYERISCHEN STAATSGEMÄLDESAMMLUNGEN VOM 17. OKTOBER 2011
Stellungnahme des Generaldirektors der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen zur Erwerbung des Gemäldes "Madame Soler" von Pablo Picasso

Stellungnahme (PDF, 30 KB)

 

PRESSEMITTEILUNG DER BAYERISCHEN STAATSGEMÄLDESAMMLUNGEN VOM 23. MAI 2010
In einem gemeinsamen Forschungsprojekt widmen sich die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und die Städtische Galerie im Lenbachhaus zusammen mit dem Kunsthistoriker Dr. Felix Billeter dem Kunsthändler und Sammler Günther Franke (1900-1976). 

Pressemitteilung der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen (PDF, 106 KB)

 

PRESSEMITTEILUNG DER BUNDESREGIERUNG VOM 15.10.2008
Der Beirat der Arbeitsstelle für Provenienzrecherche/-forschung fördert die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen bei der Erschließung von Ressourcen in Archiven und Nachlässen.

Pressemitteilung der Bundesregierung (PDF, 22 KB)

 

HANDREICHUNG
Handreichung zur Umsetzung der „Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zur Auffindung und zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem Besitz“ vom Dezember 1999 vom Februar 2001, überarbeitet im November 2007.

Handreichung (PDF, 66 KB)
 

GEMEINSAME ERKLÄRUNG
Die Bundesrepublik Deutschland hat nach dem Zweiten Weltkrieg unter den Voraussetzungen der alliierten Rückerstattungsregelungen, des Bundesrückerstattungsgesetzes und des Bundesentschädigungsgesetzes begründete Ansprüche wegen des verfolgungsbedingten Entzugs von Kulturgütern erfüllt sowie die entsprechenden Verfahren und Institutionen zur Verfügung gestellt, damit die sonstigen Rückerstattungsverpflichteten von den Berechtigten in Anspruch genommen werden konnten. ...

Gemeinsame Erklärung (PDF, 22 KB)
 

WASHINGTONER PRINZIPIEN
Grundsätze der Washingtoner Konferenz in Bezug auf Kunstwerke, die von den Nationalsozialisten beschlagnahmt wurden (Washington Principles) Veröffentlicht im Zusammenhang mit der Washingtoner Konferenz über Vermögenswerte aus der Zeit des Holocaust, Washington, D.C., 3. Dezember 1998

Washingtoner Prinzipien (PDF, 19 KB)

www.lostart.de
www.arbeitsstelle-provenienzforschung.de